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MV aktuell Ostseeboden hat mehr Höhen und Tiefen als vermutet
Nachrichten MV aktuell Ostseeboden hat mehr Höhen und Tiefen als vermutet
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00:01 01.11.2016

Mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Ozeanen bedeckt. Doch über die Beschaffenheit des Meeresbodens wusste man bislang weniger als über die Marsoberfläche. Für die Ostsee hat sich das jetzt geändert. Drei Jahre lang wurde sie detailliert vermessen. Dabei wurden spannende Erkenntnisse gewonnen: So weist der Ostseegrund mehr Höhen und Tiefen auf als bislang vermutet.

Höhen und Tiefen des Meeresbodens vor Fischland-Darss-Zingst

„Wir haben zahlreiche neue Strukturen, wie kleine Rinnen am Meeresboden, entdeckt“, sagt Thomas Dehling, zweiter Vorsitzender der Deutschen Hydrographischen Gesellschaft. „Die Beschaffenheit ist viel komplexer, als wir das erwartet hätten.“ Die neuen Erkenntnisse könnten sich etwa auf die Vorhersage von Sturmfluten auswirken. „Je nach Verlauf der Strukturen können sie Hochwasser abschwächen oder sogar noch verstärken“, erklärt Dehling. Welche Bedeutung die Unterwasserformationen auf die Tier- und Pflanzenwelt der Ostsee haben, lasse sich dagegen noch schwer beurteilen.

„Die genaue Kenntnis des Meeresbodens ist eine wichtige Grundlage für alle, die die Ostsee wissenschaftlich untersuchen“, sagt auch der Ozeanograf Torsten Seifert vom dem Institut für Ostseeforschung in Warnemünde. „Das Relief des Meeresbodens beinflusst die Strömung der tiefen Wasserschichten und damit die Verteilung und Ablagerung von Stoffen, die im Wasser gelöst sind.“

Auch für die Abschätzung der Auswirkungen des Klimawandels auf das Gesamtsystem Ostsee seien die gewonnenen Daten ein entscheidender Faktor, erklärt Seifert. „Wenn wir die genauen Wassertiefen kennen, können wir das Wasservolumen besser berechnen.“

Ein weiteres Ergebnis ist, dass die Ostsee im Seegebiet nordöstlich der Kadetrinne etwa ein Meter flacher ist als bisher angenommen. „Das führte bereits zu einer Änderung der Tiefgangbeschränkung für die Schifffahrt“, sagt Dehling. Er gehe aber davon aus, dass dies nur vorübergehend gilt, da der Meeresboden ständig in Bewegung ist und in dem Bereich eher wieder mit einer Vertiefung gerechnet werde. In den vergangenen drei Jahren seien fast 100000 Quadratkilometer Ostseegrund neu vermessen worden. „Das Gebiet umfasst ein Viertel der gesamten Ostseefläche und ist etwa vier Mal so groß wie MV.“

Alle zwei Meter wurde ein Messpunkt gesetzt – ein großer Fortschritt im internationalen Vergleich: „Die Ostsee ist damit das am besten vermessene Meer der Welt. Im Durchschnitt gibt es am Meeresboden weltweit nur alle fünf Kilometer einen Messpunkt“, erklärt der Experte. Zum Vergleich: Die Oberfläche des Nachbarplaneten Mars ist in 20-Meter-Abständen vermessen.

Die Forschungsergebnisse werden vom 8. bis 10. November bei der internationalen Konferenz „Hydro 2016“ in Rostock vorgestellt, zu der 400 Teilnehmer aus aller Welt anreisen. Weitere Themen sind neue Vermessungstechnik durch Laserabtastung aus der Luft oder verbesserte Sonare. „Das könnte wichtige Erkenntnisse für die Offshore-Windenergie liefern, etwa bei der Suche nach neuen Standorten oder um zu prüfen, ob Seekabel tief genug verlegt wurden, so dass sich kein Anker darin verfängt.“

Brackwassermeer

459 Meter tief ist die Ostsee an manchen Stellen. Sie gilt als das größte Brackwassermeer der Erde, auch wenn in der westlichen Ostsee aufgrund des Wasseraustausches mit der Nordsee zumeist ein höherer Salz- und Sauerstoffgehalt beobachtet werden kann. Der Rauminhalt des Meeres beträgt rund 20 000 km³. Insgesamt ist es 412 500 km² groß.

Im Ostseeraum leben, je nachdem, wie weit man diese Region eingrenzt, zwischen 50 und 85 Millionen Menschen.

Axel Büssem

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