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Politik Die SPD jubelt sich die Zweifel weg
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05:09 15.04.2013
Von Arnold Petersen

In der Augsburger Messehalle hat Peer Steinbrück die Bundestagswahl am 22. September schon gewonnen. Der Kandidat spricht, als sei der Umzug ins Kanzleramt nicht mehr aufzuhalten. Seine Rede könnte auf weiten Strecken als Vorlage der Regierungserklärung dienen. Souverän und detailliert erklärt er, was er anders und vor allem besser machen will. Und die Sozialdemokraten jubeln gestern auf ihrem Programmparteitag, als könne ihren Siegeszug nun nichts mehr aufhalten.

Klatschend schießen sie aus den Stühlen, als Steinbrück nach 80 Minuten zum Aufbruch in den Kampf ruft. Bravo-Rufe, Fahnenschwenken, minutenlanger Beifall sind das Echo. Steinbrück tut der Zuspruch sichtbar gut. Vor vier Monaten gab es die gleichen Szenen, als er in Hannover zum Kanzlerkandidaten gekürt wurde. 41 Prozent hielten ihn in einer damals veröffentlichten Umfrage für kanzlertauglich.

Jetzt rangiert er in dieser Disziplin bei den Demoskopen zwischen 19 und 27 Prozent. Mit weiteren Pannen und Ungeschicklichkeiten nach dem durch die Vortragshonorare verpatzten Auftakt hat Steinbrück sein Imageproblem noch verschärft.

Der Herausforderer ist nicht in der Offensive, wieder einmal muss er die eigene Partei davon überzeugen, dass er der Richtige ist. Steinbrück muss verhindern dass sich der aufkeimende Frust festsetzt.

„Das Wir entscheidet“, lautet die Überschrift seines Wahlkampfes. Gemeinwohl vor Profit Einzelner, Zusammenhalt statt Ellenbogenmentalität — mit dieser Botschaft will er punkten. Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro, höhere Steuern für Spitzenverdiener, gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, bessere Kinderbetreuung, Bändigung der Finanzmärkte und ein Kampf gegen die Steueroasen — das sind die Themen der SPD.

Der Kandidat verspricht nicht nur ein besseres Handwerk als die „schwarz-gelbe Chaostruppe“. Er kündigt auch ein inhaltliches Kontrastprogramm an, eine „Marktwirtschaft mit menschlichem Antlitz“.

Packen kann Steinbrück die Delegierten mit den Erfolgen Anderer. Bei keiner der letzten zwölf Landtagswahlen habe Schwarz- Gelb eine eigene Mehrheit geschafft. Fünf Ministerpräsidenten der CDU seien abgelöst worden, zuletzt im Januar in Niedersachsen, dazu zahlreiche Oberbürgermeister. „Das ist doch ein Ansporn, dass wir das nachmachen“, macht er sich und den Genossen Mut für die Bundestagswahl.

„Besinnen wir uns auf diese Kraft“, beschwört er den Saal. Es ist das Signal für einen Jubel, der nicht unbedingt der Stimmung entspricht. Die Delegierten wollen begeistert sein und klatschen alle aufgestauten Zweifel weg.

Die sind Gift für jeden Wahlkampf. Setzt sich erst einmal der Eindruck fest, die eigenen Reihen glaubten nicht mehr recht an den Erfolg, ist es vorbei. Hinter den Kulissen heißt es deshalb immer wieder, man dürfe jetzt bloß nicht die Nerven verlieren und die Wahl vorschnell verloren geben.

Offiziell ist das alles selbstverständlich kein Thema. Glaubt man Parteichef Sigmar Gabriel, dann sind Partei und Kandidat eins. „Lieber Peer, die SPD steht geschlossen hinter Dir“, versichert der Parteichef in seiner viel zu lang geratenen Eröffnungsrede. Gabriels Subtext: Kandidat kann ich besser. In der Partei ist es ein offenes Geheimnis, das der Vorsitzende an der Performance des Kandidaten kaum ein gutes Haar lässt.

Hatten sich SPD und Grüne noch vor kurzem gegenseitig unterstellt, heimlich auf ein Fremdgehen mit der Union zu schielen, versichern sie sich hier in Augsburg das Gegenteil. Erstmals spricht mit Claudia Roth eine Grünen-Vorsitzende auf einem SPD-Parteitag. Ihr 15-Minuten-Auftritt ist eine einzige Liebeserklärung an ein Bündnis mit der SPD. „Grün und Rot gegen Schwarz und Gelb, darum geht es.“

Der eigentliche Anlass des Parteitages, die Verabschiedung des Wahlprogramms, gerät da zur Nebensache. Es wird nach kurzer Beratung einstimmig beschlossen.

Lieber Peer, die Partei steht geschlossen hinter Dir.“

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel

DREI FRAGEN AN...

1 Glauben Sie an Wunder im SPD- Wahlkampf mit Steinbrück? Ich setze nicht auf Wunder, sondern auf erfolgreiche Arbeit. In allen Landtagswahlen seit 2009 sind wir in die Regierung gewählt worden. 60 Prozent der Deutschen werden schon von der SPD und den Grünen regiert. Und zwar gerne.

2Was ist das Kennzeichen des versprochenen kämpferischen Neuanfangs im Wahlkampf? Peer Steinbrück hat gezeigt, dass er den kämpferischen Auftritt beherrscht, ohne seine inhaltliche Linie zu verlieren. Ob beim Mindestlohn, Betreuungsgeld, Gleichstellung oder Quote - wir haben die Mehrheit in Deutschland auf unserer Seite. Denn die SPD versteht seit 150 Jahren mehr von Gerechtigkeit als andere.

3 Wie soll der Fatalismus in den eigenen Reihen gekillt werden? Es gibt diesen Fatalismus in der SPD nicht. Wir werden einen begeisterten Wahlkampf führen.
Interview: Dieter Wonka

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