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Rösler und Brüderle: Rückenwind für Führungs-Duo

Berlin Rösler und Brüderle: Rückenwind für Führungs-Duo

Überraschung im FDP-Präsidium: Sachse Holger Zastrow verdrängt Birgit Homburger. Auch Dirk Niebel scheitert.

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Sieger und Verlierer: Wolfgang Kubicki (l.) und Dirk Niebel.

Berlin. Dreieinhalb Minuten Applaus war den Delegierten des 64. FDP-Parteitages in Berlin die Rede ihres neuen und alten Vorsitzenden wert. Mit knapp 86 Prozent — zehn Prozent weniger als bei seiner ersten Wahl — dankten die Delegierten ihrem Frontmann seinen Einsatz. „Man kann eine Niederlage durch Fleiß und Ehrgeiz durchaus wieder in einen Sieg verwandeln.“ Das und eine breitere thematische Aufstellung hatte Rösler am Sonnabend versprochen. Doppelt so lang klatschten die FDP-Vertreter gestern ihrem neuen Spitzenmann Rainer Brüderle zu. Der 67-jährige versprach, dass man „das Land nicht diesen Fuzzis überlassen“ dürfe. Gemeint war Rot-Grün.

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Sieger und Verlierer: Wolfgang Kubicki (l.) und Dirk Niebel.

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Geklatscht haben bei der FDP alle. Auch und besonders laut die sächsischen Delegierten, die im Normalfall auf FDP-Parteitagen neben den großen, starken West-Landesverbänden mit ihrer kleinen Delegiertenzahl nicht besonders auffallen. Dieses Mal hatten sie allen Grund zum Jubel.

Der Inszenierungsplan der Strippenzieher hatte nicht vorgesehen, dass Holger Zastrow Vize bleibt. Diesen Posten sollte die Ex-Bundestagsfraktionsvorsitzende Birgit Homburger aus dem mächtigen Landesverband Baden-Württemberg erhalten. So hatte man es ganz oben und hintenherum abgesprochen. Homburger pries bei ihrer Bewerbungsrede Teamfähigkeit und Ökologie-Kenntnisse. Zastrow setzte auf seinen „eigenen Kopf“, auf ein Angebot als Nebenberufler und Quergeist.

Mehrfach musste schließlich ausgezählt, zwei Mal abgestimmt werden. Zunächst fehlte Zastrow eine einzige Stimme, in der zweiten Runde gewann Zastrow mit 49,7 gegen 48,5 Prozent. Es gab viele überraschte Gesichter.

In der Tagungshalle des Estrel-Komplexes in Berlin rauschte ein klein wenig unorthodoxes Denken durch liberale Köpfe. Kurze Zeit später hatte sich auch noch Wolfgang Kubicki in das neue Präsidium katapultiert. „Die FDP hat als Marke generell verschissen“, sagte er noch vor einigen Monaten gegenüber der OZ. Mit einer Rede, die rundherum und ohne taktische Hilfestellungen bejubelt wurde, war der Kieler Quälgeist vieler FDP-Führungen auf fast ebenso viel Delegiertenstimmen gekommen wie zwei starke West-Bundesminister — Dirk Niebel (Entwicklung) und Daniel Bahr (Gesundheit) — zusammen.

Beide werden nun nach der nächsten Bundestagswahl nicht mehr im engsten Führungszirkel dabei sein.

Für einen munteren Aufgalopp im Estrel hatte bereits Rösler gesorgt. Er überließ seinem Spitzenkandidaten Rainer Brüderle die Darstellung komplizierter Euro- und Währungsfragen. Rösler forderte dagegen von der Union ein, sich der gesellschaftspolitischen Wirklichkeit zu stellen, etwa bei der doppelten Staatsbürgerschaft oder bei der Homo-Ehe. Und Rösler räumte ein, dass er in den vergangenen Monaten diverse „doofe Abende“ erlebt habe. Das solle nun anders werden, mit einem neuen Team. Zu dem gehört auch Ex-„General“ Christian Lindner als Parteivize. Der Zufall erfreute Rösler: Lindner erreichte rund neun Prozent weniger Stimmen als der amtierende Chef. Über 67,4 Prozent Zustimmung konnte sich der FDP-Landeschef aus MV, René Domke, bei der Vorstandswahl freuen.

Starke Worte vom FDP-Parteitag
„Nennt das Spitzenmann oder Spitzenkandidat: Der Titel ist mir egal. Hauptsache, das Ergebnis ist spitze.“

Rainer Brüderle über seine Wahl zum Spitzenkandidaten


„Ich nehm's sportlich.“

Gesundheitsminister Daniel Bahr nach seinem Scheitern

„Ich stehe und gehe erhobenen Hauptes. Damit ist das lustige Ministerversenken beendet.“ Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel nach seiner Abwahl


„Das war ein reinigendes

Gewitter.“

Der neue FDP-Vize Christian Lindner über die Wahlen

Dieter Wonka

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