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Konzerne kaufen den Bauern in MV die Äcker weg

Schwerin Konzerne kaufen den Bauern in MV die Äcker weg

Jeder dritte Hektar gehört bereits Großinvestoren. Agrarminister Backhaus warnt vor „Manchester-Kapitalismus in Reinkultur“. Kritiker rechnen dagegen ihm eine Mitschuld an.

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Acker bei Vorder Bollhagen (Kreis Rostock): Jeder dritte Hektar im Land gehört bereits Großinvestoren. Ein Gesetz dagegen lässt auf sich warten.

Quelle: Söllner Frank

Schwerin. Agrarminister Till Backhaus (SPD) schlägt Alarm: Großinvestoren kauften sich verstärkt in Agrarbetriebe ein und sicherten sich Flächen. Jeder dritte Hektar Acker- und Grünland sei bereits unter Kontrolle großer Konzerne. Backhaus warnt vor „Manchester-Kapitalismus in Reinkultur“, ein Vergleich zur Industrialisierung des 18. Jahrhunderts mit Machtkonzentration und Massen-Armut. Ein Gesetz, das den Kauf von Land von außerhalb verhindern soll, scheitert laut Minister am Widerstand des Bauernverbandes. Kritiker machen indes ihn für die Entwicklung mitverantwortlich.

41 Prozent der Agrarbetriebe und 34 Prozent der -flächen seien bereits in Händen von Großinvestoren, hat das Thünen-Institut in Braunschweig ermittelt. Kritiker fürchten den Ausverkauf des Landes. In MV seien Großkonzerne wie Fielmann, Merckle oder Reemtsma auf Einkaufstour. Die Ackerpreise haben sich binnen zehn Jahren verfünffacht. „Das ist ein hausgemachtes Problem“, sagt Franz Bienstein, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in MV. Großbetriebe, die aus früheren LPG der DDR-Zeit hervorgingen, seien lange bei Bodenkauf und Pacht bevorteilt worden. Nun würden deren Chefs zu Millionären. Das habe Backhaus wissend in Kauf genommen. Burkhard Roloff, Umweltverband BUND, moniert eine „vorsätzliche Bodenvergabe durch Bundes- und Landesbehörden“. Er fordert ein Programm für Bio- und Jungbauern.

Backhaus weist Kritik zurück. Der Fehler liege im System: Nach 1990 habe der Bund den Flächenverkauf vorangetrieben. Er sei dagegen gewesen. Nun sehe er ein „Erstarken des Großgrundbesitzes in extremster Form“. Ein Gesetz, das er schon 2016 gegen Flächenkonzentration ankündigte, indes fehlt. Bauernverband und CDU blockierten es, so Backhaus. „Stimmt nicht“, kontert Landesbauernpräsident Detlef Kurreck. Gegen Beschränkungen sei nichts einzuwenden. Allerdings dürfe das Wachstum bestehender Betriebe nicht ausgebremst werde. „Backhaus unterteilt in gute und schlechte Investoren“, so Kurreck. „Das geht so nicht.“

Backhaus attackiert auch frühere Genossenschaftler, die jetzt verkaufen. Einzelne würden sich nun „einen erheblichen Teil in die Tasche stecken“, während das Gros vor Jahren „abgespeist“ worden sei. Großinvestoren fehle das Verantwortungsbewusstsein für Dörfer und Beschäftigte. Das weist Michael Constien zurück. Er hat als Vorstand die Agrargenossenschaft Jürgenshagen/Hoppenrade (Kreis Rostock) verkauft. 2700 Hektar, 2800 Rinder. Käufer: die Industriellen-Dynastie Merckle. Dieser führe den Betrieb verantwortungsbewusst weiter. Die Genossenschaft bestehe weiter, alle Mitarbeiter blieben.  Es gehe „nicht ums schnelle Geld aus reinem Ackerbau“, sagte der neue Betriebsleiter, Joachim Walther, im Vorjahr zur OZ.

Pubantz Frank

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