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Politik Perlenkette Heiligendamm: Jetzt stürzen die Dächer ein
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00:00 12.01.2015
Über der „Perlenkette“ dreht sich ein Baukran — weil die Villa „Möwe“ schnellst möglich repariert werden muss. Quelle: Fotos: Jens Wagner
Heiligendamm

Der Zustand der überregional bekannten Villen in der sogenannten „Perlenkette“ in Heiligendamm (Landkreis Rostock) verschlechtert sich mehr und mehr. Und auch der große gelbe Kran, der sich seit wenigen Tagen direkt über der Promenade dreht, verheißt nichts Gutes: Denn das schwere Gerät wird nicht für die langersehnte Sanierung benötigt — sondern nur für eine Notreparatur. Längst bröckelt an den Villen nämlich nicht nur Putz. Teile des Daches der Villa „Möwe“ sind eingestürzt. Die Stadtpolitiker aus Bad Doberan, zu dem Heiligendamm gehört, fordern vom Landkreis Rostock, dass er Eigentümer Anno August Jagdfeld endlich zur Sanierung zwingt. Doch das Landratsamt sieht dafür keinen Grund.

Selbst das eingestürzte Dach der „Möwe“ ist aus Sicht der Behörde kein Anlass zum Einschreiten. Denn ausgerechnet dieser Bau steht nicht unter Denkmalschutz. Und alle anderen historischen Gebäude der „Perlenkette“ — jene, die geschützt sind — seien nicht gefährdet, sagt Landkreis-Sprecher Kay-Uwe Neumann. „Das sieht sicher nicht hübsch aus, aber aus rechtlicher Sicht besteht kein Handlungsbedarf“, so der Referent von Landrat Sebastian Constien (SPD). Dass Jagdfeld nun das Dach der „Möwe“ reparieren lässt, sei allein die Entscheidung des Investors gewesen: „Wir wissen davon, haben es aber nicht angeordnet.“

Jagdfelds Sprecher Christian Plöger bestätigt die Darstellung — und auch dass das Dach eingestürzt ist. „Wir haben bereits im Herbst mit aufwendigen und kostspieligen Sanierungsarbeiten begonnen, die den Bestand der Gebäude sichern“, sagte er. Aus der Villa „Möwe“ soll zunächst der Schutt geräumt werden. „Dann werden wir ein neues Dach bauen, damit das Haus wieder wetterfest ist.“ Das soll es dann aber vorerst auch gewesen sein.

Wann die Sanierung startet, lässt Jagdfeld offen. Der Landkreis jedenfalls will den Investor nicht dazu zwingen: „Unsere Fachleute stehen ständig im Kontakt mit dem Eigentümer. Die geschützten Gebäude sind ausreichend gesichert. Sie sind nicht in akuter Gefahr und deshalb müssen wir nicht einschreiten“, erklärt Kreis-Sprecher Neumann. Und außerdem: Es gebe im Landkreis etliche Denkmäler, um die es deutlich schlechter bestellt sei.

Die Verantwortlichen in der Münsterstadt sehen das anders — und gehen auf Konfrontationskurs zum Landkreis. Allen voran Bürgermeister Thorsten Semrau: „Ich habe keinerlei Verständnis für die Entscheidung des Landrats.“ Anstatt die Augen vor dem fortschreitenden Verfall zu verschließen, solle das Landratsamt lieber mit der Stadt nach Wegen suchen, um die „Perlenkette“ zu retten. „Der Verfall darf nicht weitergehen. Sonst stürzt uns bald das nächste Gebäude ein“, so Semrau. Viele Touristen würden sich seit Jahren fragen, warum Heiligendamm weiter verfällt. „Überall im Seebad geht es voran — nur nicht an der ,Perlenkette‘. Wir haben genug von Ausreden.“

Nicht nur vor Ort, sondern landesweit sorgt der Verfall des einstigen Aushängeschildes der Tourismusbranche für Ärger: Jahrelang hatte das Land mit Ansichten der „weißen Stadt am Meer“ auf Katalogen und Messen für Urlaub in MV geworben. Weltweit erlangte die „Perlenkette“ 2007 Bekanntheit, als sich während des G8-Gipfels die mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt vor den Villen ablichten ließen. „Die ,Perlenkette‘ zählt zu den bekanntesten Kulissen des Landes“, sagt auch Tobias Woitendorf, Vize-Geschäftsführer des Landestourismusverbandes (TMV).

„Heiligendamm ist leider ein Standort krasser Gegensätze. Dass es auch nach Jahrzehnten vielerorts im Seebad nicht vorangeht, ist den Menschen nur noch schwer zu vermitteln. Das ist mit gesundem Menschenverstand auch nicht mehr nachzuvollziehen“, so Woitendorf. Der TMV fordert Stadt, Eigentümer und Landkreis auf, gemeinsam alles für eine zügige Sanierung des Ensembles zu tun: „Es geht um ein Stück Architektur-Geschichte des Urlaubslandes MV.“ Der Einsturz einer Villa wäre aus Sicht Woitendorfs ein Hiobsmeldung, die Heiligendamm kaum verkraften könnte.

Wir lassen nicht zu, dass die Villen zu Ruinen verfallen. Das werden wir mit allen Mitteln verhindern.“Thorsten Semrau, Bürgermeister Doberan



Andreas Meyer

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