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MV aktuell Protest gegen Unterkunft: 50 Asylbewerber blockieren Straße
Nachrichten MV aktuell Protest gegen Unterkunft: 50 Asylbewerber blockieren Straße
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02:33 04.03.2016

Gut 50 Flüchtlinge haben in Jördenstorf (Landkreis Rostock) gegen die ihrer Meinung nach schlechte Unterbringung protestiert. Sie blockierten in der Nacht zu gestern für mehrere Stunden die Straße vor ihrer Notunterkunft und gestern Mittag noch einmal für rund zwei Stunden — um eine Verlegung zu erzwingen. Aus Sicherheitsgründen riegelte die Polizei die Straße mit Einsatzfahrzeugen ab. Der Protest blieb friedlich, sagte ein Sprecher.

Gestern blockierten die Bewohner der Notunterkunft zum zweiten Mal die Straße. Quelle: Stefan Tretropp

135 Flüchtlinge sind in der ehemaligen Landwirtschafts-Berufsschule untergebracht, die 2015 geschlossen wurde. Weitere 70 Plätze gibt es in einem angrenzenden Wohnblock, dem ehemaligen Internat. Für beide Einrichtungen ist der Landkreis zuständig. Journalisten lässt die Behörde nicht in die Heime. Bewohner zeigen auf Handys Fotos von überfüllt wirkenden Räumen mit vielen Matratzen. Ein Mann sagt, seine Familie müsse mit zwei weiteren in einem Klassenraum leben, insgesamt 15 Personen. Ein anderer behauptet, dass es für die in der Mehrzahl männlichen Bewohner nur zwei funktionierende Duschen gebe.

Besonders schlimm ist offenbar die Langeweile. „Wir haben nichts zu tun“, meint Rafi (25), Syrer und ehemaliger Bankangestellter. Er würde gern arbeiten oder einen Deutschkurs machen. Das werde ihm verwehrt. „Die Situation in der Notunterkunft ist angespannt“, räumt ein Landkreis-Sprecher ein, die Räumlichkeiten sind „beengt“. Ein Auslöser des Protests sei, dass sich Bewohner aufgrund eines Missverständnisses weigerten, das Fingerabdrücke gemacht werden.

Eine Verlegung in andere Unterkünfte lehnt der Kreis ab. Die Berufsschule wird nur bis April genutzt, nach Angaben der Stadt ist der Abriss vorgesehen. Die Flüchtlinge sollen dann in einen zweiten Flügel des Internats ziehen, der gerade umgebaut wird.

In dem 850-Seelen-Ort ist die Stimmung angespannt. Bürgermeister Reinhard Engel (SPD), der sich, als die ersten Flüchtlinge einzogen, noch mit Daumen-hoch- Geste fotografieren ließ, ist nach eigenen Angaben über den Protest „geschockt“. Er könne sich „nicht mit Straßenblockaden identifizieren“. Er befürchtet nun, dass Rechte über den Ort herfallen könnten.

„Hier haben alle Angst vor dem Heim“, sagt ein direkter Nachbar. Eigentlich wolle er nicht mit der „Lügenpresse“ reden. Dann spricht er doch. Er könne nicht verstehen, warum die Polizei die Protestierer nicht einfach weggetragen hat. Flüchtlinge werfen dem Mann vor, er würde sie beschimpfen. Jördenstorf ist kein Einzelfall: Anfang November trugen Flüchtlinge in Greifswald ihre Feldbetten auf die Straße, um gegen ihre Unterbringung in einer Turnhalle zu protestieren. In Tribsees (Vorpommern-Rügen) weigerten sich vor einer Woche 30 syrische Männer, in eine ehemalige Industriehalle, die als Notunterkunft dient, einzuziehen (die OZ berichtete).

Die Unzufriedenheit wächst, meint Ulrike Seemann-Katz, Vorsitzende des Flüchtlingsrats MV und Grünen-Politikerin. Vor allem in abgelegenen Quartieren auf dem Land steige der Frust unter den Bewohnern. Hinzu komme die erzwungene Untätigkeit. Und oft seien die Mitarbeiter wegen fehlender Ausbildung nicht in der Lage, Konflikte rechtzeitig zu erkennen und zu deeskalieren. „Hier bräuchten wir eine Qualifizierungsoffensive“, sagt Seemann-Katz.

41-Jährige in Ribnitz-Damgarten bedrängt

In Ribnitz-Damgarten sorgt ein möglicher Übergriff von Flüchtlingen auf eine Frau für Aufsehen. Wie die Polizei gestern mitteilte, sei die 41-Jährige auf dem Parkplatz eines Supermarktes durch drei ausländische Personen bedrängt worden. Der Vorfall ereignete sich bereits am 26. Februar gegen 19 Uhr. Während die Frau ihr Fahrrad losschloss, wurde sie laut Polizei von drei Männern umringt. Diese hätten sich so dicht an die 41-Jährige gestellt, dass sie sich nicht bewegen konnte. Erst nachdem ihr zwei Männer zu Hilfe gekommen seien, konnte die Frau fliehen. Sie erlitt einen Schock, die Polizei ermittelt.

Von Gerald Kleine Wördemann

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