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Nur noch fünf Dorsche pro Tag: Angelkutter stehen vor dem Aus

Rostock Nur noch fünf Dorsche pro Tag: Angelkutter stehen vor dem Aus

Betreiber von Angeltouren rechnen mit erheblichen Einbußen durch Fanglimit

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Rostock. Das Fanglimit für den beliebten Angelfisch Dorsch bringt die Betreiber von Angeltouren auf der Ostsee in schwere See. „Es gibt schon jetzt jede Menge Stornierungen fürs kommende Jahr, auch Neubuchungen werden zusehends weniger“, sagt der Kapitän bei der HSC GmbH in Sassnitz (Rügen), Bernhard Mielitz. Ab 2017 dürfen Angler pro Tag nur noch fünf Dorsche mit nach Hause nehmen. Während der Laichsaison im Februar und März sind laut der EU-Verordnung nur noch drei Dorsche erlaubt.

Fang-Quote massiv abgesenkt

56 Prozent weniger dürfen die Fischer 2017 nach EU-Forderung in der westlichen Ostsee fangen. Die Dorschfang-Quote für Angler wird ebenfalls limitiert, weil sie im Schnitt ebenso viele Dorsche fangen wie Berufsfischer. Nach Angaben des Thünen-Instituts fingen Angler 2015 in der deutschen Ostsee 2962 Tonnen, die Fischer 2915 Tonnen Dorsch.

Zehn Mitarbeiter musste Mielitz bereits zum Ende 2016 entlassen. Vor einem solch herben Einschnitt stand das Unternehmen noch nie. „Im Wintergeschäft waren wir sonst immer gut gebucht“, sagt Mielitz, der die Kutter „Rügenland“ und „Jan Cux“ betreibt.

Auch bei Kapitän Frank Fibig von der Santa Maria Seetouristik in Rostock-Warnemünde haben einige Angler die fürs kommende Jahr gebuchten Fahrten storniert. Fiebig informiert jetzt die Anglergruppen, die bei ihm die bis zu vier Tage dauernden Touren auf der Ostsee gebucht haben, über die neuen Fangbeschränkungen. „Für Angler etwa aus Bayern oder Sachsen lohnt sich die Anreise kaum noch, wenn sie nur fünf Dorsche pro Tag fangen dürfen“, sagt Fibig. Auch Hotellerie und Gastronomie würden Einbußen hinnehmen müssen: „Viele Angler buchen Unterkünfte, gehen essen, kaufen hier ein“, betont Fiebig.

Das Aus der traditionsreichen Angelkutter hätte zudem Auswirkungen auf das Bild der Häfen in MV. „Das maritime Flair steht und fällt mit der Existenz der Kutter“, sagt Mielitz. Als Beispiel nennt er Travemünde (Schleswig-Holstein). Dort sei die Hafenkultur verloren gegangen, als die Angelkutter verschwanden.

„Von Eckernförde bis Sassnitz werden Angeltouren storniert“, sagt der Präsident des Landesanglerverbands MV, Karl-Heinz Brillowski. Wie zu erwarten, wirke sich die EU-Verordnung negativ auf den Angeltourismus aus. Entlang der deutschen Ostseeküste gebe es noch rund 60 Angelkutter; an der Küste von MV sind es laut Mielitz etwa 40 Kutter. Für deren Betreiber könnte es eine Alternative zum Dorschangeln sein, den Fang auf andere Fischarten, etwa Plattfische, anzubieten. Allerdings ist fraglich, ob diese Angelei entsprechend angenommen wird.

Mehr als zwei Drittel der Ostseeangler in MV stammen Erhebungen des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei zufolge aus anderen Bundesländern. Demnach gingen 90000 Angler im Jahr 2015 mit Kutter, Privatboot oder von der Küste aus auf die Jagd nach Dorschen. Im Jahr 2010 waren es noch 78000 gewesen.

Völlig offen ist, wie die Dorschfänge der Angler überhaupt kontrolliert werden sollen. Während die Fänge auf den Kuttern beim Einlaufen in die Häfen überprüft werden könnten, sei dies beim Angeln von kleinen Booten oder dem Strand aus nur schwer möglich.

Axel Meyer

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