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Trump wird US-Präsident: So reagiert MV

Rostock Trump wird US-Präsident: So reagiert MV

Besorgnis, Mahnung und Hoffnung: Der Erfolg von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl in den USA hat in Mecklenburg-Vorpommern unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Ein Überblick

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Der Erfolg von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl in den USA hat in Mecklenburg-Vorpommern unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Quelle: Henrik Schmidt / dpa

Rostock. Das Rennen ist entschieden: Donald Trump wird neuer Präsident der USA, Hillary Clinton gesteht ihre Niederlage ein.

 

Thomas Krüger (SPD): Gut finden muss man sie nicht

Mit Besorgnis hat der Vorsitzende der SPD- Landtagsfraktion, Thomas Krüger, auf das Ergebnis reagiert. „Es ist erschreckend, dass ein Mann die Wahlen gewonnen hat, der gegen Minderheiten hetzt, die Gesellschaft spaltet, frauenfeindlich ist und von dem außer egozentrischem Getöse bisher nicht viel zu hören war“, erklärte Krüger am Mittwoch in Schwerin. Demokratische Entscheidungen gelte es aber zu akzeptieren - „gut finden muss man sie nicht“, sagte Krüger.

Die Wahl des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bedeute weder einen guten Tag für die Vereinigten Staaten noch für die Weltgemeinschaft. Dennoch dürften verantwortungsbewusste Politiker „nicht in Schockstarre“ verfallen. „Wir brauchen gerade nach dieser Wahl eine Besinnung auf unsere Grundwerte von Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität und zügig einen gemeinsamen europäischen Plan für die zukünftige Zusammenarbeit mit der Trump-Regierung“, mahnte Krüger.

Vincent Kokert (CDU): Ausdruck wachsender Zukunftssorge

Nach Ansicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Schweriner Landtag, Vincent Kokert, ist der Erfolg Ausdruck wachsender Sorge vieler Menschen um ihre Zukunft. „Diese Menschen gibt es nicht nur in den USA, sondern auch bei uns. Wir sollten nicht deren Wahlverhalten kritisieren, sondern uns um ihre Probleme kümmern“, mahnte der CDU-Politiker am Mittwoch in Schwerin. Seine Partei hatte bei der Landtagswahl im September vor allem im strukturschwachen Vorpommern massiv eingebüßt und zahlreiche Wähler an die AfD verloren.

Kokert verwies auf Analysen, nach denen der Republikaner Trump bei Menschen punkten konnte, die in ländlichen Regionen leben, Sorge um ihre Zukunft haben und nach Orientierung in einer komplexer werdenden Welt suchen. Er wünsche sich, dass die Amtsführung Trumps nach einem polarisierenden Wahlkampf „von Umsicht, Fairness und Weitblick geprägt sein wird“, erklärte Kokert.

 

AfD-Landeschef Leif-Erik Holm: Niederlage für „abgehobene politische Klasse“

Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Chef Leif-Erik Holm sieht im Wahlsieg von Trump ein weiteres Zeichen für das gewachsene Misstrauen gegenüber dem bisherigen politischen System. „Es zeigt sich mehr als deutlich, dass auch viele US-Amerikaner dringend einen Wandel weg von politischer Korrektheit, hin zu mehr Klarheit und Bürgernähe herbeisehnen. Und den trauen sie einer abgehobenen politischen Klasse zu recht nicht mehr zu“, erklärte Holm am Mittwoch in Schwerin.

An den Wahlsieg Trumps knüpfe er die Hoffnung, dass die USA zur Verständigung mit Russland zurückkehrten. „Das hat er angekündigt und wäre gut für eine friedlichere Welt“, so Holm. Die Abschaffung der Russland-Sanktionen wäre insbesondere auch für die Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns hilfreich, die stark unter den Handelsbeschränkungen leide.

