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Plagiatsvorwürfe: Uni prüft Doktorarbeit von Till Backhaus

Schwerin/Berlin Plagiatsvorwürfe: Uni prüft Doktorarbeit von Till Backhaus

Abgeschrieben oder nicht? Plagiatsjäger der Online-Plattform Vroniplag nehmen die Dissertation des Ministers zurzeit ebenfalls unter die Lupe

Schwerin/Berlin. Nach konkreten Plagiatsvorwürfen hat die Berliner Humboldt-Universität mit einer erneuten Überprüfung der Doktorarbeit von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) begonnen. Dies bestätigte Uni-Sprecher Hans-Christoph Keller auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG.

Die Dissertation werde zurzeit von den Mitgliedern der Kommission zur Überprüfung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens gesichtet, sagte Keller. In den nächsten Wochen solle entschieden werden, wann die Wissenschaftler dann zu einer Sitzung zusammenkommen, um die vorliegenden Plagiatsbelege gemeinsam zu bewerten und mögliche Konsequenzen zu beraten. Einen konkreten Termin gebe es Keller zufolge bislang aber nicht. Zudem wird das Gremium dann auch darüber abstimmen, ob ein tiefergehendes Hauptprüfungsverfahren notwendig ist.

Grund dafür, die Arbeit mit dem Titel „Betrachtungen zur Getreideproduktion in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 1900 und 2000“ erneut zu überprüfen, sind Vorwürfe von Plagiatsjägern. Demnach soll Backhaus an mindestens 300 Stellen gegen wissenschaftliche Standards verstoßen haben. Auf 44 der 66 Textseiten seien ungekennzeichnete Übernahmen gefunden worden. Dies entspricht einem Anteil von 67 Prozent. Die OZ hatte im Februar entsprechende Belege veröffentlicht.

Neben den Wissenschaftlern der Humboldt-Uni haben sich nun die Plagiatsjäger der einschlägigen Online-Plattform Vroniplag die Dissertation des Ministers vorgenommen. Auch sie stehen aber noch am Anfang und suchen derzeit in den ersten acht Quelltexten nach Übereinstimmungen. Mehrere daraus übernommene Passagen sind in der Promotion bereits gekennzeichnet worden. Wie bei Vroniplag üblich, ist der Vorgang im Internet zunächst nicht unter dem Namen Backhaus, sondern lediglich unter dem Kürzel „Tba“ angelegt worden. Dieses Verfahren soll insbesondere prominente Personen schützen, falls die Prüfer auf weitere verdächtige Textteile stoßen. Erst wenn das Vroniplag-Team seine Arbeit vollständig beendet und über die Relevanz der ungekennzeichneten Übernahmen abgestimmt hat, wird die Doktorarbeit auf der Homepage mit allen Belegen sowie Auszügen aus den Quelltexten veröffentlicht.

Backhaus hat bereits „kleinere Defizite“ in seiner Arbeit eingeräumt, ohne gestern weitere Nachfragen zu beantworten. Sein Doktorvater, der Rostocker Professor Norbert Makowski, spricht von „Formfehlern“. Während der Promotion hatte Makowski Beraterverträge mit dem Landwirtschaftsministerium geschlossen und dafür insgesamt 26931 Euro erhalten.

Die Berliner Humboldt-Universität will ihre Untersuchungen im laufenden Sommersemester vorantreiben. Ein Urteil darüber, ob Backhaus mit Vorsatz abgekupfert hat oder es sich um vertretbare wissenschaftliche Fehler handelt, würde dann mitten in die heiße Wahlkampfphase fallen. Im September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Selbst wenn die SPD erneut als stärkste Partei aus der Wahl hervorgehen sollte, gilt Till Backhaus nach OZ-Informationen im neuen Kabinett nicht mehr automatisch als gesetzt. Mit knapp 18 Jahren im Amt als Landwirtschaftsminister ist er aktuell der dienstälteste Ressortchef der Landesregierung.

Von Benjamin Fischer

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