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Öko-Projekt rettet 100000. Hähnchen-Küken

Finkenthal Öko-Projekt rettet 100000. Hähnchen-Küken

Nicht einmal 36 Stunden sind sie alt, die gelben und bräunlichen Flaumbällchen. Kistenweise wurden sie gestern in Finkenthal (Landkreis Rostock) vom Lkw geladen, ...

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Finkenthal. Nicht einmal 36 Stunden sind sie alt, die gelben und bräunlichen Flaumbällchen. Kistenweise wurden sie gestern in Finkenthal (Landkreis Rostock) vom Lkw geladen, der die 24000 Tiere morgens von einer Öko-Brüterei in Niedersachsen nach Mecklenburg brachte. Darunter ein Jubiläumsküken — das 100 000. männliche Küken, das über das Hähnlein-Projekt des Bio-Verbundes Fürstenhof nicht vergast, sondern ökologisch aufgezogen wurde. 2012 hatte der Zusammenschluss Mecklenburger Ökobauern das bundesweit in dieser Größenordnung einzigartige Projekt ins Leben gerufen.

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Nicht einmal 36 Stunden sind sie alt, die gelben und bräunlichen Flaumbällchen. Kistenweise wurden sie gestern in Finkenthal (Landkreis Rostock) vom Lkw geladen, ...

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Im Junghennen-Aufzuchtbetrieb Finkenthal des Biohofes Walkendorf sollen die Eintagsküken in den nächsten 17 Wochen zu stattlichen Hühnchen heranwachsen. Die meisten von ihnen — die 19000 „Mädchen“, mit ihrem bräunlichen Federflaum gut von ihren zitronengelben Brüdern zu unterscheiden — sollen später als Legehennen fleißig Bio-Eier legen.

Das Besondere an der Küken-Lieferung aber sind die 5000 männlichen Küken, die ebenfalls in Finkenthal aufgezogen werden — anders als die meisten ihrer Altersgefährten. Bundesweit werden jedes Jahr 45 Millionen Legehennen-Küken getötet. „Gleich nach dem Schlüpfen werden sie mit Kohlendioxid erstickt. Das wollten wir nicht mehr. Unsere Hähnchen sollen leben“, sagt Miteigentümerin Annalina Behrens (28). Ihr Vater, Friedrich Behrens (61), ist Initiator und Mitbegründer des Fürstenhof-Verbundes. Bevor Behrens 2003 in die Öko-Branche einstieg, war er viele Jahre im konventionellen Eier-Geschäft tätig.

In Finkenthal sowie in Gräpkenteich (Mecklenburgische Seenplatte) entstanden zwei Aufzuchtbetriebe mit Platz für 84000 bzw. 98000 Küken. Noch erreichen die Fürstenhof-Bauern ihr hochgestecktes Ziel nicht. Lange Zeit waren es rund zehn Prozent der in der niedersächsischen Vertrags-Brüterei geschlüpften männlichen Küken, die überleben durften. „2016 wollen wir auf 30 Prozent kommen“, sagt Friedrich Behrens. Insgesamt 100000 Bio-Hähnchen will Fürstenhof in diesem Jahr aufziehen. Und so fuhr der Lkw dann gestern auch gleich nach Gräpkenteich weiter und brachte dort 15000 weitere Hähnchen hin, denen der Kohlendioxid-Tod ebenfalls erspart bleibt.

Allerdings: Hähnchen der Legehennenrassen brauchen etwa 120 Tage, bis sie ihr Schlachtgewicht erreichen. Konventionelle Broiler schaffen das in 30 bis 35 Tagen. Die teurere Mast wird über die Eier mitfinanziert, die unter der Marke „Hähnlein“, zum Beispiel bei Rewe und Edeka, pro Stück drei bis vier Cent teurer als andere Öko-Eier verkauft werden. Der Absatz des Hähnchen-Fleisches sei „kein Problem“, sagt Friedrich Behrens. Die Firma Dennree in Töpen (Bayern) „würde sogar 500000 Tiere pro Jahr abnehmen.“ Das Problem: Es fehlen Ställe und Bio-Mäster, die sich an dem Projekt beteiligen.

Bio-Bauer Karl Matthes, der in Volkenshagen bei Rostock 23000 Legehennen hält, ist stolz, dass auch aus seinen Ställen „Hähnlein“-Eier kommen. „Ein wegweisendes Projekt“, meint Matthes. Auch Kai-Uwe Kachel vom Schweriner Agrarministerium ist voll des Lobes für den Erzeugerzusammenschluss. Nicht nur mit dem Hähnlein-Projekt, „auch mit der Haltung der Elterntiere“ setze Fürstenhof bundesweit Maßstäbe.

300000 Legehennen

14 Biohöfe bilden den Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof. Zusammen halten sie 300000 Legehennen. Damit ist der Hof bundesweit einer der größten Anbieter von Öko-Eiern. 4000 Hektar Ökofläche sowie Biogas-Erzeugung gehören auch zum Geschäft. 2014 waren mehrere Höfe zeitweise gesperrt, weil ein holländischer Partner ihnen belastetes Futter lieferte. Öko-Kontrolleure hatten auch Unregelmäßigkeiten im Auslauf der Tiere festgestellt.

Von Elke Ehlers

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