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MV aktuell Pascal-Fabian (5): Entführt im Trinkermilieu
Nachrichten MV aktuell Pascal-Fabian (5): Entführt im Trinkermilieu
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00:00 07.03.2013
Das Einkaufszentrum im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf: Hier entdeckte ein Anwohner den verschwundenen Jungen. Fotos (3): Frank S�llner
Schwerin

Um halb elf folgte die Entwarnung: Ein Anwohner hatte den Jungen in einem Einkaufszentrum erkannt und die Beamten alarmiert.

Pascal-Fabian war wohlauf und unverletzt.

Der rätselhafte Fall ereignete sich im Trinkermilieu und wirft viele Fragen auf. Als sicher gilt, dass Pascal-Fabian am Dienstag gegen 22.30 Uhr mit seinem Vater auf dem Heimweg in der Straßenbahn saß. Wo sie herkamen und warum das Kind so spät noch unterwegs war, ist unklar. Ein Paar gesellte sich in der Bahn zu Vater und Sohn. Der im Rollstuhl sitzende Vater war stark betrunken. Noch in der Bahn rief er per Handy bei der Polizei an, wenig später — an der Haltestelle „Neu Zippendorf“ — stiegen das Paar und Pascal-Fabian aus. Der Vater konnte wegen seiner Behinderung nicht folgen. Ob der Junge freiwillig mitging oder gezwungen wurde, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Die Polizei schloss eine Entführung nicht aus und reagierte sofort. Fährtenhunde verfolgten eine Spur bis zu einem schmucklosen Wohnblock, drei Kilometer von der Haltestelle entfernt. „Wir mussten davon ausgehen, dass sich der Junge in dem Haus aufhält“, erklärt Polizeisprecher Klaus Wiechmann. Noch in der Nacht begannen die Beamten mit der Durchsuchung der knapp 100 Wohnungen. Gleichzeitig fahndeten Beamte in der Nachbarschaft mit Fotos nach dem Paar und dem Jungen, die Bilder stammten aus der Videoüberwachung der Straßenbahn.

„Schrecklich, dass hier so etwas passiert“, sagt Renate Nett (70). Die gehbehinderte Rentnerin lebt seit einen Jahr in dem großen Wohnblock. Der dreckige Boden im Treppenhaus glänzt speckig, neben der Haustür „parken“ Einkaufswagen aus dem nahen Supermarkt. Im Erdgeschoss betreibt die Caritas eine soziale Einrichtung. 15 allein lebende Mieter, „die ohne Hilfe nicht in der Lage sind, ihren Alltag zu bewältigen“, werden hier betreut, erklärt Sozialarbeiter Christoph Schlegel (42). Ärger mit der Polizei habe es noch nie gegeben. Mieterin Renate Nett berichtet von Müll in den Fluren und Fahrstühlen und von Nachbarn, die ihre Wohnung nur zum Schnaps- und Bierkaufen verlassen. „Wenn ich könnte, würde ich sofort ausziehen“, sagt die Rentnerin. Die meisten Mieter hätten vorher in einem Heim gewohnt, das geschlossen wurde. Laut Caritas gehört das Haus einer städtischen Wohnungsgesellschaft.

Vor dem 200 Meter entfernten Einkaufszentrum entdeckt der Schweriner Ronny W. um 10.35 Uhr den vermissten Jungen — in Begleitung der gesuchten Frau. Er hatte sie zuvor auf einem Polizei-Foto gesehen. Der 26-Jährige hält die Frau fest, seine Begleiterin kümmert sich um das Kind. Polizisten nehmen die Schwerinerin, die nicht in dem Wohnblock gemeldet ist, fest. Pascal-Fabian wird von der Polizei vernommen, laut Jugendamt ist er bereits wieder bei seinem Vater.

Der 36-jährigen „Entführerin“ wird Kindesentziehung vorgeworfen. Sie war gestern zu betrunken um vernommen zu werden. Die Frau ist vorbestraft und polizeibekannt. „Sie gehört dem Trinkermilieu an“, sagt Polizeisprecher Wiechmann. Die Staatsanwaltschaft entscheidet heute, ob sie Haftbefehl oder Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung beantragt. Auf den Mann, der mit ihr in der Bahn war, fehlt jeder Hinweis. Unbekannt ist auch ihr Motiv. Die Frau soll eigene Kinder haben, die nicht mehr bei ihr leben. Möglicherweise spielte das eine Rolle. Fest steht nur, dass sie keine Gewalt anwendete.

Gerald Kleine Wördemann

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