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MV aktuell Patient A 20: Lebensader soll schnell geflickt werden
Nachrichten MV aktuell Patient A 20: Lebensader soll schnell geflickt werden
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11:58 23.10.2017
Verkehrsminister Christian Pegel (SPD/2.v.l.) beantwortete gestern bei einem Vorort-Termin Fragen der Journalisten. Quelle: Foto: Frank Hormann
Tribsees

Die Verkehrsschilder an der A 20 vor Tribsees sind irreführend: „Baustelle“ signalisieren sie und bremsen den Verkehr nach und nach auf Tempo 80 ab. Doch das Loch in der A 20 ist eigentlich gar keine Baustelle. Denn dort wird nicht gebaut, vielmehr versuchen die Experten noch herauszufinden, wie es zu diesem wohl dramatischsten Schaden an einer deutschen Autobahn kommen konnte – und wie der todkranke Patient A 20 gerettet werden kann.

Baukörper hat bereits tausend Kubikmeter Sand verloren / Minister Pegel: Anwohner werden erhebliche Lasten tragen müssen

Die Verletzungen, die die Straßenbauer fast wie Ärzte beschreiben, sind auch für Laien leicht zu diagnostizieren: Eine riesige offene Wunde an der Flanke zwingt die A 20 in die Knie. Und die „Blutung“ daraus scheint kaum zu stoppen: Tausend Kubikmeter Sand hat der Baukörper bereits verloren, und vermutlich wird noch so einiges folgen. Manfred Rathert, Direktor des Landesamts für Straßenbau MV, ist bei dieser Operation der behandelnde Arzt: „Ein Teil der A 20 ist noch am Leben“, sagt er hoffnungsvoll.

Wer an dem Debakel Schuld hat, will Rathert zunächst gar nicht wissen: „Bei Fragen nach den Ursachen sage ich klipp und klar: Das stellen wir zurück. Bei einem Unfall fragt man ja auch nicht nach der Schuld, sondern schaut, dass der Patient am Leben bleibt.“ Langsam wird dem Beobachter klar, warum die A 20 als Lebensader für Vorpommern bezeichnet wird, denn die Analogien gehen weiter: „Wir hoffen, dass die Fahrbahn überlebt, es kann morgen schon vorbei sein“, sagt Ronald Normann, Abteilungsleiter Autobahnen beim Landesamt.

Sollte dieser schlimmste Fall eintreten, könnten die folgenden Worte des Experten fast eins zu eins als Nachruf abgedruckt werden: „Wir haben keine schlechte Autobahn, sie hat den Verkehr zwölf Jahre lang treu getragen“, sagt Normann und fordert Pietät ein: „Wir sind nicht begeistert, wenn die A 20 jetzt als Pfuschautobahn bezeichnet wird, das ist überhaupt nicht so. Sie ist 350 Kilometer lang und das Problem ist auf gerade mal 50 Metern Länge aufgetreten.“

Aber wie das nun einmal bei einer Lebensader ist: Reißt sie an nur einer Stelle, ist das Leben des Patienten in akuter Gefahr. Deswegen wird während der Operation am offenen Herzen eine Umleitung gelegt, über die der Verkehr in Richtung Rostock weiterfließen kann. Noch ist das sehr mühselig. Auf rund 30 Kilometern Landstraße quälen sich Lkw und Pkw durch die Dörfer. Und auch, wenn demnächst eine kürzere Umleitung fertig wird: „Es wird hier alles seine Zeit dauern“, sagt Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). „Die Anwohner werden leider für einen kurzen Zeitraum erhebliche Lasten tragen müssen.“ Immerhin sollen Ampeln vor Kitas und Schulen ein wenig Sicherheit bringen.

Pegel macht mit seinem Handy Bilder von dem Schaden. „Ich bin in Deutschland schon viel rumgefahren, so etwas habe ich noch nicht gesehen.“ Aber er hat auch tröstende Worte – fast wie ein Arzt für die Angehörigen eines Patienten: „Ich bin kein Freund davon, darüber zu weinen, was jetzt anders ist, als ich es gerne hätte. Unser Job ist es, anzupacken und jetzt möglichst schnell Gas zu geben.“

Axel Büssem

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