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Tote Kühe: Bauern zeigen 16 Minister an

Rostock Tote Kühe: Bauern zeigen 16 Minister an

Seit Jahren kämpft Klaus Wohldmann aus MV um die Anerkennung einer tödlichen Rinderkrankheit – mittlerweile hat er Mitstreiter in sieben Bundesländern. Jetzt haben sie Strafanzeige beim Internationalen Strafgerichtshof gestellt.

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Landwirt Klaus Wohldmann (52) kämpft seit Jahren um die Anerkennung der tödlichen Rinderkrankheit Viszeraler Botulismus.

Quelle: Elke Ehlers

Rostock. Aufstand der Bauern: Mitglieder einer „Interessengemeinschaft Botulimus“ haben Strafanzeige beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gegen 14 Minister von Bund und Ländern sowie zwei (ehemalige) Ministerpräsidenten von MV, Erwin Sellering und Harald Ringstorff, gestellt, dazu gegen diverse Verwaltungsmitarbeiter. Die Liste der Vorwürfe ist lang: schwere Körperverletzung, Rechtsbeugung, Verstoß gegen Verbraucher-, Tier-, Umweltschutz und Grundgesetz, Vorteilsnahme. Anlass sei der miserable Umgang von Politik und Verwaltung mit einer Rinderkrankheit, dem Viszeralen oder Chronischen Botulismus. Die Tiere, erkrankt durch Bakterien, würden durch Gifte zugrundegehen. Bekannt sei dies seit rund zwei Jahrzehnten, doch nichts geschehe. Auch Menschen seien erkrankt. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung können über die Aufnahme von Toxinen (in Kadavern) schwere Schäden an Nerven- und Verdauungssystem ausgelöst werden. 

 

Die Interessengemeinschaft besteht auf betroffenen Landwirten aus sieben Bundesländern. Federführend ist Klaus Wohldmann (52) aus Demen bei Parchim. Vor über einem Jahrzehnt war er Bauer mit Rinderherde und Flächen bei Bützow (Landkreis Rostock). Ab 2002 verendeten plötzlich massenweise Rinder. Chronischer oder Viszeraler Botulismus, eine Nervenerkrankung, ausgelöst durch Bakterien über Tierkadaver im Futter – so sieht es Wohldmann, bestätigt durch Laborbefunde. Behörden sehen es bis heute anders und gehen von mehreren Faktoren für die Erkrankung aus. Die Landwirte fordern Entschädigung in Millionen-Höhe.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) weist dies zurück. Die Krankheit sei nicht als Tierseuche eingestuft. „Nach dem Tiergesundheitsgesetz besteht kein Anspruch auf Entschädigung.“ Er beruft sich auf eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Auftrag des Bundes, wonach kein Zusammenhang zwischen dem chronischem Krankheitsgeschehen und dem Vorkommen der Bakterien bestehe. Aber eben diese Studie wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Mikrobiologe Prof. Helge Böhnel, Uni Göttingen, bezeichnet sie als „Gefälligkeitsgutachten“. Böhnel: „Das Ergebnis der Studie ist ein trauriges Beispiel für die Prostitution von Wissenschaftlern.“

Die betroffenen Landwirte warnen vor einer flächendeckenden Ausbreitung des Chronischen Botulismus. Viele Betriebe würden Tiere mit dem Krankheitsbild einfach schlachten lassen; das Fleisch lande auf dem Teller des Menschen. Die Strafanzeige in Den Haag solle nun umfassende Aufklärung bringen.

Frank Pubantz

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