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„Wo kein Bahnhof ist, da ist auch kein Fahrgast“

Rostock „Wo kein Bahnhof ist, da ist auch kein Fahrgast“

Länderkonferenz zum Nahverkehr: Bus und Bahn sollen attraktiver werden

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Politiker und Vertreter von Verkehrsbetrieben trafen sich in Rostock zur Länderkonferenz zum Öffentlichen Personennahverkehr.

Quelle: Foto: F. Söllner

Rostock. Zu wenig Geld, zu viele Tarifsysteme: In der Länderkonferenz für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Rostock sind am Donnerstag zahlreiche Probleme und Ideen zur Sprache gekommen. In dem Fachforum mit Podiumsdiskussion stellten die Verkehrsbetriebe vor allem die monetären Schwierigkeiten heraus. „Derzeit bekommen wir die Finanzierung mit Mühe und Not hin, um den Bestand zu erhalten, aber wir haben kein Geld für Innovation oder Ausbau übrig“, sagte Jan Bleis von der Rostocker Straßenbahn AG und Vize-Vorsitzender beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) Nord, dem Veranstalter der Konferenz.

 

Die Schere zwischen dem, was der ÖPNV laut Fachleuten in Zukunft braucht, und dem, was Land und Bund geben, ist riesig. Viele verschiedene Millionensummen kursierten im Saal des Radisson Blu Hotels. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) sandte jedoch eine klare Botschaft: „Wir bräuchten das Doppelte an Geld, um Ihre Vorstellungen zu verwirklichen, haben aber enge finanzielle Bedingungen in MV – und ich bin froh, dass wir den Status quo von 80 Millionen Euro für den Busverkehr halten konnten. Wir müssen aufpassen, hier nicht in einer Trauerschleife hängenzubleiben.“ Zudem seien die Kreise für den Bus-, das Land für den Schienenverkehr zuständig.

Deutlich angesäuert reagierte Eckhardt Rehberg (CDU), haushaltspolitischer Sprecher im Bundestag, auf eine weitere Erklärung Pegels. Das Land häuft derzeit 132 Millionen Euro für den Schienenverkehr an, um für Zeiten, in denen die Mittel für den Nahverkehr sinken, zu sparen. „Reichen Sie diese Bundesmittel weiter an die Kommunen“, forderte Rehberg. „Wir verfeuern dieses Geld jetzt nicht, damit wir 2023 nicht akut streichen müssen“, antwortete der Minister.

Der Präsident der Rostocker Industrie- und Handelskammer, Claus Ruhe Madsen, rückte süffisant den eigentlich entscheidenden Faktor in den Fokus: den Fahrgast. „Diskutieren wir doch lieber darüber, wie wir die Leute in die Busse und Züge bekommen.“ Er spielte auf das Streckennetz und unzureichende Fahrpläne an: „Wo kein Bahnhof ist, da ist auch kein Fahrgast.“ Wer wolle schon um 4.34 Uhr in die Bahn steigen, wenn er um 9 Uhr einen Termin in Berlin wahrnehmen müsse? Das Angebot sollte attraktiver und transparenter sein, mehr Lust auf Nahverkehr machen und vor allem verständlicher und digitaler werden.

Zu dem Thema hakte auch der Krakower Frank Eilrich aus dem Publikum ein. „Es gibt zu viele verschiedene Verbände in MV, jeder kocht sein Süppchen. Die vielen Tarifsysteme sind unübersichtlich. Es sollte alles aus einer Hand kommen.“ Der Moderator der Podiumsdiskussion, Frank Pubantz, Chefkorrespondent der OZ, konfrontierte Branchenvertreter und Politiker mit Eilrichs Vorschlag – und bekam erstaunlich viel positive Resonanz. Zwar betonten fast alle, dass es sich bei einem gemeinsamen Verbund um eine Herkulesaufgabe handele. Eine Vereinheitlichung befürworteten aber die meisten – auch um es dem Fahrgast leichter zu machen.

Ideen wie ein Bildungs-Ticket für Schüler aus dem Umland, die damit zu ihren Vereinen in die Stadt fahren, oder ein Job-Ticket für Pendler fanden ebenfalls Anklang. Ein Pilotprojekt aus Rechlin bei Waren, wo Touristen umsonst mit Bus und Schiff fahren sollen und über die Kurtaxe den Nahverkehr mitfinanzieren, erwähnte Bernd Fischer. „Wenn wir touristisch ansprechende Angebote haben, wird das von den Urlaubern auch angenommen“, ist sich der Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV sicher.

Zukunftsträchtige Vorhaben wie E-Tickets, Elektro- oder gar autonom fahrende Busse wurden ebenfalls diskutiert. „Wir haben viele Ideen, können uns das Geld aber nicht aus den Rippen schwitzen“, betonte VDV-Mann Jan Bleis abschließend. Da sei die finanzielle Unterstützung der Politik gefragt.

Virginie Wolfram

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