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Perfide Tricks: Polizei warnt vor Mails vom falschen Chef

Schwerin Perfide Tricks: Polizei warnt vor Mails vom falschen Chef

Neue Betrugsmasche schwappt nach MV: Kriminelle ergaunern mit Geschäftsführer-Schwindel 60 000 Euro von Chemiebetrieb

Schwerin. Die Tricks der Betrüger werden immer perfider: Als falsche Geschäftsführer getarnt haben Unbekannte jetzt bei einer Firma in Schwerin rund 60 000 Euro ergaunert. Mit einer manipulierten E-Mail-Adresse hätten sich der oder die Täter per Computer täuschend echt als Firmenchef ausgegeben und die Buchhaltung aufgefordert, Geld auf ein Konto zu überweisen. Wie die Polizei gestern mitteilte, sei dies trotz weiteren Mailverkehrs in dem Chemie-Betrieb bis zur Auszahlung nicht aufgefallen. Kurz danach habe die Firma aber die Polizei alarmiert. Wie die Betrüger an die Mailadresse kamen und ob das Geld völlig verloren ist, sollen nun weitere Ermittlungen auch mit Hilfe der Banken klären, teilt die Polizei weiter mit.

Der sogenannte Geschäftsführer-Schwindel (CEO-Fraud) ist ein Phänomen, das erstmals im letzten Jahr in MV aufgetreten ist. Zwölf Fälle sind inzwischen bekannt geworden, teilte das Landeskriminalamt (LKA) jetzt mit. Anders als in dem Schweriner Betrugsfall seien in den meisten Fällen Mitarbeiter misstrauisch geworden und überwiesen das Geld nicht. Mittlerweile gibt es aber bundesweit immer mehr Fälle, in denen teils hohe Summen erschlichen wurden.

In Mecklenburg-Vorpommern ist der Schweriner Chef-Schwindel der zweite, bei dem die Täter erfolgreich waren. „In einem weiteren Fall richteten die Betrüger 2016 erheblichen Schaden an. Er belief sich auf 1,66 Millionen Euro“, sagt LKA-Sprecherin Anna Hermann. In dem Sachverhalt werde derzeit noch aktiv ermittelt.

Die Geschäftsführerin des Unternehmerverbandes Norddeutschland/Mecklenburg-Schwerin reagierte gestern entsetzt auf den geglückten Chef-Schwindel in Schwerin. „Das ist unglaublich, dass so etwas möglich ist, vor allem in der Schadenshöhe. Das höre ich heute zum ersten Mal“, sagt Pamela Buggenhagen auf OZ-Anfrage. Sie werde die Warnungen als Achtungszeichen nehmen und die Firmen über die fiesen Tricks aufklären, um sie vor solchen Betrugsversuchen zu schützen. Auch das LKA warnt: Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter über die neue Betrugsvariante informieren sowie eigene Strategien entwickeln, um sich bei Geld-Transaktionen rückzuversichern. „Klare und transparente Regeln sowie Höchstgrenzen für Überweisungen festsetzen“, gibt Anna Hermann als Tipp. Interne Abläufe sollten nicht nach außen gelangen können.

Denn die Betrüger spionieren die Firmen offenbar vorab genau aus. Sie verschaffen sich zunächst aus illegalen, aber auch legalen Quellen Informationen über die Geschäftsabläufe und Mitarbeiter. Dabei werden auch gezielt die sozialen Medien, wie Facebook, ausgewertet. Da die Betrüger wissen, wer mit wem und in welcher Form im Unternehmen kommuniziert, wirke die Kontaktaufnahme authentisch, betont das LKA.

Bei Ungereimtheiten könnten sich Mitarbeiter an die örtliche Polizeidienststelle oder an die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime beim Landeskriminalamt MV wenden.

Virginie Wolfram

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