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Ohne Saft: MV ist noch kein Land zum Laden

Advertorial Ohne Saft: MV ist noch kein Land zum Laden

E-Auto-Tester finden kaum Stromtankstellen / Positiv: Viele Stationen kostenlos

Rostock/Wustrow. Wenn Elektroauto-Tester Jörg Westphal von der Arbeit nach Hause kommt, schließt er seinen Stromer sofort an die Steckdose (220 Volt) in der Garage an, um ihn über Nacht aufzuladen. „Denn ich habe es noch nicht geschafft, ihn einmal richtig vollzuladen. Das Höchste war 277 Kilometer Reichweite, laut VW sollen es 300 sein“, sagt der 54-Jährige. Sein größtes Problem mit dem E-Auto war in den vergangenen Tagen das Aufladen des Akkus. Anders als bei Tankstellen, die es wie Sand am Meer gibt, sind die Möglichkeiten für E-Mobilisten in MV rar gesät. Von Schnelllademöglichkeiten ganz zu schweigen.

Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft gibt es 78 öffentliche Ladepunkte im Nordosten. Das Problem: Eine vollständige, einheitliche Übersicht existiert nicht. Es gibt verschiedene Internetseiten, Navigationssysteme und Handy-Apps, die die Ladestationen auflisten. Deren Ergebnisse stimmen aber nur teilweise überein.

„Das Ladenetz ist gar nicht zufriedenstellend. Hinzu kommt, dass nicht an allen Ladepunkten ein schnelles Aufladen in weniger als einer Stunde möglich ist. Da muss aus Verbrauchersicht noch viel getan werden, um den Elektroantrieb attraktiver zu machen“, schätzt Hans Duschl, Sprecher des ADAC Hansa, ein.

Im Nordosten kann für diese Fahrer beispielsweise eine Fahrt auf der A 20 zu einem riskanten Ritt werden, denn entlang der Autobahn verzeichnen die Onlineanbieter gerade mal zwei Möglichkeiten, eine Raststätte im Demminer Land und eine im Pommerndreieck bei Grimmen.

Schwierig ist aus Sicht eines E-Auto-Anfängers auch, den Überblick über die Ladesituation zu behalten. So gibt es je nach Fahrzeug unterschiedliche Steckertypen und Ladekartensysteme an den Stationen. Nicht jede Station ist also für jeden Anschluss geeignet. Auf der Webseite www.goingelectric.de kann der Nutzer beispielsweise zwischen 27 Steckerarten wählen. Dazu kommen unzählige Anbieter, die die Säulen betreiben. Bei vielen muss man sich einmalig registrieren oder eine Kundenkarte erwerben. „Ich möchte natürlich am Ende keine 15 Karten im Portemonnaie haben, um laden zu können“, sagt der Wustrower Tester.

Positiv ist ihm allerdings aufgefallen, dass beispielsweise die Warnemünder Ladestation am Kirchenplatz kostenlos ist. Betreiber sind dort die Stadtwerke Rostock, die insgesamt drei öffentliche Stationen in der Hansestadt in Betrieb haben und vier weitere planen. „Unsere Ladesäule am Kirchenplatz wird sehr gut genutzt. Momentan ist die Ladung noch kostenfrei, die Installation einer breit nutzbaren Anmelde- und Abrechnungsmöglichkeit ist in Vorbereitung“, sagt Stadtwerke-Sprecher Thomas Schneider.

An einem Großteil der öffentlichen Säulen kostet das Laden landesweit bisher kein Geld. An Bezahl-Standorten variieren die Preise derzeit je nach Steckerart und Schnelligkeit: Von 0,015 Cent pro Minute fürs langsame Laden bis zu 36 Cent pro Minute bei Schnellladeoption ist alles dabei.

Die Stadtwerke Rostock arbeiten derzeit in Abstimmung mit dem Rathaus an einem Konzept zur künftigen Lade-Infrastruktur für die Hansestadt. „Als Energiedienstleister sehen wir uns in Mobilitätsfragen der Zukunft in Verantwortung“, begründet Schneider das Engagement des Unternehmens. Rostock stehe mit 14 Ladepunkten pro 180 Quadratkilometer im landesweiten Vergleich (3,1 pro 1000 km

2) noch gut da. Eine normierte Ladesäule koste alles in allem etwa 15000 Euro.

Bei den Westphals zu Hause dauert das Laden derzeit sehr lange. Es kommen schätzungsweise nur 3 bis 4 Kilowatt Strom pro Stunde aus der Haussteckdose. „Würden wir uns ein Elektroauto kaufen, würden wir in der Garage eine zusätzliche Schnelllademöglichkeit einbauen“, sagt Jörg Westphal. 13 Stunden Ladezeit für einen vollen Akku seien definitiv zu viel.

Virginie Wolfram

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