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Parteien setzen auf die Kraft des Bildes

Schwerin Parteien setzen auf die Kraft des Bildes

Die Wirkung ist umstritten / Dennoch halten vor der Landtagswahl am 4. September alle an der althergebrachten Plakatwerbung fest / Fast die Hälfte der Wahletats setzen die Politiker dafür ein – auch im Zeitalter sozialer Medien

Schwerin. Auch im Zeitalter der Internet-Botschaften und sozialen Medien setzen die Parteien im Wahlkampf auf das althergebrachte Plakat und vertrauen damit auf die Macht des Bildes. Zu Tausenden hängen Kandidatenporträts an Laternenmasten, verheißen Kurzbotschaften Besserung oder prangern an. An Einfallstraßen sind Großplakate aufgereiht, auf denen meist die Spitzenkandidaten für ihre Partei werben. „Die Tiefenwirkung ist eher gering. Aber man erreicht viele Menschen, die täglich daran vorbeifahren und so an die bevorstehende Wahl erinnert werden“, sagt der Rostocker Politikwissenschaftler Martin Koschkar, der mit seinen Kollegen die Plakate näher unter die Lupe nimmt.

Nach seinem Eindruck setzt die SPD wie schon zur gewonnenen Wahl 2011 auf die Person Erwin Sellering. „Die Popularität des Regierungschefs ist weiterhin hoch, wie Umfragen zeigen. Dass die SPD auf den Amtsbonus setzt, ist nachvollziehbar“, sagt Koschkar. 700 Großflächen hat die SPD nach eigenen Angaben für ihre Landeskampagne angemietet. Die Aufsteller werden vorwiegend mit drei Motiven bestückt, auf denen jeweils Spitzenkandidat Sellering zu sehen ist. Die Botschaft lautet „Gemeinsam auf Kurs“ und soll Sellering als Garanten für weiteren wirtschaftlichen Aufschwung und sozialen Ausgleich zeigen. Da er aber immer nur allein zu sehen ist, regten Spötter im Internet schon an, die Buchstaben „gem“ aus dem Wort gemeinsam zu streichen.

Koalitionspartner CDU, bei der letzten Wahl noch klar unterlegen, in Umfragen aber gleichauf mit oder vor der SPD, fährt einen anderen Kurs. Ihr Spitzenkandidat, Innenminister Lorenz Caffier, präsentiert sich als Teamplayer. Auf großformatigen Plakaten ist er umringt von Bauern, Polizisten oder Medizinern. Die Auswahl der Personengruppen soll auf die politischen Schwerpunktthemen der Union hinweisen, das dominierende: innere Sicherheit. Neun Motive hat die CDU nach eigenen Angaben aufgelegt, auf fünf davon ist auch Caffier zu sehen. 400 Großflächen würden damit landesweit bestückt.

Auf 230 Plakatwänden will die Linke für sich werben und dabei vier unterschiedliche Motive einsetzen. Wie ein Parteisprecher sagte, wird eines davon das Konterfei des Spitzenkandidaten Helmut Holter tragen. Für Aufsehen sorgte die Partei bereits mit ihrer Werbeaktion „Erster“ für die Briefwahl. Für parteiinterne Kritik sorgte dabei, dass die Botschaft auf schwarzem Hintergrund steht und die Linke als Initiator erst bei genauerem Hinsehen erkannt wird. Zudem wird die Unterscheidung zu Mitbewerbern erschwert. Schwarz und Rot sind die dominierenden Farben auch auf den Plakaten der rechtsextremen NPD und der Piraten. Ganz so kritisch wie Teile der Linken selbst sieht Koschkar die Farbwahl nicht: „Schwarz ist mal was Neues. Und Neues fällt auf“, sagt er.

Keine Experimente mit der politischen Farbenlehre machen die Grünen. Ihre Großplakate tragen auf grünem Hintergrund die Botschaften „Gegen Rechts und Populismus“ sowie „Für Tier und Haltung“ – die bestimmenden Themen der Partei im Wahlkampf. Köpfe sind nur auf den kleineren Wahlplakaten zu sehen, auch die der Spitzenkandidaten Silke Gajek und Jürgen Suhr. 340 Großformate hat die Partei nach eigenen Angaben drucken lassen, die sie an 200 Standorten im Land aufstellen will.

Nach der Wahlschlappe 2011 hat sich die FDP nicht nur personell verjüngt, sondern auch farblich verändert. „Die klassische liberale Farbkombination Blau-Gelb wurde durch Magenta-Gelb ergänzt. Das soll wohl auch den Neustart deutlich machen“, sagt Koschkar. Der Nordost-FDP bescheinigt er einen „frechen“ Wahlkampf, zugeschnitten auf die aus Frankreich stammende und heute in Schwerin lebende Spitzenkandidatin Cécile Bonnet-Weidhofer. Sie wird nach Angaben der Partei auf allen drei Motiven zu sehen sein. An 120 Standorten sollen die Großplakate stehen, auf denen unter anderem auch um Stimmen Unzufriedener geworben wird, die sich mit dem Gedanken tragen, AfD zu wählen.

Die AfD, deren Signalfarbe Blau ist, hat sich nach eigenen Angaben 50 Standorte für Großplakate gesichert. Alle drei Motive zeigen den Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm mit einer der Kernaussagen seiner Partei. Die Botschaften sind einfach und eindeutig. Eine davon lautet: „Weniger Macht den Parteien“. Wie andere Parteien auch wirbt die AfD auf ihrer Internetseite um Spenden für die Plakatwerbung. Zwischen 30 und 50 Prozent ihrer Wahlkampfausgaben veranschlagen die Parteien nach eigenen Angaben für die gesamte Plakatwerbung.

Frank Pfaff

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