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Müdes TV-Duell: Sellering punktet gegen Caffier

Vor der Landtagswahl: Koalitionsspitzen auf Kuschelkurs / FDP in Spendierlaune Müdes TV-Duell: Sellering punktet gegen Caffier

In der NDR-Wahlarena zeigte sich der Ministerpräsident wortgewandter, – unterm Strich taten sich die Spitzenkandidaten kaum gegenseitig weh

Wismar. Am Ende wird es doch kontrovers: Lorenz Caffier (61, CDU) rudert mit dem Arm, will widersprechen. Konkurrent Erwin Sellering (66, SPD) hat Caffiers Kernthema innere Sicherheit geentert, die CDU-Forderung nach 555 neuen Polizisten als „Schnapszahl“ eingestuft. Caffier schnaubt. Dass er als Innenminister der Großen Koalition für 1000 abgebaute Polizeistellen verantwortlich gemacht werden soll, will er nicht stehen lassen. Die Zahl stimme zwar – aber seit 1996, während er seit 2006 Minister sei. Sonst plätscherte das TV-Duell der Spitzenkandidaten von SPD und CDU um den Job des künftigen Ministerpräsidenten eher unaufgeregt dahin. 120 Bürger hatte der NDR zur Wahlarena geladen. Neues erfuhren sie kaum.

Jeweils 17 Minuten Redezeit haben Sellering und Caffier am Ende und müssen durch die Themen eilen. Was haben die etablierten Parteien im Land falsch gemacht, dass die AfD jetzt so stark ist, will ein Mann wissen. Sellering weicht aus, sieht Bundespolitik als Auslöser. Caffier dagegen räumt Versäumnisse ein. Er punktet beim Flüchtlingsthema. Sellerings Kritik an verzögerter Bearbeitung von Asylanträgen des Bundesamtes korrigiert er: Im Land gebe es keinen Rückstau. Der SPD-Mann macht Kanzlerin Merkel wegen der Öffnung der Grenzen für den Flüchtlingsstrom verantwortlich, Caffier springt seiner Parteichefin zur Seite. Das Flüchtlingsthema sei eine „gemeinsame Aufgabe der Großen Koalition“. Sein Vorschlag: Jedes Bundesland könnte eine Patenschaft über ein Camp in Syrien oder anderswo übernehmen, um das Thema in der Krisenregion anzupacken. Sorgen von Bürgern im Forum, dass Flüchtlinge besser behandelt werden könnten als andere, versuchen beide zu entkräften. Einigkeit: Die Zuwanderer lösten nicht das Problem Fachkräftemangel im Land, da ihre Integration Jahre dauern werde.

Die Spitzenkandidaten gehen schonend miteinander um. Sellering lobt Caffier und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) für gute Arbeit, einmal duzt er den Kontrahenten. Caffier betont die Arbeit der Großen Koalition. So fällt der Tenor im Publikum verhalten aus: Es habe kaum Spannendes zu hören gegeben. Bei Arbeit und Löhnen streckt Sellering den Rücken – sein Thema. Die SPD habe den Mindestlohn gebracht und fordere jetzt höhere Tarife. Caffier knapp: „Politik kann Löhne nicht festlegen.“ Dies sei Sache von Unternehmern. Der SPD-Mann erntet böse Blicke, als er Touristikern vorwirft, zu wenig für Fachkräfte zu zahlen. Bettensteuer oder höhere Tourismusabgaben lehnen beide Kandidaten ab. Fragestellerin Svenja Preuss, Hotelier in Wismar, ist mit den Antworten unzufrieden.

Caffier muss sich anhören, dass die Kriminalität in Vorpommern gestiegen sei. Er widerspricht, Statistiken sagten anderes aus. Dennoch solle es fürs Sicherheitsgefühl der Menschen mehr Polizisten geben. Wenn er denn nur könnte, sagt Caffier – und deutet an, dass die SPD-Finanzministerin ihn ausgebremst hätte. Sellering bleibt ruhig: Erst solle das Ergebnis eines Gutachtens abgewartet werden.

Klar vorn liegt Sellering für Beobachter beim Auftreten. Er lächelt staatsmännisch, antwortet kurz und prägnant, gibt sich charmant. Caffier dagegen wirkt steif, angespannt, manchmal verbissen. Beim Thema Kita will der SPD-Mann Erfolge preisen: 100 Euro Zuschuss je Platz für Eltern. Ein Erzieher kontert: zu wenig. Die Betreuung im Land sei ungenügend. Ein NDR-Reporter sieht am Ende Sellering als Sieger. Zuschauer bewerten den Auftritt eher als zahmes Unentschieden. „Ein klarer Sieger ist nicht auszumachen“, sagt Martin Koschkar, Parteienforscher an der Universität Rostock. „Gewinner des Abends“ sei die „politische Kommunikation“: Dialog zwischen Bürgern und Politikern.

Kritik kommt von der Linken. Das TV-Duell sei in Wirklichkeit „eine Arena der Selbstdarstellung der Landesregierung“, gewesen, sagt Landeschefin Heidrun Bluhm. „Gegenseitiges Schulterklopfen“ allein reiche nicht, um Politikverdrossenheit im Land zu verringern.

Frank Pubantz

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