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Politik Die Alternative in Nadelstreifen
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00:00 13.04.2013
Von Reinhard Urschel
Alexander Gauland (72) war in der CDU und einst Staatssekret�r in der hessischen Staatskanzlei.
Berlin

Als sich vor 33 Jahren die Grünen gründeten, haben die Medien sie seinerzeit „die Alternativen“ genannt. Heute sehen Alternative so ganz anders aus. Sie tragen Sakkos in gedeckten Farben, gerne mit Lederaufnähern am Ärmel. Die wenigen Damen tragen den gehobenen Chic der Frankfurter „Zeil“ oder der Düsseldorfer „Kö“. Am Sonntag trifft sich die „Alternative für Deutschland“ zum Gründungsparteitag.

Als sie neulich zu einem Vor-Gründungskongress nach Oberursel im Taunus eingeladen hatte, waren 300 bis 400 Unterstützer erwartet worden. Gekommen sind fast 1200 Bürger, vor allem Männer, die meisten älter als 50 und gutsituiert.

Prominente Namen gesucht

Die Partei „Alternative für Deutschland“ sammle sich, und man könne darauf setzen, dass über kurz oder lang zwei prominente Namen gewonnen werden könnten, heißen die Gerüchte im politischen Berlin.

Einer fange mit „G“ an und der andere mit „S“. Weil es sich bei der AfD um eine Partei handelt, die in ihrem Programm ganz oben den Satz stehen hat, Deutschland brauche den Euro nicht und der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin ein Buch mit fast dem gleichen Titel geschrieben hat, könnte man leicht auf ihn kommen. Aber wer ist „G“? Wer ganz verwegen den Namen von und zu Guttenberg in die Runde wirft, erntet ein hintergründiges Lächeln. Nur ist die Verbindung von Sarrazin und Guttenberg schon einmal erträumt worden, aber nie Wirklichkeit geworden und auch jetzt fern jeder Realität.

In der ersten Reihe finden sich bisher aber nur der frühere FAZ-Redakteur Konrad Adam und der ehemalige Staatssekretär Alexander Gauland, der kürzlich aus der CDU austrat. Und Hans-Olaf Henkel, der ehemalige BDI-Präsident und prominenteste Deutschland-Alternativler. Überhaupt viele Ehemalige und Emeritierte. Alle stellen sie etwas dar. Professores und Doctores — also das wird dann wohl doch nichts mit Guttenberg — finden sich auf der Liste, so viele, dass man damit eine kleinere Universität bestücken könnte. Wenn man so will, sammelt sich hier Deutschlands wertkonservatives Bürgertum.

Und das strebt nun nach einer eigenen Partei. Die Wahlforscher geben den Neu-Partei-Gründern Ansporn. Auf 25 Prozent schätzen sie das Potenzial für eine Euro-kritische Partei. Wohlgemerkt, das Potential. Doch wenn die Bundestagswahl im Herbst auch nur annähernd so knapp ausgeht wie die Wahlen in Niedersachsen, dann könnte selbst ein Stimmanteil von zwei Prozent für die neuen Konservativen Angela Merkel das Amt kosten. Das wäre dann ein Treppenwitz der Geschichte: Die Retterin des Euro, wie sie sich nicht zuletzt selbst sieht, läuft Gefahr, über den Euro zu stürzen.

In Europa ist der Rechtspopulismus schon lange auch parlamentarisch erfolgreich — siehe Österreich, die Niederlande, selbst Dänemark, geschweige denn Italien. Deutschland war bislang weitgehend verschont geblieben.

Ein nationaler Unterton ist bei den Neo-Alternativen nicht zu überhören. Weg mit dem Euro, stattdessen ein Europa der souveränen Staaten, Abbau der Brüsseler Bürokratie, ein „mütterfreundlicheres“

Deutschland und eine Neuordnung des Einwanderungsrechts gehören zu den Kernforderungen der künftigen Partei. „Eine ungeordnete Zuwanderung in unsere Sozialsysteme muss unbedingt unterbunden werden“, steht im Programmentwurf. Die soziale Komponente scheint gewahrt: „Ein Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern muss ohne zusätzliche betriebliche oder private Ersparnis eine ausreichende Rente beziehen.“ Und: „Es ist unsozial, Subventionen für Sonnen- und Windenergie durch die Strompreise zu finanzieren.“

Jeder Vierte will D-Mark zurück

Das Hauptthema der neuen Bewegung ist immerhin gut gewählt. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage wünschen sich 27 Prozent der Deutschen die D-Mark zurück. Hans-Olaf Henkel berichtet schon lange von den Aufmunterungen, die ihn erreichen, endlich den Weg in die Politik zu gehen. „Ich kriege dauernd Briefe, E-Mails: Gründen Sie Ihre eigene Partei.“ Eigentlich gebe es diese Partei schon, hat er seinen Gedanken fortgeführt: „Wie ein reifer Apfel hängt sie am Baum. Es muss nur einer an den Baum treten, dann fällt er runter.“

Reinhard Urschel

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