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Politologe Falter: „AfD ist weiter nach rechts gerückt“

Politologe Falter: „AfD ist weiter nach rechts gerückt“

Schwerin/Mainz Prof. Jürgen Falter, Parteienforscher der Universität Mainz, im OZ-Interview zum Phänomen AfD.

Schwerin/Mainz Prof. Jürgen Falter, Parteienforscher der Universität Mainz, im OZ-Interview zum Phänomen AfD.

Herr Professor Falter, die AfD könnte erstmals in einem Landtag stärkste Kraft werden. Wie beurteilen Sie den bundespolitischen Stellenwert dieser Landtagswahl?

Jürgen Falter: Ich halte die Chancen der AfD, am Sonntag stärkste Partei zu werden, eher für gering. Sollte sie es wider Erwarten doch werden, hätte das natürlich bundespolitisch einen starken Signalwert.

Sie warnen davor, die AfD in die rechte Ecke zu stellen. Wie sollte die Gesellschaft mit der Partei umgehen?

Falter: Die AfD ist in ihrer Gesamtheit noch nicht rechtsextrem, obwohl sie deutlich nach rechts gerückt ist. Sie so zu apostrophieren, würde den echten Rechtsextremismus verharmlosen. Man muss nur die nun in der Tat rechtsextreme Partei NPD mit der AfD vergleichen, dann liegen Unterschiede auf der Hand. In ihrem Kern ist die AfD eine nationalkonservative Partei, die allerdings einen starken rechten Flügel aufweist, der gerne auch einmal völkisch-nationalistische Äußerungen von sich gibt. Wer am Ende die Oberhand gewinnen wird, ist noch nicht klar.

Auch Rechtsextreme haben in der AfD aber eine Heimat gefunden.

Falter: Dass die AfD von Rechtsextremen unterwandert zu werden droht, ist ganz natürlich, da die Rechtsextremen in der Bevölkerung nach wie vor keine Resonanz finden. Wie soll man mit der AfD umgehen? Sich mit ihren ernster zu nehmenden Argumenten auseinandersetzen, auf die Etikettierung als rechtsextrem oder das Mantra „rechtspopulistisch“ verzichten, da das nur das Gegenteil vom Intendierten zu erreichen scheint.

Worin sehen Sie Ursachen dafür, dass sich viele Menschen von etablierten Parteien abgewandt haben, sich Argumenten verweigern?

Falter: In der AfD finden sich Personen unterschiedlicher politischer Herkunft und Motivation wieder. Die Mehrzahl der Anhänger und vermutlich auch der Mitglieder dürfte sich der Partei aus Protest gegenüber den etablierten Parteien angeschlossen haben. Das sind Globalisierungsbedrohte, im Osten nach wie vor eine Reihe von Wiedervereinigungsverlierern, Euro- und Europa-Gegner, allesamt sind sie irgendwie politisch entfremdet und hegen ein tiefes Misstrauen gegen „die da oben“. Insofern verfangen die populistischen Sprüche.

Interview: Frank Pubantz

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