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Ozeaneum gelingt Zucht von Ohrenquallen

Stralsund Ozeaneum gelingt Zucht von Ohrenquallen

In Stralsund werden die kleinen Glibbertiere von ihrer faszinierenden Seite gezeigt.

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Mitarbeiter Alexander Dressel mit einer Ohrenqualle. Fachleuten des Ozeaneums gelang die als kompliziert geltende Zucht.

Quelle: Stefan Sauer

Stralsund. Wie futuristische Raumschiffe gleiten die Mini-Exemplare der Aurelia aurita schwere- und lautlos durch das Ringbecken in der Quallenzuchtanlage des Stralsunder Ozeaneums. Mit ästhetischen Pumpbewegungen wallen die kleinen Ohrenquallen durch das Salzwasser, ihre Tentakeln schwurbeln zeitlupenartig mit der Strömung. „Quallen haben doch etwas Hypnotisches“, schwärmt Aquarienleiter Alexander von den Driesch.

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Mitarbeiter Alexander Dressel mit einer Ohrenqualle. Fachleuten des Ozeaneums gelang die als kompliziert geltende Zucht.

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Die Ohrenquallen sind in Ost- und Nordsee heimisch und gehören deshalb zu den Arten, die im Ozeaneum gezeigt werden. Bislang konnten Besucher nur dann einen Blick auf die Quallen werfen, wenn sie in den Gewässern vor dem Museum gefangen werden konnten — also in den Sommermonaten. Doch unter der Regie des Experten Alexander Dressel gelang dem Ozeaneum nun die als kompliziert geltende Zucht der Ohrenquallen. Dies glückte bislang nur wenigen Einrichtungen in Deutschland. Seit März werden die ersten in Stralsund aufgezogenen Tiere in einem Schaubecken in der Nordseeabteilung gezeigt.

In der für Besucher unzugänglichen Zuchtanlage simuliert Dressel in einem Becken das Frühjahr und lässt die Wassertemperatur langsam ansteigen. Schon Unterschiede von fünf Grad Celsius reichen aus, damit die auf Steinen und Muscheln angesiedelten Polypen „strobilieren“ und kleine Larven abschnüren, aus denen sich die Medusen (Quallenkörper) entwickeln. Die Babyquallen kommen in ein mit Salzwasser gefülltes Spezialbecken, das wie ein Ring geformt ist. Ecken und Kanten könnten die sensiblen Mini-Tiere im Wachstum beeinträchtigen und schädigen, erklärt Dressel. Die Strömung wird sanft über einen Luftstrom erzeugt. Würden Luftbläschen unter den Schirm einer Qualle gelangen, könnten die Tiere sterben.

Langsam lässt Dressel mit einer Pipette Salinenkrebse — nur einen Zehntelmillimeter große Wesen — ins Becken gleiten. Mit den Pumpbewegungen fangen die gerade ein Zentimeter großen Quallen die Krebse und befördern die Nahrung zum Mundapparat. Nach wenigen Wochen werden die Tiere in größere Becken umgesetzt, wo sie zu einer Größe von rund acht Zentimetern heranwachsen. Erst danach kommen sie in die Schaubecken. Hier beträgt ihre Lebenserwartung etwa neun Monate. Damit werden die Zuchttiere zum Teil älter als die Artgenossen in der Natur.

„Obwohl mit einem primitiven Bauplan ausgestattet, hat sich die Lebensstrategie der zu 99 Prozent aus Wasser bestehenden Tiere als äußerst erfolgreich erwiesen“, sagt Dressel, der sein Fachwissen im kalifornischen Monterey Bay Aquarium komplettiert hat. Zwei Arten der Fortpflanzung sichern ein Überleben bei schlechten und guten Bedingungen. Neben der Strobilation, also der „Abschnürung“ aus den Polypen, sind Quallen in der Lage, sich geschlechtlich über befruchtete Eier fortzupflanzen.

Inzwischen produziert seine Abteilung mehr Ohrenquallen, als in den Schaubecken gezeigt werden können. Damit eröffnen sich neue Perspektiven für die Zucht einer weiteren Art. Die Experten unter von den Driesch haben damit begonnen, die Atlantische Kompassqualle zu züchten. Diese ernährt sich von den Ohrenquallen. Babyexemplare, nicht größer als ein Fingernagel, schwimmen bereits in einem 400-Liter-Becken. „Jetzt muss es gelingen, die Tiere großzuziehen“, so der Aquarienleiter.

• Internet:

www.ozeaneum.de

Über 2500 Arten
Seit 670 Millionen Jahren bevölkern Quallen die Weltmeere. Bekannt sind mehr als 2500 verschiedene Arten. Die kleinsten dieser Meeresbewohner haben einen Durchmesser von knapp einem Millimeter, die größten bringen es auf mehrere Meter.

Durch Überfischung haben die Bestände bestimmte Arten — wie zum Beispiel die Nomuraqualle vor der japanischen Küste — erhbelich zugenommen. Den Quallen fehlen dort die Nahrungskonkurrenten.

Martina Rathke

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