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Politik Reinhard Meyer: „Tourismus in MV modernisieren“
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01:39 08.05.2018
Reinhard Meyer, Chef der Staatskanzlei MV (Archivfoto) Quelle: Christoph Meyer
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Schwerin

Tourismus in MV in der Sinnkrise: Nach dem Rückgang der Übernachtungszahlen 2017 und schlechteren Besucher-Noten wird landesweit der Ruf nach besseren Strukturen bei Vermarktung und Angeboten laut. Ein neues Konzept der Landesregierung steht seit 2015 aus. Reinhard Meyer (58, SPD), neuer Chef der Staatskanzlei, hat sich das Thema auf den Tisch gezogen. Er fordert: ein Tourismusgesetz, Gästekarten in größeren Regionen und mehr Engagement der Branche. Im Ehrenamt ist Meyer Präsident des Deutschen Tourismusverbandes.

Herr Meyer, Sie haben ein Tourismusgesetz für MV ins Gespräch gebracht. Was sollte dieses regeln?

Meyer: Ich fände es gut, wenn bei der Erarbeitung der neuen Tourismuskonzeption auch über ein Gesetz diskutiert wird. Mecklenburg-Vorpommern ist wie kein anderes Bundesland ein Tourismusland. Es scheint mir die Region in Deutschland zu sein, die als erste ein Tourismusgesetz umsetzen kann. Ein solches Gesetz gibt es schon in Kärnten oder Südtirol, also in herausragenden Tourismusregionen. Darüber kann man die Strukturen im Tourismus effizienter gestalten. In einer klaren Hierarchie von lokalen Akteuren über die Regionen, die klar als Tourismusregionen erkennbar sind wie zum Beispiel die Seenplatte oder die Insel Rügen, bis zur Landesebene.

Werden die Regionen noch nicht als solche wahrgenommen?

Sie werden sehr unterschiedlich wahrgenommen und haben eine sehr unterschiedliche Finanzkraft. Manche können eigene Marketingstrategien fahren, andere sind noch nicht mal in der Lage, die einfachsten Dinge zu finanzieren. Da ist eine Unwucht. Ich glaube, es ist im Interesse des gesamten Landes, dass man MV in Europa als ein Reiseziel vermarktet. Dazu kann ein solches Gesetz sehr hilfreich sein.

Das legt dann auch konkret fest, wer Fördermittel bekommt?

Es legt zunächst die Strukturen im Tourismus fest und, wer welche Aufgaben hat. Ein schlagkräftiges Marketing für das Tourismusland MV kann zum Beispiel nur gelingen, wenn es auf Landesebene beim Tourismusverband gebündelt wird, also auch regionale und lokale Organisationen dazu beitragen. Wir haben im Land etwas mehr als drei Millionen Euro für Tourismusmarketing zur Verfügung. In Kärnten sind es durch das Gesetz 21 Millionen. Ich finde, das ist ein gehöriger Unterschied.

Muss das Land mehr in die Autonomie der Regionen eingreifen?

Das ist genau die Diskussion. Da wird es viele Widerstände geben. Am Ende wird man aber nur gemeinsam erfolgreicher sein.

Derzeit wird ein neues Tourismuskonzept fürs Land erarbeitet. Minister Harry Glawe (CDU) kann sich vorstellen, die Kurabgabe auf mehr Orte zu erweitern. Wie stehen Sie dazu?

Das finde ich gut. Sowohl die Fremdenverkehrsabgabe als auch die Kurabgabe sind geeignet, den Tourismus zu finanzieren. Das kann man gegenüber Gästen nur erklären, wenn man tatsächlich auch Gegenleistungen bietet. Zum Beispiel indem man eine Gästekarte für ganze Regionen hat. Für die Insel Usedom, für Rügen oder für die Seenplatte, in der klar definiert wird, der Gast zahlt 3,50 oder 4,50 Euro, dafür bekommt er kostenlos Nahverkehr, Vergünstigungen beim Eintritt ins Hallenbad oder Kulturveranstaltungen. Das ist moderner Tourismus, für den die Gäste auch bereit sind zu zahlen.

Was geschieht mit Regionen, die da nicht mitmachen wollen?

Wichtig ist, dass wir diskutieren, dass die Vorteile deutlich werden. Es wird keine 100 Prozent Zustimmung geben. In Kärnten hat man zum Beispiel darüber abgestimmt und eine Mehrheit bekommen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Tourismus vor dem Hintergrund, dass Gästezahlen zuletzt sanken?

