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00:00 11.04.2013
Kinder in Deutschland sind mit ihren Eltern . . . sehr zufrieden, nicht aber mit der Schule.“Jugendforscher Klaus Hurrelmann
Berlin

Ihre Lebensbedingungen sind wesentlich besser als in vielen anderen Ländern der Welt — und doch ist die junge Generation in Deutschland zunehmend unglücklich. Das zeigt zumindest eine jetzt veröffentlichte Studie der UN-Kinderhilfsorganisation Unicef. Demnach ist jeder siebte Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren mit seiner persönlichen Situation unzufrieden. Die Gründe deckt die Erhebung nicht auf, sie enthält nur die Zahlen. Jammert die Jugend auf hohem Niveau?

„Oh ja“, meint Jugendforscher Klaus Hurrelmann. „Man vergleicht sich als Kind nicht mit Gleichaltrigen in Russland oder gar Afrika, sondern mit dem direkten Umfeld“. Dennoch müsse man die Ergebnisse sehr ernst nehmen und handeln.

Das sieht auch Hans Bertram so, Professor an der Berliner Humboldt-Universität und Mitglied des Deutschen Unicef-Komitees: „Die deutschen Mädchen und Jungen stellen sich und ihrer Umgebung ein erschreckendes Zeugnis aus, das uns nachdenklich machen muss.“ Über die genaueren Gründe, warum die Generation unglücklich ist, könne man aber nur spekulieren.

Objektiv betrachtet stehen die Jugendlichen in Deutschland gar nicht mal so schlecht da — zumindest im Vergleich zur letzten Unicef-Studie von 2010: In den fünf Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Sicherheit, Verhalten und Risiken, Wohnen und Umwelt sowie materielles Wohlbefinden belegte das Land damals zusammengefasst Platz acht. Diesmal liegt es im Vergleich mit 29 Industrienationen auf Rang sechs.

Die Fassade erscheint solide, doch das Innenleben nicht: Beim zweiten großen abgefragten Bereich — der subjektiven Lebenszufriedenheit der Kinder — landete Deutschland diesmal auf dem hinteren 22. Rang. Früher lag es einmal auf Platz 12. Über die Frage, ob ein Kind Computer und Fahrrad brauche, könne man natürlich streiten, so Unicef-Mann Bertram. Sicher sei aber: „Die einseitige Konzentration auf Leistung führt dazu, dass sich viele Kinder und Jugendliche einfach von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen.“

„Wir erleben viele Kinder, die von 12 bis 14-Stunden-Tagen berichten — das entspricht in etwa der Arbeitszeit eines Managers“, sagt auch Christoph Möller, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie eines Krankenhauses in Hannover. „Das Gefühl, hinterherzuhinken und den Spaß am Leben zu verlieren, macht unglücklich.“ Zudem könnten viele Eltern mit Hartz IV oder Teilzeitjobs ihren Kindern „aufgrund eigener Zukunftsängste heute oft kein positives Lebensgefühl vermitteln“. Bildungsforscher Hurrelmann, der zwei Shell-Jugendstudien geleitet hat, sieht die Sorgen der Jugend im Schulbereich begründet. „Kinder in Deutschland sind mit ihren Eltern und abgeschwächt mit ihrer Freizeitsituation sehr zufrieden, nicht aber mit der Schule. Dort wünschen sie sich mehr Mitbestimmung und Einfluss auf Regeln, Abläufe und Umgangsformen.“

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP), Gerd Schulte-Körne, macht die Ursachen zum Unglücklichsein noch in einem weiteren Bereich aus: „Kinder müssen heute andere gesellschaftliche Aufgaben und Verantwortungen übernehmen als früher und sind damit häufig überfordert.“

Beispielsweise bei einer Scheidung der Eltern. Schulte-Körne zufolge leiden bis zu 18 Prozent der Jugendlichen in Deutschland an Depressionen, vor 20 Jahren war es die Hälfte.

seb, dpa

Eine Lobby für die Kinder der Welt
Das UN-Kinderhilfswerk (United Nations Children‘s Fund, kurz Unicef) wurde Ende 1946 gegründet, um den Kindern in Europa zu helfen. Inzwischen ist Unicef überwiegend in Ländern der Dritten Welt aktiv. In über 160 Staaten unterstützt die am Hauptsitz der Uno in New York ansässige Organisation Kinder und Mütter in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung, Hygiene, Ernährung sowie Bildung. Außerdem leistet sie humanitäre Hilfe in Notsituationen. Auf internationaler politischer Ebene setzt Unicef sich gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten ein. Bereits 1965 wurde die Organisation mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

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