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Politik Heiß, heißer, Ostseeküste: Turbo-Klimawandel in MV?
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06:15 26.09.2018
Badefreuden am Strand von Rostock-Warnemünde. Viele Wissenschaftler sind sich einig: Der Klimawandel ist längst da. Quelle: Bernd Wüstneck
Rostock

Kommt der Klimawandel in MV schneller als anderswo? Eine neue Studie hält fest: Entlang der Ostseeküste seien die Temperaturen in den vergangenen 100 Jahren deutlich stärker angestiegen als in Mittel- und Süddeutschland, in Rostock, Stralsund und Greifswald etwa um 1,3 Grad Celsius.

Die Studie basiert auf Daten des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) mit Sitz in Reading (Großbritannien) konkret: für die Jahre 1900 bis 1979 sowie 1979 bis 2017. Ein Netzwerk europäischer Journalisten hat die Daten ausgewertet und Temperaturveränderungen für 500 Städte auf dem Kontinent festgestellt, darunter 68 deutsche. Ergebnis: Stralsund (1,30), Rostock (1,29) und Greifswald (1,28) liegen im Vergleich des Temperaruranstiegs deutschlandweit an der Spitze. Schwerin kommt auf 1,22, Kiel auf 1,18, Neubrandenburg auf 1,04 Grad plus seit 1900. Geringer ist der Anstieg Richtung Süden.

Energieminister Christian Pegel (SPD) fühlt sich in seiner Position bestärkt: „Der Bericht ist eine weitere wissenschaftliche Bestätigung, dass der Klimawandel existiert und dass wir handeln müssen.“ Grünen-Landeschef Johann-Georg Jaeger fordert, „den Klimaschutz als verbindliche Aufgabe für Land und Kommunen in die Landesverfassung aufzunehmen“. Altenheime oder Schulen brauchten künftig Kühlanlagen, um Rekordhitzen abzumildern. „Dauerhafte Hitze- und Dürreperioden“ wie 2018 würden die Landwirtschaft „in Krisen stürzen“.

„Der Klimawandel ist längst da, dazu gibt es große Einigkeit in der Wissenschaft“, erklärt Fred Hattermann vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam. Sicher sei man auch: „Der größte Teil ist vom Menschen gemacht.“ Klima-Analyst Florian Imbery vom Deutschen Wetterdienst stimmt zu: Grundsätzlich zeigten alle seriösen Modellrechnungen in dieselbe Richtung. Mehr Treibhausgase veränderten das Klima. „Wir hatten noch nie eine so große Änderung in so kurzer Zeit“, so Imbery.

Zweifel haben die Wissenschaftler jedoch an der neuen Studie. EZMW nutze modellbasierte Wettervorhersagedaten, so Hattermann. Der DWD dagegen konkrete Messdaten. Die Richtung stimme, sagt Imbery. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 seien für MV plus 1,3 Grad Celsius festgestellt worden. Aber: „Die Zahlen stimmen nicht für die Städte.“ EZMW habe Daten aus Flächen von 80 und 125 Kilometer Seitenlänge verwendet. Problem: Darin enthalten sei bei Rostock, Stralsund und Greifswald viel Ostsee, die sich in der Vergangenheit besonders stark erwärmte und Hauptgrund für den Temperaturanstieg sei. Vor mehr Erderwärmung warnte DWD-Vize-Präsident Paul Becker kürzlich bei der Vorstellung des ersten Klimareports MV. Werde nicht mit Klimaschutz gegengesteuert, würden bis 2100 noch einmal 3,7 Grad hinzukommen. Dann entstehe „eine Welt, die keiner haben will“, so Becker.

Frank Pubantz

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