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Zweitjüngster Abgeordneter kommt aus Vorpommern

Anklam Zweitjüngster Abgeordneter kommt aus Vorpommern

Eine alternde Region schickt den 24-jährigen Philipp Amthor (CDU) in den Bundestag. Der Jurist gehört zum konservativen Parteiflügel.

Anklam. Das Land ist flach, der Horizont weit, die Städte haben gerade mal zwischen 10000 und 15000 Einwohner: Das südliche Vorpommern zwischen Wolgast, Anklam und Penkun ist eine Region, die seit der politischen Wende für Abwanderung und Überalterung steht. Hier redet man über den Zuckergehalt der Zuckerrübe, den ausgedünnten öffentlichen Personennahverkehr und die schlechten Handynetze. Gerade aus dieser einsamen Region, wo sich gelegentlich Elche aus dem benachbarten Polen hin verirren, zieht nun der zweitjüngste aller Abgeordneten in den neuen Bundestag ein: der 24 Jahre alte Philipp Amthor (nur ein FDP-Mann ist noch ein paar Wochen jünger).

 

OZ-Bild

Freude über den Erfolg: Philipp Amthor (CDU) gewinnt das Direktmandat im Wahlkreis 16.

Quelle: Foto: P. Binder

Amthor passt mit seinem Habitus eher ins urbane Berliner Großstadtmilieu als aufs Land: Er ist Jurist mit Prädikat-Abschluss und schreibt aktuell seine Doktorarbeit an der Uni Greifswald über „Staatswohl und Staatsgeheimnisse zwischen Regierung und Parlament“.

Dennoch hat der gebürtige Ueckermünder, der Menschen mit auffallend freundlichem und aufmerksamem Ton begegnet, den Wahlkreis 16 (Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II) gewonnen. „Ich bin heilfroh über das Ergebnis. Es war ein harter und intensiver Wahlkampf“, zeigt sich der Neu-Abgeordnete erleichtert. Gerade hier hatte sich die AfD – motiviert durch die starken Landtagswahlergebnisse von 2016 und auf das diffuse Gefühl des „Abgehängtseins“ setztend – die größten Chancen auf ein Direktmandat ausgerechnet. Amthor, der sich selbst dem konservativen Flügel der CDU zurechnet, eroberte mit acht Prozentpunkten Vorsprung vor den Rechtskonservativen den Wahlkreis. In der Partei gilt Amthor als politisches Talent. Als blitzgescheit und dennoch nicht abgehoben, beschreiben ihn Parteifreunde. Dort ist man auch heilfroh über das Wahlergebnis. „Ein Direktmandat für die AfD wäre ein Desaster gewesen“, sagt CDU-Kreischef Egbert Liskow.

Amthor trat mit 16 Jahren in die CDU ein, wurde Vorsitzender der Jungen Union im Kreisverband – Altersgenossen mögen den Typen mit der „Nerdbrille“ als uncool angesehen haben. Doch Amthor ließ sich nicht beirren. Als feststand, dass er im Wahlkreis 16 für den Bundestag antreten wird, bekam er große Unterstützung von der prominenten Direktabgeordneten des Nachbarwahlkreises, Angela Merkel. „Sie hat mir erzählt, wie sie 1990 mit einem zusammenklappbaren Tapeziertisch von Gemeinde zu Gemeinde gezogen ist, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen“, erinnert sich der 24-Jährige.

Amthor interpretierte den Ratschlag auf seine Weise: Er plakatierte seine Handynummer mit dem Slogan „Sie kochen den Kaffee. Ich bringe den Kuchen.“ Viele interessante Gespräche seien auf diese Weise entstanden. „Wir haben Probleme in der Region: die innere Sicherheit an der Grenze zu Polen, die fehlende Breitbandanbindung, die ausgedünnte Infrastruktur“, so der CDU-Youngster. Wichtig sei ihm, den Bürgern klar zu machen, dass es keine Zwei-Minuten-Lösungen gebe, wie es die AfD suggeriere. “

Martina Rathke

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