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Politik Kriegsangst: Säbelrasseln in Korea
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00:00 09.03.2013
Koreakrieg 1951: nordkoreanische �berl�ufer bei US-Soldaten.
Seoul

Der Streit um Nordkoreas Atomprogramm schürt in der ostasiatischen Region und darüber hinaus immer mehr Angst und Unruhe. Die Annullierung aller Abkommen mit Südkorea über Angriffsverzicht, Entspannung und Aussöhnung durch das kommunistische Regime in Pjöngjang wird als weiterer Eskalationsschritt gesehen.

Auf der einen Seite beurteilen Beobachter die Erklärung des staatlichen „Komitees für die friedliche Wiedervereinigung“ als weitgehend symbolischen Schritt. Damit soll der Druck auf Südkorea und die USA erhöht werden. Auch macht Pjöngjang damit seinem Unmut über die verschärften Sanktionen des UN-Sicherheitsrates wegen des jüngsten Atomtests sowie der laufenden amerikanisch-südkoreanischen Militärübungen Luft. Nordkorea hatte bereits 2009 alle Entspannungsabkommen für beendet erklärt.

Dialogkanäle gekappt

Andererseits gibt es unter Südkoreanern die konkrete Sorge, dass es zu begrenzten militärischen Auseinandersetzungen mit Nordkorea kommen könnte. In den Mittelpunkt rücken dabei Spannungsgebiete, wie etwa die umstrittene Seegrenze im Gelben Meer. Dort war es in der Vergangenheit wiederholt zu Gefechten zwischen Kriegsschiffen beider Staaten gekommen. Beide Länder führen zudem derzeit großangelegte Militärübungen durch. Die Befürchtung in Südkorea ist groß, dass es dabei zu Provokationen durch Nordkorea kommen könnte.

Was die Lage noch komplizierter macht, ist das Fehlen jedweden Dialogs. Jetzt kappte Pjöngjang auch noch den „Heißen Draht“, die telefonische Direktverbindung zwischen den Regierungen in Seoul und Pjöngjang, die vor allem militärische Konflikte an der innerkoreanischen Grenze verhindern soll. Mit der Ausnahme des gemeinsamen Industrieparks in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong gibt es somit praktisch keine Verbindung mehr.

Sanktionen und Druck allein würden Pjöngjangs Haltung jedoch nicht ändern, glaubt etwa der Politologe Paik Hak Soon von dem in der Nähe von Seoul angesiedelten privaten Sejong-Institut. „Nordkorea bricht die Kanäle zu Südkorea und den USA nach und nach ab.“ Da bleibe kaum noch Raum für Diplomatie. Südkoreas neue Präsidentin Park Geun Hye bekräftigte trotzdem, sie sei bereit, einen Vertrauensprozess einzuleiten. Aber dafür stehen die Vorzeichen aktuell denkbar schlecht.

Keine Angriffsabsicht?

Nach Ansicht Paiks ist es die größte Krise seit dem Korea-Krieg (1950-53). „Süd- und Nordkorea sind bereit, sofort auf jede Provokation der anderen Seite zu reagieren.“ Hinter Nordkoreas Ankündigung und Drohungen mit einem atomaren Erstschlag sieht Paik dennoch keine Angriffsabsichten. Falls es jedoch schon zu kleinen Fehlern militärischer Einheiten oder Missverständnissen komme, sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, „dass die Situation zu einer weitflächigen militärischen Konfrontation eskalieren könnte“.

Der Aussöhnungsvertrag von 1992, der auch einen Nichtangriffspakt enthält, hatte große symbolische Bedeutung für beide Staaten. Wenn Nordkorea sich daran nicht mehr gebunden fühlt, fällt auch eine psychologische Barriere weg. Der Vertrag bildete unter anderem auch eine Grundlage für die gesamtkoreanischen Gipfeltreffen der Jahre 2000 und 2007.

Ein solches Treffen ist derzeit in weiter Ferne. Auch die Rolle und die Absichten des jungen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un und seine Stellung im Machtapparat sind undeutlich.

Sorgen bereitet die Politik Nordkoreas auch beim traditionellen Bündnispartner China. Peking ist verärgert über die Provokationen Kim Jong Uns. Kanzlerin Angela Merkel ist über Nordkoreas Drohungen mit dem Einsatz von Atomwaffen „sehr besorgt“.

Alles hängt vom nächsten Schritt des Regimes in Pjöngjang ab. „Die Leute blicken jetzt nach Nordkorea“, sagt Professor Cheng Xiaohe von der Schule für internationale Studien an der Volksuniversität in Peking. „Wenn Nordkorea die Atomtests und Satellitenstarts fortsetzt, ist der Sicherheitsrat gezwungen, einen weiteren Schritt zu tun. Es ist ein Teufelskreis.“

Der Koreakrieg — Millionen Tote, kein Friedensvertrag
Der Ost-West-Konflikt nach Ende des Zweiten Weltkriegs eskalierte zum Korea-Krieg, der von 1950 bis 1953 bis zu drei Millionen Menschen das Leben kostete. Der Konflikt endete mit einem Waffenstillstandsabkommen, das den 38. Breitengrad als Grenze zwischen dem kommunistischen Norden und dem westlich orientierten Süden festlegte. Weil es bislang keinen Friedensvertrag gibt, sieht sich Nordkorea weiterhin im Kriegszustand.

Die Vorgeschichte geht auf das Ende des Zweiten Weltkriegs zurück: Die Japaner hatten Korea besetzt, nach ihrer Kapitulation 1945 wurde der Süden des Landes von US-Truppen, der Norden dagegen von sowjetischen Truppen besetzt.

Die Nordkoreaner marschierten am 25. Juni 1950 in den Süden ein. Binnen weniger Tage brachten sie die Hauptstadt Seoul und weite Teile des Südens unter ihre Kontrolle. Mitte September begann die Gegenoffensive der UN-Truppen, die die nordkoreanischen Truppen bis weit hinter den 38. Breitengrad zunächst zurückdrängten.

Eine Gegenoffensive der Nordkoreaner konnte, von chinesischen Freiwilligenverbänden unterstützt, die UN-Truppen Anfang 1951 südlich von Seoul aufhalten.

Schließlich stabilisierte sich die Front nahe dem 38. Breitengrad. Im Juli 1951 begannen die Waffenstillstandsverhandlungen. Der Waffenstillstand wurde am 27. Juli 1953 in Panmunjom geschlossen.

Militär in Nord und Süd
Nordkorea hat eine der zahlenmäßig größten Streitkräfte der Welt:

1,19 Millionen Soldaten unter Waffen bedeuten das weltweit viertgrößte stehende Heer.

Südkoreas Armee dagegen verfügt nur über 655 000 Soldaten, die USA haben 28 500 Mann im Land stationiert.

Bei Panzern ist das Kräfteverhältnis zwischen Nord und Süd 3500 : 2400, bei Artilleriegeschützen 21 000 :
11 038.

bei Kampfjets 600 : 490, bei Boden-Boden-Raketen 63 : 30, bei Kriegsschiffen (inkl. U-Boote) beträgt das Verhältnis 75 : 73.

OZ

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