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MV aktuell Pfusch im Feuchtgebiet
Nachrichten MV aktuell Pfusch im Feuchtgebiet
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00:00 14.10.2017
Stralsund

Heute wirkt es so, als habe man Ziegelsteine auf Streichhölzer stellen wollen. Beim Bau der A 20 standen die Ingenieure immer wieder vor der Herausforderung, wie die Autobahn möglichst preiswert über ökologisch sensible Feuchtgebiete geführt werden kann. Über die Recknitzniederungen, das Peenetal, die Warnow und eben die Trebel samt ihrem Moor – einem Naturschutzgebiet, das zeitgleich mit dem Bau der A 20 renaturiert worden ist.

Während bei der A 20 ein Stück weiter östlich das Tiefbauunternehmen Bunte die Autobahn noch auf konservative Art gebaut und alle nicht ausreichend tragfähigen Böden kurzerhand ausgebaggert und großflächig durch Sand ersetzt hat, ist an der Trebel Fingerspitzengefühl gefragt. Das Moor soll sich trotz der Autobahn weiter entwickeln können. An eine radikale Absenkung des Grundwasserspiegels, um den morastigen Boden auszutrocknen, ist nicht zu denken, auch die Riesen-Bagger will hier keiner haben.

Neue Verfahren müssen beim Bau der A 20 her. Einen Weg stellt die Spezialfirma Möbius vor, die inzwischen zum Strabag-Konzern gehört. Sie rüttelt gut einen Meter breite Stahlröhren bis zu 25 Meter tief in den weichen Boden, hängt dort eine Art Stoffsack aus sogenanntem Geokunststoff hinein, der anschließend von oben mit Sand befüllt wird. Dann wird das Stahlrohr wieder herausgerüttelt. Die für den Bau der A 20 verantwortliche Projektgesellschaft Deges gibt dem Verfahren damals ihren Segen, weil damit nur Sand in den Boden gepresst wird und kein Beton. „Ökologisch sehr vorteilhaft“, lautet ein rasches Fazit. Auch beim Bau des Autobahnabschnitts über das Warnowtal bei Rostock kam diese Variante zum Zug. Bis heute ohne Probleme.

Die Vertreter der bayerischen Bauer AG, einem Konkurrenten von Möbius auf der A 20-Baustelle, wollen indes zeigen, dass ihr System besser funktioniert. Sie bohren Tausende Löcher in den Untergrund, in die ein Gemisch aus Sand und Zement gepumpt wird, das dann durch die Feuchtigkeit des Moors abbinden soll.

Wie tief die nur 15 Zentimeter dicken Säulen in den Boden reichen, weiß zumindest auf Nachfrage bei der Deges niemand mehr so genau. Auch in der Dokumentation zum A 20-Bau fehlen konkrete Zahlen. Selbst bei der Anzahl der mit dem Mörtel gefüllten Bohrlöcher bleibt Deges-Sprecher Lutz Günther vage. Zunächst heißt es, die entsprechenden Akten müssten im Archiv erst einmal herausgesucht werden. Gestern nennt Günther schließlich einen Schätzwert von 60000 bis 80000 Bohrungen auf den rund 1000 Metern über das Moor, die mit dem Verfahren der Bauer AG stabilisiert werden sollten. Tragen sollen die schlanken Säulen den mehrere tausend Tonnen schweren Straßendamm, die Fahrbahn selbst sowie die Last, die der Verkehr erzeugt. Gegen die rund einen Meter dicken Sandsäulen von der Konkurrenz wirken sie wie Streichhölzer.

Experten, die das Verfahren begleiten, wundern sich damals, dass die dünnen Stützen nicht zusätzlich von außen mit einem Geokunststoff ummantelt werden – bewehrt, wie es in der Fachsprache heißt. So seien sie schlecht gegen Brüche durch seitliche Krafteinflüsse geschützt, die in einem Durchströmungsmoor, in dem Wasser und Erde in Bewegung sind, auftreten können. Ein Gutachten soll nun klären, ob sich diese Einschätzung aus der Bauzeit am Schluss doch noch bewahrheitet.

Benjamin Fischer

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