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Politik Vertrauliche Geburt soll verzweifelten Müttern helfen
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04:37 14.03.2013

Berlin — Es passiert schätzungsweise hundert Mal im Jahr: Mütter bringen heimlich ihr Kind zur Welt, legen es in einer Babyklappe ab. Eine herzzerreißende Situation für die meist sehr jungen Frauen — die sich zudem auch noch in einem juristischen Graubereich bewegen. Die Bundesregierung hat gestern den Gesetzentwurf für ein legales Hilfsangebot beschlossen, das eine Alternative zur anonymen Kindesabgabe und Babyklappe sein soll. Somit könnten Frauen in Krankenhäuser ihr Kind vertraulich zur Welt bringen. Die schwarz-gelbe Koalition will vor allem verhindern, dass ungewollte Neugeborene ausgesetzt oder sogar von der Mutter getötet werden. Bei dieser vertraulichen Geburt sind die persönlichen Daten der Frau geschützt, sie werden in einem verschlossenen Umschlag beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hinterlegt. Dort kann das Kind sie im Alter von 16 Jahren einsehen. Die Neuregelung soll zum 1. Mai 2014 in Kraft treten.

Nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts wurden zwischen 2000 und 2010 insgesamt 973 Kinder anonym geboren und Hilfspersonen übergeben oder in einer Babyklappe abgelegt. Zudem gibt es jährlich zwischen 20 und 35 Fälle, in denen das Baby unmittelbar nach der Geburt ausgesetzt oder getötet wurde. Die Dunkelziffer gilt als hoch.

„Jeder Mensch mit Herz ist froh über jedes Kind, das durch eine Babyklappe gerettet wird. Wir müssen aber dringend schon viel früher verzweifelten Schwangeren ein Angebot machen, das ihnen und dem Kind wirksam und dauerhaft hilft“, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). „Wir möchten werdenden Müttern, die aus persönlichen Gründen Angst vor den Standards einer regulären, meldepflichtigen Geburt haben, durch das frühzeitige Angebot qualifizierter psychosozialer Beratung Auswege aus ihrer verzweifelten Lage aufzeigen und sie so rechtzeitig während der Schwangerschaft für eine vertrauliche Geburt gewinnen.“

Ziel der Regierung sei es, dass Frauen ihr Kind trotz der Sorgen in einem Krankenhaus zur Welt bringen — also unter bester medizinischer Betreuung statt heimlich und alleine unter höchst riskanten Umständen. Bereits vor der Geburt soll ihnen eine „umfassende, niederschwellige und ergebnisoffene Beratung“ angeboten werden, heißt es in dem Entwurf. Damit wird Schwangeren die Möglichkeit gegeben, ihr Kind doch zu behalten und aufzuziehen. Entscheidet sich die Frau dagegen, wird ihr die vertrauliche Geburt angeboten.

Sozialverbände loben die Neuerung. „Für die Entwicklung und Identität eines Kindes ist das Wissen um die eigene Herkunft sehr wichtig“, betonte gestern Caritas-Präsident Peter Neher. „Wir begrüßen, dass durch das Gesetz sowohl die Notlage der Frau gesehen und ihrem Wunsch nach Vertraulichkeit Rechnung getragen wird als auch dem Recht des Kindes auf Kenntnis der Herkunft entsprochen wird.“

Maja Heinrich

Das Europaparlament hat den nach monatelangen zähen Verhandlungen erzielten Gipfelbeschluss zur künftigen Finanzierung der EU abgelehnt. In ihrer gegenwärtigen Form trügen diese Vorschläge den „Prioritäten und Bedenken“ des Parlaments nicht Rechnung, erklärten die Abgeordneten in einer gestern verabschiedeten Entschließung.

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