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MV aktuell No Brexit please: Briten in MV wollen EU
Nachrichten MV aktuell No Brexit please: Briten in MV wollen EU
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00:00 06.06.2016

Der drohende Ausstieg Großbritanniens aus der EU stößt bei in MV lebenden Briten auf wenig Gegenliebe. Bei der Abstimmung über den Brexit am 23. Juni wollen viele mit „No“ stimmen.

Justin Sismey hat gute Gründe für ein geeintes Europa: „Ohne Britanniens Mitgliedschaft in der EU hätte ich meine Frau wohl nie kennengelernt“, sagt der 47-Jährige. Mit seiner Frau Kristin und den beiden gemeinsamen Kindern lebt der Brite in Rostock. Aber sein Engagement für ein europäisches Great Britain beruht nicht nur auf privaten Erfahrungen: „Dank der EU herrscht in Europa Frieden und Verständnis wie nie zuvor.“

Sismey hat in Rostock ein eigenes Unternehmen. Als freischaffender Lehrer unterrichtet er in hier ansässigen Firmen Wirtschaftsenglisch. „Das ist ein Ergebnis des freien Marktes in der EU: Ich konnte ohne Probleme nach Rostock kommen und hier arbeiten“, sagt Sismey. Seine aus Sachsen stammende Frau Kristin hatte er vor 20 Jahren am College in England kennengelernt, wo die damals 23-jährige Kristin studierte – dank eines Stipendiums für EU-Bürger.

Auch Lucy Cathrow hat ihren Mann dank der EU gefunden. Die 37-Jährige arbeitet als Übersetzerin in Rostock. „Ich habe im Rahmen eines EU-Programms ein freiwilliges soziales Jahr in Wien gemacht. Dort habe ich meinen Mann Christian kennengelernt, der dort studiert hat.“ Sie betont: „Ich fühle mich als Europäerin, ich hatte nur Vorteile von Europa.“ Cathrow und die beiden gemeinsamen Kinder haben die doppelte Staatsbürgerschaft – deutsch und britisch. „Die deutsche zu bekommen, war für mich als EU-Bürgerin sehr einfach. In der Ausländerbehörde bekommt man mit, wieviel schwieriger es für Nicht-EU-Bürger ist.“

Cathrow sieht in der Brexit-Bewegung eine gewisse Ironie: „Über Jahrhunderte hat sich Britannien in anderen Ländern eingemischt, und jetzt haben viele ein Problem damit, dass einige Gesetze in Brüssel gemacht werden.“ Sie sehe nicht, wie Großbritannien ohne Europa stärker sein sollte. „Alleine könnten wir nicht überleben.“ Zu stark seien beide Seiten des Ärmelkanals inzwischen verflochten und voneinander abhängig.

Die Argumente der Brexit-Befürworter teilt auch Justin Sismey nicht: „Am meisten kritisiert werden die Bürokratie und die Einwanderung nach Großbritannien. Aber die EU-Bürokratie hat uns viel Gutes gebracht: Qualitätsstandards für Produkte, Umweltschutz und Rechtssicherheit.“Auch beim Thema Migration sieht er eher Vorteile als Gefahren: „Die Migranten waren und sind sehr wichtig für die britische Wirtschaft.“ Der Wegfall der EU-Reisefreiheit nach möglichem Austritt würde Sismey hart treffen: „Ich reise viel durch Europa und nach Großbritannien. Das würde dann viel schwieriger werden.“

Für den Englischlehrer macht sich die Brexit-Fraktion etwas vor: „Sie berufen sich auf ein Goldenes Zeitalter Großbritanniens, das es zumindest in den letzten 60 Jahren gar nicht gegeben hat.“ Auch die Mehrheit seiner Freunde und Verwandten sei gegen den Austritt.

Cathrow und Sismey werden an der Abstimmung teilnehmen. In Großbritannien ist es möglich, dafür einen Stellvertreter auszuwählen. „Ich habe meinen Nachbarn gebeten, für mich abzustimmen. Er ist Polizist und ebenfalls gegen den Brexit – ich kann mich also auf ihn verlassen“, sagt Sismey mit typisch britischem Humor.

Axel Büssem

43 Prozent der Briten wollen jüngsten Umfragen zufolge gegen den sogenannten Brexit stimmen, 41 Prozent sind für den Ausstieg aus der europäischen Union.

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