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P+S-Pleite: Klagen über 750 Millionen Euro

Schwerin/Stralsund P+S-Pleite: Klagen über 750 Millionen Euro

Insolvenzverwalter Brinkmann fordert allein 514 Millionen Schadenersatz von Beraterfirma KPMG / Linke: Regierung trägt Mitschuld

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Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann

Quelle: dpa

Schwerin/Stralsund. Paukenschlag in der Aufarbeitung der P+S-Werften-Pleite: Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann hat Klagen mit Forderungen von rund 750 Millionen Euro eingereicht. Den größten Happen will er von der Berater-Firma KPMG holen: 514 Millionen Euro Schadenersatz soll diese zahlen, da sie 2009 und 2010 zur Rettung der Werften in Stralsund und Wolgast ein fehlerhaftes Sanierungsgutachten erstellt habe. Brinkmann nimmt dabei auch die KPMG-Muttergesellschaft in London in Mithaftung. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Insolvenzverwalters an Gläubiger hervor. Jeweils 106 Millionen Euro fordert er vor Gerichten von den früheren P+S-Geschäftsführern und -Aufsichtsräten zurück. Gründe seien gravierende Managementfehler und Verletzung der Aufsichtspflicht. So habe der Aufsichtsrat in der größten Krise 2009/10 acht Monate lang gar nicht getagt.

Ein Schock war die Insolvenz der Werften in Wolgast und Stralsund im August 2012 für Hunderte Werftarbeiter und Zulieferer. Doch bereits 2009 habe eine Überschuldung vorgelegen, heißt es im Bericht.

Aufgrund des fehlerhaften Sanierungsgutachtens von KPMG hätten die Geschäftsführer nicht Insolvenz beantragt. Dies erfolgte erst am 29. August 2012. Den in dieser Zeit entstandenen Schaden – 514 Millionen Euro – fordert Brinkmann zurück. Mit weiteren Klagen summieren sich die Forderungen auf 750 Millionen Euro. Damit könnten rein rechnerisch alle Gläubiger der Werften ausgezahlt werden.

Ansprüche gegenüber P+S seien etwa in Höhe von 700 Millionen Euro angemeldet. Auch das Land Mecklenburg-Vorpommern bliebe nicht auf dem Bürgschaftsverlust von 280 Euro Millionen sitzen. Forderungen richtet Brinkmann an frühere Berater, Gutachter, Rechtsanwälte, Banken. Die Hegemann-Gruppe, Werft-Vorbesitzer, soll rund zwölf Millionen Euro zahlen. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir die Beträge aus wirtschaftlichen Gründen nicht in voller Höhe aufbringen können“, sagt er. Heißt: Es sei auch mit Zahlungsunfähigkeit Beklagter zu rechnen.

Eine Mitschuld an der P+S-Pleite sieht die Opposition im Landtag bei der Landesregierung. Nach vier Jahren Arbeit im Untersuchungsausschuss zog gestern die Linke Bilanz. Fraktionschef Helmut Holter macht viele Kritikpunkte auf: fehlende Kontrolle, geheime Gutachten zum tatsächlichen Stand, zu geringe Bürgschaften und Nothilfen für die Werften. „Die Regierung ist mitverantwortlich für die Insolvenz. Sie hat die Rettung sträflich scheitern lassen.“ Johannes Saalfeld (Grüne) fordert: Das Land sollte selbst Klage gegen KPMG erheben. Das werde nicht geschehen, hieß es gestern aus dem Wirtschaftsministerium. „Das Land ist einer der Hauptgläubiger im Insolvenzverfahren“, sagt Sprecher Gunnar Bauer. Es habe sich gegenüber KPMG bis 2019 einen Verzicht auf Verjährung gesichert.

Ansprüche blieben so gewahrt.

Eine Fortsetzung der Untersuchung im Landtag wird es wohl nicht geben. Die Linke setzt auf Gerichtsverfahren. Insider gehen davon aus, dass nach den Prozessen des Insolvenzverwalters auch strafrechtliche Aufarbeitung folgt. So ist die Rolle der Regierung nach wie vor im Dunkeln. Von 1,9 Millionen gesicherten E-Mails der Werften konnte der Ausschuss gerade mal 5000 einsehen.

Frank Pubantz

OZ

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