Simone Oldenburg (Linke): Ergebnis einer Protestwahl

Die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, sieht die Fortsetzung eines globalen Trends. „Die Menschen können ihren Frust und ihre Unzufriedenheit offenbar nur noch in Form von Protestwahlen zum Ausdruck bringen. Dies ist gegenwärtig weltweit in vielen Ländern zu beobachten“, sagte sie am Mittwoch in Schwerin.

Unsicherheiten und Ängste vor anhaltenden Veränderungen hätten in den USA zu einem dramatischen politischen Wechsel geführt. Doch der Wahlausgang werde an der Polarisierung der US-amerikanischen Gesellschaft nichts ändern, zeigte sich Oldenburg überzeugt. „Mit Hass und Hetze, mit rückwärtsgewandten Ideen und Ansätzen wird es (..) nicht gelingen, die Probleme zu lösen und die tiefen Gräben zuzuschütten“, sagte sie.

Claudia Müller (Grüne): US-Wahl ist Mahnung

Als Mahnung an die Parteien, sich ernsthafter mit den „wirklichen Sorgen und Nöten der Menschen auseinanderzusetzen“, hat die Landeschefin der Grünen, Claudia Müller, den Wahlausgang gewertet. Mit der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten habe erneut der Rechtspopulismus gewonnen, der Wahlkampf sei geprägt gewesen von Lügen, Beleidigungen und einer Profilierungssucht auf Kosten von Minderheiten. Dies müsse als Weckruf verstanden werden, zum Wohle von Demokratie und Gerechtigkeit zusammenzuarbeiten. Ehrlichkeit sei nötig und es müsse erklärt werden, „wenn nicht alle Wünsche erfüllt, nicht alle Sorgen sofort beruhigt werden können“.

Maschinenbauer nach Trump-Sieg besorgt

Die ostdeutschen Maschinenbauer sind besorgt über eine mögliche Abschottung der amerikanischen Volkswirtschaft. Auch die Branche im Osten würde ein protektionistischer Kurs hart treffen, sagte der Geschäftsführer des VDMA-Ost, Reinhard Pätz, am Mittwoch in Leipzig.

Bei den ostdeutschen Firmen sei der Anteil der Exporte in die USA zwar geringer als bei denen im Westen. Doch besonders die Betriebe in den neuen Ländern hätten in den vergangenen Monaten bereits herbe Rückschläge wegen des Russland-Embargos hinnehmen müssen. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, Zölle und andere Handelsabkommen wieder aufzubauen.

Dem VDMA gehören 350 Unternehmen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an. 2015 hatte der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau einen Umsatz von etwa 16,8 Milliarden Euro erzielt.

IHK erwartet stabile Handelsbeziehungen

Trotz der Ankündigung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, die heimische Wirtschaft vor Konkurrenz aus dem Ausland schützen zu wollen, rechnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Schwerin nicht mit einschneidenden Handelsbeschränkungen. „Die amerikanische Wirtschaft ist der größte Absatzmarkt für die Exportnation Deutschland. Hieran wird sich auch durch die Wahl von Donald Trump voraussichtlich nichts ändern“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach am Mittwoch in Schwerin.

Auch wenn der Wahlkampf teilweise zu Verunsicherungen bei deutschen Unternehmern geführt habe, bleibe zu hoffen, dass sich die wirtschaftspolitische Vernunft durchsetzt. „Es kann auch nicht im Interesse der amerikanischen Wirtschaft liegen, dass die neue US-Regierung den Waren- und Dienstleistungsaustausch zwischen Europa und den USA beeinträchtigt“, sagte Eisenach.

Im Mai hatte die Kammer in Schwerin einen USA-Wirtschaftstag veranstaltet, um die Handelsbeziehungen weiter zu beleben. Laut Eisenach wurden 2015 aus Mecklenburg-Vorpommern Waren für rund 300 Millionen Euro in die USA exportiert. Damit sei das Land der neuntwichtigste Markt für Lieferanten aus dem Nordosten gewesen.

dpa/mv

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