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MV aktuell Onleihe einzige Alternative zu Bücherbussen
Nachrichten MV aktuell Onleihe einzige Alternative zu Bücherbussen
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00:01 16.10.2017
Eine Mitarbeiterin in der Stadtbibliothek Rostock. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es rund 90 öffentliche Bibliotheken. Quelle: Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Schwerin

Eine Karte der rund 90 öffentlichen Bibliotheken in MV zeigt viele weiße Flecke: Längst nicht alle Einwohner des Landes haben eine Bibliothek in erreichbarer Nähe. Eine Lösung des Problems sehen Bibliothekare in der Digitalisierung. „Veraltete Busse mit verschlissenen Medien sind jedenfalls nicht die Alternative“, sagte die Direktorin der Stadtbibliothek Wismar, Uta Mach. „Die Onleihe erscheint als zeitgemäße Antwort auf dieses Problem.“ Dass Ältere mit elektronischen Medien nicht umgehen wollen, sieht sie nicht: „Nach den Erfahrungen in der Onleihe MV gibt es viele ältere Menschen, die sehr wohl mit Tablet und Reader zurechtkommen.“

Der Geschäftsführende Vorsitzende des Bibliotheksverbandes im Land, Robert Zepf, will die Vorstellung aus den Köpfen bekommen, dass Bibliotheken aus Regalen voller Bücher bestehen. Der Direktor der Universitätsbibliothek Rostock gibt 75 Prozent des Etats für Neuerwerbungen für digitale Medien aus. In öffentlichen Bibliotheken sei die Zahl geringer, sagte er. Doch auch diese erfuhren durch elektronische Medien einen Zulauf an Nutzern, sagt die Chefin der Stadtbibliothek Rostock, Ria Kretschmer.

Das Problem ist Zepf zufolge, dass nur ein Drittel der öffentlichen Bibliotheken im Projekt Onleihe vernetzt ist. Der Leser kann dort digitale Medien ausleihen und für einen begrenzten Zeitraum auf Computer oder E-Book-Reader speichern. Auch mit Internetarbeitsplätzen können Bibliotheken punkten, etwa bei älteren Schülern, sagte die Leiterin der Stadtbibliothek Schwerin, Grit Wilke. Die Bibliothek biete attraktive Arbeitsplätze und Recherchetraining, etwa zu Hausarbeiten, an. 60 Bibliotheken gehören nicht zum Kreis der Onleihe, sie können nicht einmal WLAN anbieten. „Das ist ein Indiz, dass wir Nachholbedarf haben“, sagt Zepf. Sie verwies auch auf Erfahrungen in Nachbarländern. Im polnischen Westpommern und in Dänemark sei jede Gemeinde verpflichtet, eine öffentliche Bibliothek zu unterhalten.

Dass Bibliotheken von einer freiwilligen zu einer Pflichtaufgabe der Kommunen werden, ist ein verbreiteter Wunsch und eine Forderung des Deutschen Bibliotheksverbandes. Er möchte in den Bundesländern auch Bibliotheksgesetze, die verbindliche Standards für Ausstattung, Leistung und Finanzierung festlegen. Fünf Länder haben ein solches Gesetz, in MV ist keins geplant.

Während große Bibliotheken wie Rostock mit 22 900 Nutzern und Schwerin mit 8000 Nutzern mit ihrer Ausstattung zufrieden sind, müssen kleine Phantasie entwickeln, um über die Runden zu kommen. In Zarrenthin (Kreis Ludwigslust-Parchim) gehören dazu Öffnungszeiten am Wochenende – ein Zugeständnis an Berufspendler. Die größte Schwierigkeit sei der Mangel an Personal.

Birgit Sander

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