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MV aktuell Justizministerin Hoffmeister gegen Vorschlag von Spahn
Nachrichten MV aktuell Justizministerin Hoffmeister gegen Vorschlag von Spahn
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13:54 17.01.2019
Organspendeausweise im Scheckkartenformat der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Quelle: David-Wolfgang Ebener/dpa
Schwerin

In der Diskussion um die Zukunft der Organspende in Deutschland hat sich Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) für eine Entscheidung bei der Beantragung von Personalausweis oder Reisepass ausgesprochen. Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) favorisierte „doppelte Widerspruchslösung“ sei nicht optimal, erklärte Hoffmeister am Donnerstag in Schwerin. Schweigen soll danach als Zustimmung gelten. Man soll dazu aber noch Nein sagen können, sonst wären – als doppelte Schranke – Angehörige zu fragen.

„Manche Menschen sind aber nicht in der Lage, Widerspruch zu erheben“, gab Hoffmeister zu bedenken. Der Vorschlag der „verpflichtenden Entscheidungslösung“ sei daher der bessere Weg. Die Entscheidung sollte laut Hoffmeister anstehen, wenn behördliche Dokumente wie Personalausweis oder Reisepass beantragt werden. „Antragstellende würden verbindlich gefragt, wie sie sich zur Organspende entscheiden. Sie bekämen entsprechende Informationen und die Zeit zum Überlegen.“ Zur Abholung des Dokuments müsste dann verbindlich entschieden werden. „Denkbar wäre dann aber auch, dass man erklärt, noch keine Entscheidung getroffen zu haben“, sagte die Ministerin.

Trotz zuletzt wieder gestiegener Organspender-Zahlen warten in Deutschland rund 10 000 schwerkranke Menschen auf ein Organ. „Jeder Fünfte von ihnen stirbt während der Wartezeit, das ist unnötiges Leid“, sagte Hoffmeister. Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Im vergangenen Jahr überließen nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation 955 Menschen in Deutschland nach ihrem Tod Organe für andere schwerkranke Patienten. Bisher sind Entnahmen nur bei ausdrücklich erklärter Zustimmung erlaubt, viele schieben die Beschäftigung mit diesem Thema aber immer wieder auf.

Iris Leithold