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Norddeutsche können im Urlaub nicht mehr abschalten

Rostock Norddeutsche können im Urlaub nicht mehr abschalten

DAK-Urlaubsreport: Viele Arbeitnehmer erholen sich nicht oder werden in den Ferien sogar krank. Ein Grund dafür ist die ständige Erreichbarkeit für Chefs und Kollegen.

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Trotz Sonne, Strand und Meer: Der Laptop ist immer dabei, jedenfalls für diese junge Urlauberin.

Quelle: dpa

Rostock. Von seinem Handy lässt sich Tony Mersiovsky (22) im Urlaub nicht stressen. „Wenn ich in meiner arbeitsfreien Zeit absolute Ruhe haben will, ist mein Smartphone manchmal sogar zwei bis drei Tage total ausgeschaltet“, sagt der Kellner aus Stralsund. Damit gehört er eher einer Minderheit an: Vor allem jüngere Arbeitnehmer können in den Ferien oft nicht mehr vom Job abschalten, lautet ein Ergebnis des gestern vorgestellten „Urlaubsreports 2013“ der Krankenkasse DAK-Gesundheit.

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Trotz Sonne, Strand und Meer: Der Laptop ist immer dabei, jedenfalls für diese junge Urlauberin.

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Loslassen fällt vor allem Norddeutschen schwer: „Die Urlauber aus dem Norden haben sich im Bundesvergleich am schlechtesten erholt“, sagt DAK-Landeschefin Regina Schulz. Laut der Studie, für die 1003 Deutsche befragt wurden, erholten sich 20 Prozent der Norddeutschen in den Sommerferien „weniger gut“ oder „überhaupt nicht“. Das ist ein dreimal so hoher Wert wie in Hessen oder dem Saarland. 14 Prozent der Norddeutschen kehrten sogar krank aus den schönsten Wochen des Jahres zurück — auch das sind deutlich mehr als in anderen Regionen.

Den Medizin-Professor Harald Freyberger überraschen solche Zahlen nicht. „Es gibt mehrere Gründe dafür, dass der Erholungseffekt ausbleibt“, sagt der Direktor für Psychiatrie und Psychotherapie von der Universität Greifswald. Vor allem ist der Urlaub kürzer geworden. Die früher übliche, auf drei oder vier Wochen ausgedehnte Sommer-Sause wird auf „zehn Tage Winter, zwei Wochen im Sommer und zwei oder drei kurze Städtereisen dazwischen zerstückelt“, schildert Freyberger. Statt mal richtig zu entspannen, hetzt der Urlauber heute vermeintlichen Sehenswürdigkeiten hinterher, treibt Sport bis kurz vorm Umfallen oder absolviert ein rastloses Kultur- und Partyprogramm — und ist dabei immer auf der Suche nach dem ultimativen Abenteuer.

Dabei reist die Arbeit stets mit. „Mit dem Handy hat sich das radikal geändert“, sagt der Greifswalder Professor. War der typische Urlauber der 1980er Jahre für seinen Chef noch so gut wie unerreichbar, ist das Checken von geschäftlichen E-Mails am Strand für viele inzwischen völlig normal. Folge: Nach dem Urlaub wäre noch einmal ein Urlaub fällig, um sich auszuruhen. Freyberger lebt selbst vor, wie es anders geht. Er erholt sich im Sommer drei Wochen lang in der Toscana, mit viel Müßiggang und ohne Diensthandy.

Auch die Arbeitgeber sehen das ähnlich. „Jede Form von Freizeit dient der Erholung“, sagt Jens Matschenz, Sprecher der Vereinigung der Unternehmensverbände in MV. Wenn ein Kollege doch mal im Urlaub angerufen werden darf, muss das extra vereinbart werden, sollte aber eine Ausnahme bleiben. Die sei zum Beispiel bei Spezialisten denkbar, ohne deren Wissen im Notfall der ganze Betrieb stillsteht.

Aber auch für sie müsse immer ein Stellvertreter benannt werden. Die stärkste Macht hat letztlich der Arbeitnehmer selbst mit seinem Mobiltelefon. Matschenz: „Man muss auch abschalten.“

Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse aus diesem Sommer haben aber gerade die Jüngeren keine Probleme, im Urlaub faul zu sein: Nur 28 Prozent der 18- bis 25-Jährigen gaben an, in den Ferien mehr Sport zu treiben als sonst. Bei den Über-55-Jährigen macht das jeder Zweite. Seite 2

Arbeitsbelastung nimmt zu
35 Prozent der Norddeutschen verzichten laut „DAK-Urlaubsreport 2013“ in den Ferien auf Handy und Internet, um sich erholen zu können. Die Zahl der „Immer-Online-Verweigerer“ steigt: Vor einem Jahr waren es noch 29 Prozent. Der Stress im Job nimmt offenbar zu: 62 Prozent der Befragten im Norden empfanden den Wegfall der Arbeitsbelastung im Urlaub als besonders erholsam. Das waren sechs Prozentpunkte mehr als beim „Urlaubsreport 2012“. Insgesamt befragte das Institut Forsa 1003 Bundesbürger im Auftrag der Krankenkasse.

 

Gerald Kleine Wördemann

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