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Notaufnahmen: Zwei Minuten je Patient?

Rostock Notaufnahmen: Zwei Minuten je Patient?

Eine neue Pauschale entfacht Streit zwischen Kliniken, Kassen und Ärzten.

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Die Erstversorgung von Patienten in Notaufnahmen entfacht einen neuen Streit zwischen Kliniken, Kassenärzten und Krankenkassen. (Symbolfoto)

Quelle: Andre Kolm / Dpa

Rostock. Die Erstversorgung von Patienten in Notaufnahmen entfacht einen neuen Streit zwischen Kliniken, Kassenärzten und Krankenkassen. Zankapfel ist die Abklärungspauschale. Kassenärzte sehen in der seit 1. April geltenden Neuregelung eine Entlastung der Krankenhäuser. Für Wolfgang Gagzow, Landesgeschäftsführer der Krankenhausgesellschaft (KGMV), ist die Pauschale „ein Schlag ins Gesicht der Krankenhausmitarbeiter und Patienten.“

Nicht jeder, der eine Notaufnahme aufsucht, ist ein akuter Notfall. Gerade zu Zeiten, in denen niedergelassene Ärzte Dienstschluss haben, sind Ambulanzen oft voll mit Patienten, die eigentlich in eine Praxis gehören – zum Leidwesen der Notärzte und jener, die schnell Hilfe brauchen. Seit Anfang April bekommen Notärzte Geld für die Entscheidung, ob ein Patient stationär weiterbehandelt werden muss oder zu einem niedergelassenen Arzt geschickt werden kann. Tagsüber wird das mit 4,74 Euro honoriert, nachts und an Wochenenden mit 8,42 Euro. Zu wenig, moniert Gagzow. Das entspreche gerade mal zwei Arbeitsminuten.

„Nicht im Sinne der Patienten“

„Medizin in einer Zeitspanne, die nicht für ein hartgekochtes Ei reicht, das kann nicht im Sinne von Ärzten sein. Im Sinne von Patienten ist es sicherlich nicht“, kritisiert Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Klinikärzte würden massiv unter Zeitdruck gesetzt.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) halten es für „ausgemachten Unsinn, wenn behauptet wird, in zwei Minuten müssten alle medizinischen Entscheidungen getroffen werden“. Den GKV-Vize, Johann-Magnus von Stackelberg, ärgert, dass „die Krankenhauslobby in diesem Streit Patienten und Ärzte mit ihren Schreckensmeldungen verunsichert“. Deshalb beteilige man sich in MV erst gar nicht am Zwist, stellt KGMV-Chef Gagzow klar. „Wir bemühen uns, gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung um Schadensbegrenzung im Interesse der Patienten.“

„Wir tragen die Verantwortung“

Marco Wex, Assistenzarzt in der Notaufnahme an der Unimedizin Rostock, betont: „Die Pauschale wird nicht dazu führen, dass wir Patienten abweisen. Wenn jemand als Nicht-Notfall eingestuft und nach Hause geschickt wird und es passiert ihm etwas, tragen wir die Verantwortung.“ Es werde daher auch künftig länger als zwei Minuten dauern, schwere Erkrankungen sicher auszuschließen.

Die KBV ist überzeugt, dass die neue Pauschale Ambulanzen entlastet. Durch eine schnelle Erstabklärung hätten sie „mehr Zeit für echte Notfälle“. DKG-Chef Baum bezweifelt indes, dass sich die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken verbessert. „Wegschicken hat nichts mit Kooperation zu tun.“ Er verlangt eine Neuordnung der ambulanten Nothilfeleistungen in den Krankenhäusern. Das müsse der Gesetzgeber in der nächsten Legislaturperiode angehen. Bis dahin fordert die DKG, sofort „die Pauschalen um einen Zuschlag von zehn Euro per Gesetz zu erhöhen“.

Ruppert Mayr und Antje Bernstein

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