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Politik Schwesig will zum Tag des Mauerfalls große Partys feiern
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06:21 10.09.2018
In Partylaune: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will am 9. November künftig das Gedenken an den Mauerfall 1989 mit Volksfesten wachhalten. Quelle: Cornelius Kettler
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Rostock

Fast jeder weiß noch genau, was er gerade gemacht hat, als die Mauer fiel. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will den Tag des Mauerfalls, 9. November, in Zukunft mit Partys feiern. „Mir schweben Volksfeste an der ehemaligen Grenze vor. Gerade jetzt ist es so wichtig zu betonen, was wir in den Jahren nach dem Mauerfall alles erreicht haben“, sagte Schwesig der OSTSEE-ZEITUNG. Damit wolle sie auch ein Zeichen gegen die schlechte Stimmung im Land setzen, die sich durch die Vorkommnisse in Chemnitz verschärft hat.

Starten mit den Festen an ehemaligen Grenzübergangsstellen würde sie im kommenden Jahr, wenn sich der Tag des Mauerfalls zum 30. Mal jährt. Bereits in diesem Jahr plant Schwesig mit ihrem schleswig-holsteinischen Amtskollegen Daniel Günther (CDU) eine kleinere Veranstaltung in Herrnburg bei Lübeck. Unter anderem gibt es ein Forum mit Schülerinnen und Schülern aus Lübeck und Lüdersdorf. Damit wolle sie nicht den Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) als gesetzlichen Feiertag schwächen oder gar ablösen; aber: Am 3. Oktober gebe es bundesweit nur eine zentrale Feier, abwechselnd jedes Jahr in einem anderen Bundesland. Mit ihrem Vorstoß hofft sie auf Nachahmer in anderen Bundesländern. Einen gesetzlichen Feiertag wolle sie aus dem 9. November, an dem sich auch die Reichspogromnacht 1938 jährt, nicht machen.

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Heiko Lietz, Bürgerrechtler und Landessprecher des Neuen Forums in der Wendezeit, hält Erinnerung an den Mauerfall für wichtig. Der passende Tag wäre aus seiner Sicht aber der 9. Oktober, an dem 1989 in Leipzig 70000 Menschen auf die Straße gingen – und die Staatsmacht nicht eingriff. „Ohne diesen Tag hätte es Gesamtdeutschland niemals gegeben“, so Lietz. Der 3. Oktober, Tag der Einheit, sei dagegen „ein Bürokratentag“, von oben festgelegt. Der 9. November sei historisch überlastet. Denn er stehe auch für Reichspogromnacht der Nazis mit Judenverfolgung 1938 und Hitler-Putsch 1923.

Die OZ-Nutzer diskutieren auf Facebook über das Thema:

Was haltet ihr von dem Plan? Und: Sollte der 9. November ein Feiertag werden?

Gepostet von Ostsee-Zeitung am Freitag, 7. September 2018

Die Wirtschaft lehnt einen weiteren Feiertag ab. „Zentraler Gedenk- und Feiertag anlässlich des Mauerfalls und der Wiedervereinigung ist der 3. Oktober“, sagt Sven Müller, Vereinigung der Unternehmensverbände MV. Auch Müller hält das Datum 9. November für schwierig: „Tag des Gedenkens: ja – Tag des Feierns: nein.“

CDU-Landeschef Vincent Kokert begrüßt die Idee eines Mauerfall-Gedenkens. „Die Menschen in der DDR haben 1989 die Welt verändert. Wir brauchen einen zentralen Gedächtnisort.“ Es sei Zeit für „einen würdigen Festrahmen – gemeinsam mit den Nachbarbundesländern“. Der 9. November sei aber „ein schwieriges Datum“. Unter der Hand heißt es in der CDU: Die SPD solle erstmal ihr Verhältnis zur DDR und der Aussage von Ex-Regierungschef Erwin Sellering, die DDR sei „kein Unrechtsstaat“ gewesen, klären.

Frank Pubantz

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