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MV aktuell P+S-Pleite: Der erste Zulieferer verklagt das Land
Nachrichten MV aktuell P+S-Pleite: Der erste Zulieferer verklagt das Land
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00:00 08.03.2013
Der Doberaner Unternehmer Harald Selck Quelle: Frank Söllner
Rostock

Die Pleite der P+S-Werften beschäftigt nun auch die Justiz. Beim Schweriner Landgericht ist die erste Klage eines Zulieferers eingegangen, teilte Gerichtssprecher Detlef Baalcke gestern mit. In dem siebenseitigen Papier (Aktenzeichen: 4056/13) fordert der Unternehmer Harald Selck aus Bad Doberan insgesamt 1,012 Millionen Euro Schadenersatz vom Land Mecklenburg-Vorpommern, zuzüglich fünf Prozent Zinsen.

Die Kältetechnik-Firma wurde von der Politik hinters Licht geführt — so lässt sich ein Klageentwurf, der der OZ vorliegt, zusammenfassen. Ob die Richter das genauso sehen werden, ist allerdings völlig offen. In dem Papier wird ein Treffen im Schweriner Wirtschaftsministerium Anfang Juni 2012 beschrieben. Neben Selck waren Vertreter von mindestens fünf weiteren Zulieferern anwesend sowie der zuständige Minister Harry Glawe und Staatssekretär Stephan Rudolph (beide CDU).

Anlass des Krisengesprächs waren finanzielle Probleme der P+S-Werften in Wolgast und Stralsund, die durch eine Landes-Bürgschaft von 152 Millionen Euro gelöst werden sollten. Das Ministerium versicherte laut Klageschrift unter Verweis auf ein Gutachten von Wirtschaftsprüfern, dass mit dieser Geldspritze eine Insolvenz für die nächsten sechs Monate vermieden werde. Die Zulieferer wurden aufgefordert, ihre Arbeiten auf den Werften in Wolgast und Stralsund nicht einzustellen, um die Probleme nicht noch zu vergrößern.

Bekannterweise kam alles anders: Am 29. August meldete P+S Insolvenz an. Dutzende Zulieferer blieben auf offenen Rechnungen in Millionenhöhe sitzen. Selck will nun vom Land für die Leistungen seiner Firma bezahlt werden, die er in den knapp drei Monaten zwischen dem Gespräch und der Insolvenz erbrachte — beim Bau der Scandlines-Fähren und weiterer Schiffen, unter anderem für die schwedische Küstenwache. Aus der Insolvenzmasse kann er mit einer Quote von höchstens drei Prozent rechnen.

Der Doberaner Unternehmer äußerte sich gestern wegen des „laufenden Rechtsstreits“ nicht zur Klage. Der 61-jährige Selck ist der erste Zulieferer, der das Land für seinen Schaden in Haftung nehmen will. Wenn die verantwortlichen Politiker die Wahrheit über die Lage der Werften gesagt hätten, wäre Schaden verhindert worden — weil er die Arbeiten dann eingestellt hätte, lautet seine Argumentation. „Die haben uns ins Feuer geschickt“, sagte Selck im Januar.

Günter Eilers von der Zulieferer-

Kooperation Maza MV sieht die Klage eher skeptisch: „Ob das Land mitverantwortlich ist, muss sich erst noch zeigen.“ Das könne nur der Parlamentarische Untersuchungssausschuss des Landtags aufdecken. Nach seiner Meinung liegt die Hauptschuld für das P+S-Debakel beim früheren Werftboss Dieter Brammertz, der die Lage des Unternehmens bis zuletzt als rosig schilderte — offenbar ohne jeden Bezug zur Wirklichkeit, wie sich später zeigte. Laut Eilers verloren allein in MV 30 Zulieferer insgesamt zehn Millionen Euro, zusätzlich fehlen den Betrieben bis zu 60 Millionen wegen bereits abgeschlossener Aufträge, die nicht mehr eingelöst wurden.

Minister Glawe äußert sich nicht zu den Vorwürfen. „Wir leben in einem Rechtsstaat“, sagte Sprecher Gunnar Bauer. Juristen erwarten einen mehrjährigen Prozess.

Schuldenberg nach der Insolvenz

50 Aktenordner umfassen die Forderungen der Gläubiger an die insolventen P+S-Werften, die Summe beträgt eine Milliarde Euro.

Größter Einzelgläubiger ist mit 270 Millionen Euro das Land Mecklenburg-Vorpommern.
Die Schiffbaubetriebe hatten im August 2012 Insolvenz angemeldet. Die Wolgaster Peene-Werft wurde von Lürssen übernommen. Für die Volkswerft Stralsund ist noch kein Käufer in Sicht. An beiden Standorten arbeiten zurzeit 900 Beschäftigte, vor der Pleite waren es rund 1750.

Gerald Kleine Wördemann

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