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Ominöse Briefe: Wiegelt AOK Patienten gegen Mediziner auf?

Wolgast Ominöse Briefe: Wiegelt AOK Patienten gegen Mediziner auf?

Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern fühlen sich gekränkt, weil die Krankenkasse mit Schreiben an die Patienten indirekt Diagnosen anzweifelt.

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Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern fühlen sich durch solche Schreiben der AOK gekränkt, weil die Krankenkasse damit indirekt Diagnosen anzweifelt.

Quelle: privat

Wolgast. Wirbel um die mit 475 000 Mitgliedern größte Krankenkasse in Mecklenburg-Vorpommern: Ärzte werfen der AOK Nordost vor, Patienten gegen sie aufzuwiegeln – und dadurch Kosten sparen zu wollen. Hintergrund ist ein ominöser Brief. Darin werden Versicherte, die vier Wochen nach einer ambulanten Operation noch krankgeschrieben sind, zu einem „Beratungsgespräch“ in eine AOK-Geschäftsstelle geladen.

Wörtlich heißt es: „Lassen Sie uns überlegen, ob neben der medizinischen Behandlung Ihrer Krankheit weitere Hilfen möglich bzw. notwendig sind.“ Die Kassenärztliche Vereinigung MV verwahrt sich gegen die Briefe. „Wir haben die AOK Nordost jetzt aufgefordert, diese standardmäßigen Schreiben zu unterlassen, da sie vielfach als Herabwürdigung der medizinischen Behandlung im Sinne von unvollständig beziehungsweise nicht kunstgerecht verstanden werden“, sagt Justitiar Thomas Schmidt. Ärzte wie Ingrid Jahn aus Wolgast fühlen sich verunglimpft – „weil unterschwellig suggeriert wird, dass mit meiner Behandlung etwas nicht stimmen könnte“, sagt die 58-Jährige.

Der Krankenkasse geht es indes wohl darum, Geld zu sparen. Wie eine AOK-Führungskraft hinter vorgehaltener Hand bestätigt, sollen Versicherte möglichst vor Ablauf der sechsten Krankheitswoche gesund geschrieben werden. Dies hängt damit zusammen, dass bis zur sechsten Krankheitswoche der Arbeitgeber für den Verdienstausfall eines Angestellten aufkommen muss, ab dann übernimmt dies die Krankenkasse.

Markus Juhls, Pressesprecher der AOK Nordost in Schwerin, widerspricht dieser Vermutung. „Wir wollen den Patienten durch die Krankheit begleiten und ihn mit Hilfe anderer Maßnahmen optimal versorgen“, begründet er die Briefe. Viele Betroffene würden zum Beispiel den Wunsch äußern, noch einen anderen Facharzt zu konsultieren, um sicherzugehen, dass alles für sie getan werde. „Ich finde das Anschreiben unmöglich“, sagt dagegen Robin Tesmer (23) von der Insel Usedom, der das Schreiben nach einer Arm-Operation erhielt. „Ich meine, die AOK will nur nicht zahlen.“

Wie Wiebke Cornelius von der Unabhängigen Patientenberatung in Mecklenburg-Vorpommern bestätigt, mehren sich die Fälle, in denen sich Patienten wegen Unstimmigkeiten mit ihren Krankenkassen an sie wenden. Aus Daten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen geht zudem hervor, dass jährlich in hunderttausenden Fällen Zahlungen für Krankengeld, Reha oder Hilfsmittel abgelehnt werden. 2012 wurden zum Beispiel bundesweit 39 Prozent aller 700 000 Anträge auf Reha-Leistungen nicht von den Krankenkassen genehmigt. Bei Hilfsmitteln wie Hörgeräten wurden von 500 000 Gutachten 37 Prozent negativ beurteilt.

 

OZ

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Von Axel Meyer

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