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00:38 08.05.2018
Manuela Schwesig (r., SPD) während der Eröffnungsfeier der ITB mit Fernsehmoderatorin Judith Rakers (Archivfoto) Quelle: Soeren Stache / Dpa
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Schwerin

Im Ringen um die Neuausrichtung des Tourismus in MV drängt Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) den zuständigen Minister Harry Glawe (CDU) an den Rand. Der Chef der Staatskanzlei, Reinhard Meyer (SPD), hält jetzt viele Fäden in der Hand. In der CDU sorgt dies für Unmut.

Gravierende Mängel

29,8 Millionen Übernachtungen gab es 2017 bei Touristikern in MV (ab 10 Betten), ein Rückgang um 1,8 Prozent zum Rekordjahr 2016.Der Entwurf einer Tourismuskonzeption deckt gravierende Mängel in der Branche auf: mangelnde Qualität, überfüllte Straßen und Radwege, steigende Mieten, fehlende Fachkräfte.

Ein Aufschrei ging durchs Land, als die Gästezahlen 2017 nach Jahren erstmals sanken. Einiges deutet darauf hin, dass MV künftig weiter an Boden verlieren könnte. Ein neues Tourismuskonzept der Regierung, das seit 2015 aussteht, soll dies ändern.

Glawe-Entwurf sorgte für Aufsehen

Ein Entwurf aus dem Wirtschaftsministerium sorgte Anfang des Jahres für Aufsehen: Kur- und Fremdenverkehrsabgaben sollten aufgeweicht, Angebote erweitert, Straßen und Radwege saniert, Arbeitskräfte besser bezahlt, vor allem auf Qualität statt Masse gesetzt werden.

Schwesig hat das Konzept jetzt „gekapert“, ist zu hören. SPD-Leute halten es für „mutlos“ und „verwässert“. Es fehle an konkreten Zeitvorgaben, Finanzierung eines Umsetzungscontrollings, Ideen für Digitalisierung, Internationalisierung und Fachkräfteoffensive. Das Konzept ist mittlerweile um ein Drittel auf über 100 Seiten angewachsen; noch im Mai soll es ins Regierungskabinett kommen.

Neuer starker Mann ist Schwesigs Staatskanzleichef Meyer, selbst Tourismusexperte. Er fordert ein Tourismusgesetz, über das die Regierung in Landkreise und Regionen reinregieren und mehr Geld verteilen könnte. „Da wird es viele Widerstände geben“, so Meyer. Er sei aber sicher: MV müsse in Europa „als ein Reiseziel“ werben. Meyer schreibt Firmen ins Stammbuch, dass sie selbst für Fachkräfte zu sorgen hätten.

CDU pocht auf Zuständigkeiten

In der Koalition kriselt es. Die SPD versuche dem Partner bei öffentlich wirksamen Themen das Wasser abzugraben, heißt es aus der CDU. Sehr kritisch sehe man Schwesigs „Schaulaufen“ jüngst bei der Internationalen Tourismusbörse. Wolfgang Waldmüller, Vize der CDU-Landtagsfraktion, stellt klar: Tourismus liege bei Wirtschaftsminister Glawe. Er lehne eine „Wünsch-dir-was-Liste der SPD“ ab. Als Präsident des Tourismusverbandes MV sagte Waldmüller: Es sei „höchste Zeit“, dass die neue Konzeption auf den Tisch kommt. Auch Glawe pocht auf seine Zuständigkeit. Offiziell lässt er erklären: Im Sommer solle das Konzept vorliegen. Wichtig sei, dass „der Mehrwert für Einwohner und Gäste stärker betont“ werde.

Die Tourismusbranche ist ungeduldig. Er habe den Eindruck, dass die Politik Tourismus „für einen Selbstläufer hält“, sagt Ulrich Langer, Chef der Touristik-Service GmbH in Kühlungsborn. „Es wird Zeit, dass man sagt, wo das Land hinwill.“ Sorge bereiteten ihm praktische Hürden wie der Naturschutz. „Wir haben sechs Jahre für einen Wanderweg gebraucht.“ Ins Leben holen muss die neue Linie der Tourismusverband MV. Sprecher Tobias Woitendorf erklärt: Der Erfolg hänge von der „Qualität der Umsetzung“ ab.

Frank Pubantz

Reinhard Meyer, Chef der Staatskanzlei, plädiert für ein Strukturgesetz und mehr Nutzeffekte für Gäste. Firmen sollten sich intensiver um Fachkräfte kümmern.

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