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Nobel-Bettenburgen an der Ostsee gefragt wie noch nie

Lohme/Klütz/Born Nobel-Bettenburgen an der Ostsee gefragt wie noch nie

Drei neue, große Ferienparks an der Küste buhlen um zahlungskräftige Käufer

Lohme/Klütz/Born. Die Nachfrage nach „Betongold“ an der Ostsee als sichere Geldanlage lässt vielerorts neue Ferienhäuser aus dem Boden sprießen wie Pilze im Wald.

Mindestens drei Großprojekte an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern sorgen derzeit für Diskussionen. In Lohme auf Rügen ist sogar ein früherer Spitzenpolitiker aus Österreich beteiligt: Andreas Khol (76), langjähriger Nationalratspräsident, Bundespräsidentenkandidat der ÖVP und gebürtiger Rüganer, stellt mit einem Rügener Architekten 7500 Quadratmeter Bauland bereit, für acht dreigeschossige Ferienhäuser.

150 Meter weiter plant die Hotelgruppe Sante Royal einen Neubau auf einem ehemaligen Grundstück von Radio Rügen, das heute der Telekom gehört. Medizinische Wellnessanlagen sollen Gäste anlocken, in direkter Nachbarschaft weitere Ferienwohnungen entstehen. Alles zusammen gut 500 Betten. „Ein gutes Vorhaben. Es sichert den Bestand und bringt Arbeitsplätze“, lobt Ex-Politiker Khol im Gespräch mit der OZ.

Ein Teil der Lohmer sieht das anders: „Das alles ist überdimensioniert“, kritisiert Jörg Burwitz, Sprecher einer Bürgerinitiative, die das Vorhaben stoppen will. Lohme lebe von Touristen, die zum Wandern und Natur erleben kommen. Der Ort am Nationalpark Jasmund dürfe kein „zweites Sylt“ werden. Das würde ohnehin nicht klappen, so die Gegner: „Die Reichen und Schönen fahren nach Binz. Was sollen die bei uns, wo es kaum Angebote für sie gibt?“, fragt Burwitz.

Große Ferienparks sind auch in Born auf dem Darß und im Klützer Winkel (Landkreis Nordwestmecklenburg) geplant. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), zuständig für den Tourismus in MV, begrüßt grundsätzlich, wenn investiert wird. „Wir wollen mit abwechslungsreichen Angeboten Gäste für einen Urlaub im Land begeistern“, sagt er. Neue Vorhaben würden „dem Bedarf entsprechend unterstützt“, ein Überangebot soll aber vermieden werden. Anträge auf Fördermittel liegen für die drei neuen Großprojekte derzeit nicht vor, heißt es im Ministerium.

Mehr Rückhalt als in Lohme gibt es für den Ferienpark „Landal Bad Boltenhagen“ in Christinenfeld, Ortsteil der Kleinstadt Klütz . 90 Prozent der Einwohner finden den Bau von 113 „Ferien-Villen“ mit 500 Betten gut, schätzt Bürgermeister Guntram Jung (CDU). Für dicke Luft sorgt das Projekt im zehn Kilometer entfernten Ostseebad Boltenhagen. Dort lieh sich das niederländische Ferienimmobilien-Unternehmen Van Wijnen Recreatiebouw den Namen für den Ferienpark – ohne vorher zu fragen. „Das ist eine Mogelpackung“, schimpft Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU). Er will rechtliche Schritte prüfen lassen. Urlaubern würde „vorgegaukelt“, sie seien im Ostseebad, stattdessen befänden sie sich Kilometer von der Ostsee entfernt. Das Projekt an sich findet Schmiedeberg gut. Die Holländer investieren 40 Millionen Euro, so Van Wijnen-Geschäftsführer Klaas Odink. Die Wohnungen werden möbliert an Anleger verkauft, für ab 3100 Euro je Quadratmeter netto.

Die Vermietung an Urlauber regelt Landal Green-Parks. Die Firma verwaltet 85 Ferienparks.

In Born auf dem Darß wirbt das Brandenburger Immobilienunternehmen Bonava für „besonders werthaltige“ Reetdach-Ferienhäuser. 48 Stück davon sollen auf dem Gebiet „Holm“ gebaut werden. Bisher ist das eine Wiese mit Boddenblick, neben einem Landschaftsschutzgebiet. Ende 2016 begann die Gemeinde, Leitungen zu verlegen. Seit März ruht der Bau, nachdem die Naturschutzorganisation BUND vor Gericht zog.

Nun läuft eine Artenschutz-Prüfung, sagt Bürgermeister Gerd Scharmberg, der für die Anlage ist. Seit mindestens 15 Jahren schwelt der Streit bereits. Laut Scharmberg will eine Mehrheit die Bebauung, was die Bürgerinitiative „Borner Holm“ jedoch bezweifelt. Anleger werden sich wohl noch gedulden müssen.

Gerald Kleine Wördemann

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