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Orgel-Diebstahl: Mann erhält Bewährung

Güstrow Orgel-Diebstahl: Mann erhält Bewährung

Einbruch ist nicht nachweisbar / 30-Jähriger wegen Hehlerei verurteilt / 191 Pfeifen gestohlen

Güstrow. Nach einem Orgeldiebstahl aus einer Kirche hat das Amtsgericht Güstrow einen 30 Jahre alten Mann wegen Hehlerei zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. „Es handelte sich um Kirchengut und der Verurteilte wollte seinen Gewinn daraus ziehen“, erklärte Richter Björn Kröhnert gestern in der Urteilsbegründung.

Die Strafe werde aber, weil der Mann bisher nicht strafrechtlich aufgefallen war, für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Dazu bekommt der Verurteilte einen Bewährungshelfer, soll 1200 Euro Strafe zahlen und muss jeden Wohnsitzwechsel melden.

Im September 2015 waren 191 Orgelpfeifen aus der Kirche Schlieffenberg bei Teterow (Landkreis Rostock) verschwunden. „Den Einbruchdiebstahl selbst können wir dem Mann nicht nachweisen“, erklärte der Richter. Der 30-Jährige hatte vor Gericht angegeben, die Pfeifen 13 Tage nach dem Diebstahl in einer Brandruine in einem anderen Ort bei Teterow gefunden zu haben. „Sie waren aber schon komplett auseinandergeschnitten und zerdrückt“, sagte der Mann im Gericht. Wie die Blei-Zinn-Pfeifen dorthin gekommen sind, wisse er nicht.

Obwohl er schon aus der Presse erfahren hatte, dass es sich um die Orgelpfeifen aus Schlieffenberg handeln könnte, entschloss sich der Dachdecker, sie als Buntmetall bei einem Schrotthändler zu Geld zu machen. Etwa 300 Euro versprach er sich dadurch. Doch nicht nur er selbst, sondern auch Michael Hagedorn als Mitarbeiter des Schrotthandels erkannte, dass es sich bei dem „Schrott“ um Orgelpfeifen handelte. „Ich habe gesagt, wir klären das mit der Polizei, aber der Mann wurde nervös und floh“, sagte Hagedorn als Zeuge aus.

Die Flucht half dem Hehler aber nicht, sein Autokennzeichen war bekannt. Wohl auch deshalb stellte er sich der Polizei, die schon nach ihm suchte. „Er hat sich gestellt, als klar war, dass er da sowieso nicht mehr rauskommt“, sagte der Richter. Er legte dem Verurteilten zur Last, dass er den Fund nicht gemeldet hatte, sondern durch seinen Transport auch noch die letzten möglichen Spuren an den Pfeifen verwischt haben könnte.

Mit dem Urteil folgte Richter Kröhnert weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft, die neun Monate Freiheitsstrafe, ebenfalls auf Bewährung, verlangt hatte. Die Verteidigung hatte lediglich eine geringe Geldstrafe verlangt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verurteilte zeigte sich mit der Strafe zufrieden und verzichtete noch im Saal auf ein Rechtsmittel, aber die Staatsanwaltschaft nicht.

Die Kirchengemeinde musste durch den Diebstahl, bei dem auch 42 originale Pfeifen aus dem Jahr 1859 verschwanden, eine komplett neue Orgel installieren lassen. Das kostete 28 000 Euro, so Pastorin Gesine Wiechert.Winfried Wagner

OZ

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