Auf dem Tourismustag in Linstow habe ich gehört, dies läge am schlechten Wetter. Nun: Das kann nicht sein, in Schleswig-Holstein gab es letztes Jahr ein Plus von über fünf Prozent bei den Übernachtungen. Und da war das Wetter genauso gut oder schlecht wie in MV. Da muss man sich in der Branche ein bisschen mehr überlegen, woran es denn liegt. Wichtig ist die Grundstimmung. Wir müssen jetzt den Schwung der Internationalen Tourismusbörse in Berlin nutzen, um MV in die nächste Phase zu führen: mehr Qualität, mehr Wertschöpfung pro Übernachtung, mehr ganzjährige Beschäftigung. Fachkräfte sind kaum zu halten, wenn man denen im Winter sagt: Geh nach Hause.

Unternehmer sagen, sie zahlten schon über Tarif, aber der Markt sei leer. Was sollen die denn machen?

Ich glaube, man muss da tiefer gehen. Es gibt große Probleme in der Branche, überhaupt noch junge Leute zu werben. Fachkräfte, die man hat, muss man auch halten. Neben Bezahlung gibt es weitere Punkte, die man vor Ort gemeinsam mit den Kommunen und dem Land lösen muss. Wer, der in der Branche arbeitet, wohnt noch selbst auf Usedom oder dem Fischland, weil er es sich leisten kann?

Da muss Politik mit sozialem Wohnungsbau eingreifen?

Ja. Wohnungsbau in Tourismusorten und Städten wird mehr und mehr ein Thema, auch in MV.

Was tun, um Straßen-Netze zu verbessern, etwa auf Usedom?

Das kann man auf Usedom nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Es gibt die plakative Forderung eines Verkehrskonzeptes. Das kann aber nicht allein die Landesregierung machen. Die Kommunen müssen sich darüber verständigen, welche Prioritäten sie haben.

Oft beschweren sich Gäste, hier sei zu wenig los. Wie ist der Tourismus in MV bei Saisonverlängerung und schlechtem Wetter aufgestellt?

Da muss eindeutig mehr passieren. Eine Tourismuskonzeption muss auch einen Blick auf bestehende Angebote haben. Das geht vom Ozeaneum bis zu Karls Erdbeerhof. Beides sind erfolgreiche Konzepte. Es muss aber noch mehr vernetzt und landesweit auf die Angebote hingewiesen werden. Und wir könnten im Wellnessbereich im Land noch mehr vertragen.

Die Branche berichtet, sie müsse Angebote runterfahren. Wird am Ende deutlich mehr Landesgeld nötig sein, um die Probleme zu lösen?

Die Branche sollte nicht immer gleich die Politik ins Spiel holen. Es ist ihre originäre Aufgabe, für die Fachkräfte zu sorgen. Wir werden in Teilen um das Thema Zuwanderung nicht rumkommen. Wir brauchen auf der Bundesebene ein vernünftiges Zuwanderungsgesetz. Auch heute müssen wir uns im EU-Raum aktiver kümmern.

Hat MV mit Ihnen jetzt einen zweiten Tourismusminister?

Nein. Ich bin im Hauptamt Chef der Staatskanzlei. Zur Koordinierung gehört auch die Tourismuskonzeption. Ich bin vom Job her veranlasst, mich da einzubringen.

Gibt es einen Grund, Alarm zu schlagen, weil die Gästezahlen sinken?

Ein Jahr mit zurückgehenden Übernachtungszahlen sollte uns nicht allzu große Sorgen machen. Aber man muss sehr genau beobachten. Ich glaube, dass wir einen Schuss vor den Bug bekommen haben. Das sollten wir nutzen, um konsequent zu prüfen, was man besser machen kann.

Der General in der Schweriner Staatskanzlei

Reinhard Meyer (58) ist seit 2007 im Ehrenamt Präsident des Deutschen Tourismusverbandes. Bis 2017 war der SPD-Mann Wirtschaftsminister in Schleswig- Holstein. Im Januar 2018 holte ihn Ministerprasidentin Manuela Schwesig (SPD) zurück als Chef der Staatskanzlei in Schwerin, ein Job, den Meyer bereits von 2006 bis 2012 innehatte. Seine Aufgabe ist die Koordination der Regierungsarbeit. Reinhard Meyer wuchs in Bonn und Bremen auf, studierte in Braunschweig und Hamburg Politische Wissenschaften, Geschichte und Volkswirtschaftslehre.

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