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Pflege-Mamas päppeln Tierbabys auf

Brandshagen Pflege-Mamas päppeln Tierbabys auf

In MV gibt es keine vom Land finanzierte Wildtierauffangstation / Freiwillige Helfer ziehen Waschbären, Rehe und Eichhörnchen groß

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Heike Gronow (35) aus Kobande (Kreis Ludwigslust-Parchim) hat schon Füchse und Waschbärin „Pirschel“ aufgezogen.

Quelle: privat

Brandshagen. Gudrun Thiess (60) schaut sehnsuchtsvoll hinaus in den Wald. Vor fünf Wochen hat sie ihren „Fritz“ das letzte Mal gesehen. Ob er noch mal wiederkommt? „Schön wär‘s. Ich hätte auch ein paar Cocktail-Tomaten für ihn, die mag er besonders gern“, sagt sie. Im Frühjahr vergangenen Jahres ist „Fritz“ zu Gudrun Thiess gekommen — als kleines Rehkitz, verstoßen von seiner Mutter. Ein Bauer hat „Fritz“ vor dem dem Mähdrescher gerettet. Doch wegen des Menschengeruchs nahm ihn seine Mama nicht mehr an. Für sie ist deshalb Gudrun Thiess aus Brandshagen (Vorpommern-Greifswald) eingesprungen. Sie hat das Böcklein großgezogen und erfolgreich wieder ausgewildert. Das ist die Aufgabe der ehrenamtlichen Helfer von der Wildtierhilfe MV: Sie kümmern sich um verlassene Tierbabys, verletzte Rehe, Füchse, Eichhörnchen, oder Feldhasen und päppeln sie wieder auf.

Wer Wildtiere zeitweise in seine Obhut nehmen möchte, kann sich melden unter: 0176 / 45841597

• www.wildtierhilfe-mv.de

Verein arbeitet seit 2012

Der Verein Wildtierhilfe MV hat sich im Jahr 2012 gegründet.

Ziel ist, Tieren zu helfen , die durch Menschenhand in lebensbedrohliche Situationen geraten sind. Dazu gehört auch die Aufnahme (sofern möglich) und Weitervermittlung von Notfällen.

Weitere Anliegen sind das Umweltbewusstsein zu fördern und Aufklärungsarbeit in Sachen des Tier- und Naturschutzes zu leisten.

Gudrun Thiess hat bei „Fritz“ Hilfe von ihrem Hund „Teddy“ bekommen. Das Reh hat immer wieder an dessen langem Fell genuckelt, die Flasche wollte es nicht. „Deshalb habe ich etwas Milch übers Fell getröpfelt“, erinnert sich die 60-Jährige. Der Trick funktionierte. „Die Betreuung von kleinen Rehen ist anstrengend“, ergänzt sie. Alle halbe Stunde bräuchten die Tierbabys etwas zu trinken. Bis sie es sich aus dem Napf holen können, dauere es mehrere Tage. „Aber sie geben einem viel zurück, sie sind so niedlich und anhänglich“, betont die Pflege-Mama. Damit später die Auswilderung klappt, ist ein Gehege wichtig. So haben die Tiere die Natur immer vor Augen. „Meistens kommen sie noch ein paar Mal zurück, aber irgendwann sind sie weg“, berichtet Gudrun Thiess.

Im Frühjahr vergeht kaum ein Tag, an dem das Telefon der Wildtierhilfe MV nicht klingelt, weil verstoßene oder verletzte Tiere gefunden werden. Für ihre Pflege und Aufzucht sucht der Verein dringend ehrenamtliche Helfer. „Das braucht viel Zeit und Platz“, betont der Vorsitzende Frank Demke. Eine vom Land finanzierte und verwaltete Wildtierauffangstation gebe es nicht. Deshalb müsse der Verein die Unterbringung und medizinische Versorgung finanzieren und organisieren.

Heike Gronow (35) aus Kobande (Ludwigslust-Parchim) hilft schon mit. Sie hat bereits Eichhörnchen, Feldhasen und einen Waschbären bei sich aufgenommen. Ihr Gehege ist für „Hasi“ entstanden. Der kleine Feldhoppler lag ohnmächtig auf der Seite, als Heike Gronow ihn fand. Sie hat ihn auf die Heizung gelegt, durchgerubbelt — und irgendwann wachte er wieder auf. Mittlerweile hat sie den dritten Feldhasen in Pflege, und der inzwischen erwachsene „Hasi“ war zweimal zu Besuch.

Wie Sandra Tschirner von der Wildtierhilfe informiert, brauchen Feldhasenjunge keine Hilfe, wenn sie alleine in Senken liegen. Das sei ganz normal. „Sie haben kein kuscheliges Nest, die Mutter kommt mehrfach am Tag vorbei und füttert es.“ Die Tiere sollten deshalb nur mitgenommen werden, wenn sie offensichtlich verletzt sind, zum Beispiel wenn der Hund sie gejagt und erwischt hat.

Von Kerstin Schröder

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