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Mit Schnupfen in die Klinik: Patienten sollen selbst zahlen

Schwerin Mit Schnupfen in die Klinik: Patienten sollen selbst zahlen

Krankenhäuser in MV fürchten Kollaps durch Notfall-Missbrauch

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Um Überfüllung in der Notaufnahme zu vermeiden, könnten Patienten an den Kosten beteiligt werden - das wird derzeit in der Politik diskutiert. (Symbolfoto)

Quelle: Jens Büttner / Dpa

Schwerin. Patienten, die mit Wehwehchen in Notaufnahmen von Krankenhäusern kommen anstatt zum Hausarzt zu gehen, sollten künftig an den Kosten der Behandlung beteiligt werden. Dies erklärte Dietrich Monstadt, CDU-Gesundheitsexperte im Bundestag, am Mittwoch in Schwerin. Die 37 Krankenhäuser im Land beklagen eine Flut von Notaufnahme-Patienten, der sie nicht mehr Herr werden. Sie sehen einen Fehler im Gesundheitssystem und fordern die Politik zum Gegensteuern auf.

 

220000 Notfall-Patienten suchten zuletzt pro Jahr den Weg in eines der Krankenhäuser. Bundesweit seien es elf Millionen. Tendenz steigend. „Das ist enorm viel“, sagt Wolfgang Gagzow, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft MV. Dem gegenüber stünden 500000 Patienten, die stationär versorgt werden. „Es wird immer mehr“, bestätigt Thomas Blum, Chef der Warnow-Klinik Bützow (Kreis Rostock), den Notfall-Boom. Sogar mit Halsschmerzen oder „Männer-Schnupfen“ kämen Patienten; doch dafür seien die Krankenhäuser eben nicht da. Solche Erfahrungen machen auch andere Kliniken zunehmend. Ihre Beobachtung: Patienten mieden die zuständigen Hausärzte oder den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, weil es eben einfacher sei. In der Unimedizin Greifswald seien nur etwa 20 Prozent der Notfall-Patienten „wirkliche Notfälle“, schätzt der Ärztliche Vorstand Prof. Claus-Dieter Heidecke.

Das Problem: Im Schnitt bekämen Kliniken 32 Euro pro Notfall – viel zu wenig, bei der aufwändigen Diagnostik und Dokumentation, so Gagzow. Daher müsse die Bundespolitik höhere Vergütungen ermöglichen. „Es muss nach Leistung bezahlt werden“, so Dr. Michael Selbach, Notaufnahme-Chefarzt der Schweriner Helios-Kliniken. Denn im Schnitt blieben die Kliniken auf 80 Euro Kosten pro Fall sitzen. Denkbar wäre auch, ambulante Praxen „an Krankenhäuser anzudocken“, fordert Gagzow. Dort solle entschieden werden, wer zum Hausarzt oder in die Klinik soll.

Der Missbrauch der Notfallversorgung könnte Patienten bald teuer zu stehen kommen. Auf einer Tagung der Krankenhausgesellschaft gestern in Schwerin ging es darum, wie ein drohender Kollaps der Klinik-Notaufnahmen verhindert werden kann. CDU-Politiker Monstadt hält Erziehungsmaßnahmen wie Kostenbeteiligung der Patienten nach niederländischem Vorbild für „denkbar“. Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sagt: „Von dieser Idee halte ich nichts.“ Er warnt auch vor höherer Vergütung für Krankenhaus-Leistungen. „Dann würden die Kassenbeiträge steigen“, so Glawe. Er spricht sich für eine bessere Vernetzung aller Notfall-Angebote aus. Glawe: „Wir nehmen die Sorgen der Krankenhäuser sehr ernst.“

Frank Pubantz

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