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Politik Bordell-Besuch? Schlammschlacht bei der AfD
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19:01 12.06.2018
Holger Arppe, der vor kurzem aus der Landes-AfD flog, teilt aus. Er beschuldigt führende Parteimitglieder eines Bordell-Besuchs mit Eskalation. Quelle: Cornelius Kettler
Schwerin

Jetzt wird es schmutzig: Nachdem die Landes-AfD ihren früheren Chef Holger Arppe (45) offiziell ausgeschlossen hat, schlägt dieser jetzt zurück: Arppe spricht Spitzenleuten der Partei im Land- und Bundestag die moralische Eignung ab, ihn zu verurteilen. Als Argumentation zieht er ein für die AfD, die sich selbst als Familienpartei darstellt, pikantes Ereignis heran: Im Mai 2017 habe es einen Besuch mit anderen Politikern in einen Schweriner Bordell gegeben – mit Eskalation.

„Jahrmarkt der Heucheleien“ steht über einem Text, den Arppe auf seiner Internetseite veröffenticht hat. Darin rechnet er mit führenden AfD-Leuten im Land ab. Jenen, die heute mit Fingern auf ihn zeigten, selbsternannten „Moralaposteln“ innerhalb der Partei, so Arppe, fehle es „bei genauerem Hinsehen an Glaubwürdigkeit“. Als Beleg nimmt er ein Ereignis, das sich Ende Mai 2017 zugetragen habe: Arppe schildert einen Bordell-Besuch in Schwerin. Er sei „irritiert“ gewesen, habe sich „ahnungslos“ einer Gruppe von Parteifreunden angeschlossen; man sei „plötzlich in einem bekannten Bordell gelandet, wo vor allem junge Brasilianerinnen ihre Dienst anbieten“, so Arppe. Dort habe er, selbst homosexell, „mit angesehen, wie verheiratete Familienpolitiker und -väter sich im schummerigen Licht eines Puffs ein paar Pillen einwerfen und zweifelhaften Vergnügungen nachgehen“.

Laut Arppe seien zwei hochkarätige AfD-Politiker dabeigewesen, deren Namen er gegenüber der OZ offenbart. Ein AfD-Mann, den er nicht namentlich nennt, habe noch gebrüllt, „dass er ,eigentlich keine dreckigen Negerfotzen ficken würde'“. Arppe schreibt dies auf seiner Internetseite im Konjunktiv, wie ein Märchen: „Stellen Sie sich vor...“ Auf Nachfrage erklärt er: Der Bericht sei „keine Fiktion“. Die Pillen, die die Herren geschluckt hätten, seien „bläulich gewesen“. Arppe: „Vielleicht Viagra oder sowas.“ Er selbst habe an der Bar gesessen.

Starker Tobak. Die beschuldigten AfD-Leute weisen die Vorwürfe entschieden zurück. „Das ist völlig aus der Luft gegriffen. Solch einen Abend hat es nie gegeben“, sagt einer. Ein anderer spricht von einem „Rachefeldzug“ Arppes; die Unterstellungen seien „völliger Kokolores“. Arppe versuche offenbar, wegen des Parteiausschlussverfahrens gegen ihn zurückzuschlagen. Denn der Beschuldigte gilt als wichtiger Zeuge zu Internet-Chats vom August 2017, in denen Arppe unter anderem zur Gewalt gegen politische Gegner aufgefordert haben soll – was dieser bestreitet. Folge war der Ausschluss Arppes aus der Landes-AfD vergangene Woche, gegen die er vor das Bundesschiedsgericht ziehen werde (die OZ berichtete). Auch die Staatsanwaltschaft wertet die Chats aus.

Arppe bleibt bei seiner Version vom Bordell-Besuch. Er würde dies alles „jederzeit vor jedem Richter unter Eid wiederholen“. Gleiches hält einer der Beschuldigten entgegen. Die Geschichte sei „ein Hirngespinst Arppes“ und solle nur der Partei schaden.

Pubantz Frank

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