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Planten Boston-Bomber mehr Anschläge?

Boston/Washington Planten Boston-Bomber mehr Anschläge?

Schwerverletzter Verdächtiger gibt erste Auskünfte. Offiziell Anklage erhoben. FBI gerät stärker in die Kritik.

Boston. Eine Woche nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon haben die Ermittler erste Antworten: Der schwerverletzte mutmaßliche Attentäter beantwortete gestern den Ermittlern nach US-Medienberichten schriftlich Fragen. Details wurden zunächst nicht bekannt. Der 19-jährige Dschochar Zarnajew ist nach Ärzte-Angaben seit Sonntagabend (Ortszeit) bei Bewusstsein, kann jedoch wegen einer Schusswunde am Hals nicht sprechen. Die Verletzung fügte er sich vermutlich selbst bei dem Versuch zu, sich kurz vor der Festnahme zu töten. Gestern Abend teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass offiziell Anklage gegen ihn erhoben worden sei.

Dschochar und sein sieben Jahre älterer Bruder Tamerlan, der bei einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen wurde, planten nach Auffassung der Ermittler womöglich noch weitere Anschläge. Wie der Bostoner Polizeichef Ed Davis dem TV-Sender CBS sagte, hätten die Beamten im Rahmen ihrer Verfolgung der Brüder ein ganzes Arsenal hausgemachter Bomben und Materialien sichergestellt. „Wir haben auf Basis der gefundenen Beweise allen Grund zu der Annahme, dass sie noch weitere Menschen attackiert hätten“, so Davis.

Bei dem Anschlag am vergangenen Montag waren drei Menschen getötet worden — unter ihnen ein achtjähriger Junge. Rund 180 Läufer und Zuschauer wurden verletzt.

Heftige Kritik an der Arbeit der Bundespolizei übten die beiden Kongressabgeordneten Michael McCaul und Peter T. King. Sie sprachen nach Medienberichten von einem „geheimdienstlichen Versagen“. Tamerlan Zarnajew sei bereits der fünfte Verdächtige seit den Anschlägen vom 11. September 2001, dem Verstrickung in einen terroristischen Angriff vorgeworfen werde, während er unter FBI-Beobachtung stehe, hieß es. Der Fall werfe ernste Fragen über die Wirksamkeit der Terrorismusbekämpfung in den USA auf, so die beiden Republikaner. McCaul ist der Vorsitzende des Ausschusses für Heimatschutz im US-Repräsentantenhaus und hat Zugang zu Geheimdienstinformationen. King ist Terrorismusexperte.

Das FBI hatte Tamerlan als „radikalen Islamisten“ im Visier und auf Wunsch der russischen Regierung überprüft. Es nahm aber die Überprüfung nicht wieder auf, als Tamerlan im Sommer 2012 von einer sechsmonatigen Reise in die ehemaligen Sowjet-Republiken Dagestan und Tschetschenien in die USA zurückkehrte, wie Mitarbeiter einräumten. Nach Informationen der „New York Times“ hatte er sich nach seiner Rückkehr radikalisiert.

Tamerlans sieben Jahre jüngerer Bruder Dschochar wird im Beth Israel Deaconess Medical Center von Boston behandelt. Dort wurde ihm auch mitgeteilt, dass Anklage gegen ihn erhoben worden sei.

Vorerst wird er unter einer Sonderregelung verhört, nach der Verdächtige nicht über ihre Rechte aufgeklärt werden müssen, wenn die öffentliche Sicherheit bedroht ist.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, betonte, Zarnajew werde nicht als „feindlicher Kämpfer“ behandelt, wie dies von einigen Republikanern gefordert worden war. „Wir werden diesen Terroristen durch unser ziviles Justizsystem bestrafen“, sagte Carney.

OZ

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