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Professionelle Soforthilfe für Opfer von Gewalt

Greifswald/Stralsund Professionelle Soforthilfe für Opfer von Gewalt

Die ersten Trauma-Ambulanzen wurden jetzt in Greifswald und Stralsund eröffnet. Das Angebot soll ausgebaut werden.

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Prof. Harald Freyberger, Chef der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Greifswald.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Greifswald. Traumatisierte Gewaltopfer können in Mecklenburg-Vorpommern mit einer schnelleren psychotherapeutischen Hilfe rechnen. Die landesweit ersten zwei Trauma-Ambulanzen haben gestern in Greifswald und Stralsund ihre Arbeit aufgenommen. „Trauma-Ambulanzen sind fachärztliche und fachpsychologische Netzwerke, die Soforthilfe ohne längeres Warten auf einen Therapieplatz ermöglichen“, sagte Gesundheitsstaatssekretär Nikolaus Voss in Greifswald. Das Opfer kann sich unmittelbar an eine spezialisierte Einrichtung wenden. Die Behandlung muss zudem vorher nicht mit der Krankenkasse abgestimmt werden. Weitere Trauma-Ambulanzen sind in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg geplant. Die Behandlung der Opfer wird als gesetzliche Leistung von Bund und Land finanziert, machte Voss deutlich.

Bislang müssen traumatisierte Opfer noch zu lange auf qualifizierte psychotherapeutische Hilfe warten, betonte Prof. Harald Freyberger, Chef der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Greifswald. Grund ist die Unterversorgung mit niedergelassenen Praxen im Land, so dass es zu langen Wartezeiten für die Betroffenen kommen kann.

Laut Freyberger dokumentiert das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Rostock jährlich rund 350 Fälle, bei denen Opfer schwere Gewalt zugefügt wurde und die danach an Traumata litten. „Entscheidend ist, dass die Menschen, die stark auf eine Traumatisierung reagieren, sich so früh wie möglich in Behandlung begeben.“ Am Uni-Klinikum Greifswald und am Helios-Klinikum in Stralsund kümmern sich spezialisierte Fachärzte, Krankenschwestern und Sozialarbeiter um die Betroffenen.

Bundesweit erleben rund sechs Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen in ihrem Leben traumarelevante Schäden. Die Hälfte der Betroffenen kann ein Trauma ohne therapeutische Hilfe verarbeiten. Bei den anderen verfestigt sich ein Trauma mit ausgeprägten Ängsten.

Über das Opferentschädigungsgesetz werden die ersten fünf bis 15 Therapiesitzungen finanziert. Danach übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Nach Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen konnten rund 70 Prozent der Betroffenen nach fünf Sitzungen in einer Trauma-Ambulanz als gesund entlassen werden, so Freyberger.

Martina Rathke

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Trauma-Ambulanzen versorgen früh mit therapeutischer Hilfe. Foto: S. Sauer/Archiv

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