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Politik Politik am Swimmingpool: Kritik an Paradiesvogel Dahlemann
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11:46 06.01.2018
„Büroatmosphäre auf der Sonnenliege“: Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) erklärt am Roten Meer Landespolitik. Quelle: Quelle: Facebook/dahlemann
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Schwerin

So macht Regieren Spaß: Lässig sitzt Patrick Dahlemann (29, SPD) in Shorts und T-Shirt auf einer Sonnenliege am Swimmingpool unweit des Roten Meeres. Auf Facebook grüßt er Freunde und Wähler aus den Flitterwochen. Am Heiligtag hat der Parlamentarische Staatssekretär für Vorpommern geheiratet, obwohl das in MV offiziell nicht geht (die OZ berichtete). Getraut hat ihn Torgelows Bürgermeister Ralf Gottschalk, sein Freund.

Nun sendet der Jungstar der SPD Neujahrsgrüße – verkündet auch politische Botschaften, sogar im Namen der Landesregierung. Für die Opposition geht das zu weit; sie spricht von Amtsanmaßung und Selbstüberschätzung.

Video erhitzt die Gemüter

Vor allem ein Video erhitzt die Gemüter. Zum Jahreswechsel hockt der Staatssekretär am Strand in des Roten Meeres, verteilt Grüße, bilanziert das endende Jahr und blickt nach vorn. Dann spricht er im Namen der Landesregierung in die weite Welt. „Auch 2018 wird die Landesregierung ihre gesamte Kraft in den Landesteil Vorpommern geben.“

„Das steht ihm nicht zu“, kritisiert Nikolaus Kramer, AfD-Fraktionschef im Landtag. „Das ist anmaßend.“ Denn für die gesamte Regierung könne nur Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sprechen. „Herr Dahlemann vermischt hier bewusst Dienstliches und Privates“, so Kramer. Für ihn sei das kein guter Stil.

Oldenburg: „Nimmt sich anscheinend zu wichtig“

Linken-Fraktionschefin Simone Oldenburg sieht das ähnlich. „Herrn Dahlemann sei der Urlaub vergönnt. Seine Wortmeldung aus dem Off zeigt allerdings, dass er sich anscheinend zu wichtig nimmt.“

Den Paradiesvogel hat Dahlemann schön öfter gegeben. Vor zwölf Monaten grüßte er Neujahr vom Eiffeltum in Paris – und kassierte Kritik. Als sein Dienstwagen nach einer Panne auf einem Transporter abgeschleppt wurde, berichtete er per Video von der Hinterbank.

Zwischen Darßbahn und Schrimps

Nun Ägypten. Auf seiner Facebook-Seite, die er für Berichte über seine Arbeit als Staatssekretär nutzt und der mehr als 8000 Leute folgen, begibt er sich in einen Schlagabtausch mit Lesern. Die Themen verschwimmen: Darßbahn, Vorpommernfonds, Vorpommern-Archiv, seine weißen Socken unter Palmen. „Die Büroatmosphäre hier auf der Sonnenliege ist nicht schlecht“, plaudert er und berichtet von Presseanfragen, die er gerade beantwortet habe. Auf einem anderen Foto mampft er Shrimps.

Ein Facebook-Nutzer, seit 50 Jahren in der SPD, warnt: „Scharping lässt grüßen. Wann lernt ihr mal endlich wirklich dazu?“ Der frühere SPD-Bundesverteidigungsminister verlor einst seinen Job, nachdem er die Flugbereitschaft der Bundeswehr zu Lustreisen nach Mallorca nutzte.

Dahlemann: „Wir sind auch nur Menschen“

Davon ist Dahlemann weit entfernt, die Reise privat. Er sei „rund um die Uhr für die Menschen unterwegs“, antwortet er, müsse „auch mal Kraft tanken“. Er müsse sich als Politiker nicht verstecken. „Wir sind auch nur Menschen.“ Das stimmen auch Kritiker zu. „Es gibt aber auch Verhaltensgrundsätze“, erklärt AfD-Mann Kramer.

„Die Kritik der Opposition ist albern“, reagiert Schwesig. Dahlemann habe einen „sympathischen Neujahrsgruß“ gesandt. „Ich finde das gut.“

Frank Pubantz

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