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MV aktuell Protest gegen Ausnahmen für Windräder
Nachrichten MV aktuell Protest gegen Ausnahmen für Windräder
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00:05 04.05.2016

Einen Boom von Windkraftanlagen, die aufgrund von Ausnahmen in MV gebaut werden, fürchten Kritiker. Über eine sogenannte Prototypen-Regelung können auch dort Räder aufgestellt werden, wo keine Eignungsfläche ausgewiesen ist. Aktuelles Beispiel: In Bröbberow bei Rostock sollen zwei Test-Anlagen entstehen. Die Gemeinde läuft Sturm.

„Wir sind dagegen“, sagt Bröbberows Bürgermeister Steffen Marklein, ein Grüner. Rings um den Ort seien genügend Anlagen entstanden. „Wir haben unseren Anteil geleistet“, so Marklein. Er sei vor allem deshalb besorgt, weil über die Nische Prototypen-Regelung offenbar bewusst und immer häufiger Regeln der Raumplanung ausgehebelt würden. Streitpunkt ist ein etwa 30 Hektar großes Areal. Mehrmals seien Anfragen von Windkraftherstellern abgelehnt worden: zu klein. Marklein fürchtet nun aber, dass sogar eine größere Anzahl von Windrädern dort platziert werden könnte. Fast 1800

Windkraftanlagen stehen derzeit in MV. Sieben Mal seien seit 2011 landesweit Windräder auf der Basis der Prototypen-Regelung errichtet worden — alle im Landkreis Rostock, heißt es vom Energieministerium. Dabei gehe es um sogenannte „Vorserienanlagen zu Erprobungs- und Vermessungszwecken“. Standorte: Brusow (Stadt Kröpelin), Prisannewitz/Scharstorf (Gemeinden Dummerstorf und Dolgen am See), Glasewitz bei Güstrow sowie im Rostocker Hafenvorgelände am Produktionsstandort der Firma Nordex. „Zwei weitere sind gegenwärtig in Planung“, so Sprecher Steffen Wehner. Wiederum bei Brusow und bei Kirch Mulsow nahe Neubukow. Dabei handele es sich teilweise um Flächen, die künftig sowieso Windeignungsflächen werden könnten.

Bauherr bei Bröbberow ist die Deutsche Großwälzlager GmbH aus Rostock, die zur russischen Kirov-Gruppe gehört. Sie will landesweit mehrere Test-Anlagen errichten, auch um den Windkraftmarkt in Russland bedienen zu können. Das Ministerium half bei der Flächensuche (die OZ berichtete). Geschäftsführer Lars Ulrich Kahl bestätigt das Interesse. Mit dem Windkraftanlagenhersteller Schütz sollen dort zwei Anlagen von 143,6 Meter Nabenhöhe errichtet werden. Leistung: je 3,2 Megawatt. Das Rostocker Unternehmen erprobe neue Lager und werde dazu Anlagen mit verschiedenen Herstellern testen.

Weitere Standorte seien noch nicht klar. Den südlich Rostocks habe man gewählt, weil dort „weit und breit“ kein Anwohner sei. „Wir werden in den nächsten zwei Wochen den Antrag einreichen“, so Kahl.

Das zuständige Amt für Raumordnung in Rostock habe „noch keinen belastbaren Antrag“ vorliegen, sagt Amtsleiter Gerd Schäde. Grundsätzlich seien Prototypen für Windkraftanlagen auch außerhalb von Eignungsflächen möglich — nach gewissen Kriterien. Eines sei regionale Wertschöpfung. Schäde versichert: „Wir werden den Antrag sehr genau prüfen.“

Norbert Schumacher von der Partei „Freier Horizont“ wirft dem Ministerium „Willkür“ vor. Viele Verfahren bewegten sich „völlig außerhalb bestehender Regeln“. So solle in Ivenack ein Testfeld entstehen, für das keine gesetzliche Grundlage bestehe. Schumacher: „Die Raumordnung wird ausgehebelt.“

„Geheimniskrämerei“ kritisiert Bröbberows Bürgermeister Steffen Marklein. Er unterstellt: „Man versucht, das bewusst an uns vorbei zu machen.“ Kommen die Anlagen doch, „werden wir dagegen klagen“, so Marklein.

Von Frank Pubantz

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