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Politik Swinetunnel: Baubeginn im August – Sorgen in MV
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08:26 31.07.2018
Der Tunnel ist unterhalb der Swine über eine Distanz von 1,76 Kilometer geplant. Quelle: GDDKiA
Rostock

Polen macht Druck: Spätestens 2022 soll der Swinetunnel die polnischen Urlaubsgebiete in Westpommern verkehrstechnisch noch besser anbinden. Schon im August soll Baustart sein. Wirtschaft und Kommunen in MV fürchten mehr Konkurrenz, hoffen aber auch auf schnellen Verkehr über Stettin bis Berlin.

Der 1,76 Kilometer lange Swinetunnel soll bald die Inseln Usedom und Wolin verbinden. Die EU hat dafür gerade 190 Millionen Euro Fördermittel (Gesamtkosten: 230 Millionen) bewilligt. Haken: Die italienische Firma, die den Zuschlag für das Prestigeprojekt erhielt, ließ einen Termin zur Vertragsunterzeichnung mit der polnischen Regierung platzen, informierte Swinemündes Stadtpräsident Janusz Zmurkiewicz. Eine Bankbürgschaft fehle, ist zu hören. Bald ende die Frist, dann werde sich entscheiden, ob die Italiener oder eine andere Bieterfirma den Tunnel baut. Zmurkiewicz gibt sich zuversichtlich: Die Stadt habe auf dem Weg zum Tunnelbau „viele Hindernisse überwunden“; sie werde auch dieses nehmen. Mariusz Lukaj, Kontaktmann der Gemeinde Heringsdorf nach Polen, ist sich sicher: „Im August geht der Bau los.“

Während Polen aufs Tempo drückt, ist es in MV noch recht ruhig. Dabei geht es darum, wie MV von dem Mega-Projekt profitieren kann oder ob der Tunnel in MV zum Verkehrskollaps führt. „Wir brauchen dringend einen Schulterschluss von Politik und Wirtschaft“, fordert Sven Paulsen, Inhaber der Adler Reederei, der im großen Stil in Hotels und Ferienwohnungen in Misdroy auf der polnischen Insel Wollin investiert. Anderenfalls bestehe die Gefahr, dass MV abgehängt werde.

Der Tunnel werde auf Usedom den Verkehr „moderat“ verstärken, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Voraussetzung: Ab Grenzübergang Garz sind Lkw über 7,5 Tonnen tabu. Andernfalls geht ein Gutachten von bis 45 Prozent Schwerlast- am Gesamtverkehr aus. Eine Sprecherin von Minister Christian Pegel (SPD) beruhigt: „Die Tonnenbegrenzung bleibt.“ Haken: Laut Prognose werde der Insel-Verkehr so oder so zunehmen – bis 2030 um 13 Prozent.

Die Tonnage-Grenze dürfe nicht fallen, warnt die Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg. Sonst würde Usedom im Verkehrschaos versinken. Präsident Wolfgang Blank fürchtet „eine weitere Belastung der Verkehrsinfrastruktur“. Positiv sei, dass Polen die Häfen ausbaut – nützlich für die ganze Region.

Große Hoffnungen setzt der Heringsdorfer Bürgermeister Lars Petersen (CDU) in den Swinetunnel – als „dritte Inselzufahrt“. Denn Usedom mit den überlasteten B110 und B111 ächze seit langem unter hohem Verkehrsaufkommen. Denkbar sei, dass der Tunnel auch mehr Verkehr gen Westen bringe, allerdings überwiege für ihn der Vorteil einer schnellen Anbindung via Stettin bis Berlin.

Pubantz Frank

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