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Protest in Rostock: Stasi-Behörde droht die Schließung

Rostock Protest in Rostock: Stasi-Behörde droht die Schließung

Akten aus der Hansestadt und Neubrandenburg sollen nach Schwerin / Rostocker üben Kritik an den Plänen: Wissenschaftliche Aufarbeitung gehe nur mit der Universität

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Stefan Creuz- berger leitet die Forschungsstelle.

Rostock. Ein Vorschlag der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen sorgt für Ärger — vor allem unter Historikern: Denn Anne Drescher will sämtliche Akten nach Schwerin holen, dort die Aufarbeitung konzentrieren. Den Außenstellen in Rostock und Neubrandenburg droht damit das Aus. Vor allem aus der Hansestadt gibt es Protest: Dreschers Vorschlag gefährde massiv die wissenschaftliche Aufarbeitung der Stasi-Geschichte in MV.

Konkrete Pläne liegen im April vor

Eine Expertenkommission des Bundestages will im April die Pläne zur Zukunft der Stasi-Unterlagenbehörde vorlegen. Wahrscheinlich ist, dass es in jedem Bundesland nur noch eine BStU-Außenstelle geben wird, die Stasi-Akten dem Bundesarchiv zugeordnet werden und die bisherige Forschungsabteilung der Behörde in ein Institut umgewandelt wird.

In der Hansestadt gibt es neben der Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde (BStU) im nahen Waldeck auch die Gedenkstätte in der ehemaligen Stasi-U-Haft. Das ehemalige Gefängnis wird gerade aufwendig saniert. Für viele Rostocker ein emotionaler Ort. Und: Die BStU arbeitet eng mit der Uni zusammen. „Ich halte es für besser, die Stasi-Unterlagen aus Mecklenburg-Vorpommern in der größten Stadt des Landes aufzubewahren“, sagt Rostocks Uni-Rektor Wolfgang Schareck. Außerdem, so Schareck, „arbeiten unsere Historiker eng mit der Stasi-Unterlagenbehörde in Rostock zusammen, erforschen Zusammenhänge der Diktaturen in Deutschland“. Stefan Creuzberger vom Lehrstuhl für Zeitgeschichte nutzt diese Partnerschaft. „Wir verfolgen gemeinsame Projekte“, betont der Professor. An der Uni gebe es zudem die Forschungsstelle des Landes zur Geschichte der Diktaturen in Deutschland sowie den einzigen Lehrstuhl für Zeitgeschichte im Land. „Alle Sachargumente sprechen für Rostock, um Forschung hier zusammenzubringen.“

Dass die wissenschaftliche Aufarbeitung der Stasi-Hinterlassenschaft mit der Uni gut funktioniert, bestätigt auch der Leiter der Rostocker BStU-Außenstelle, Volker Höffer. „Es gibt Synergien zwischen Akteneinsicht, ihrer Auswertung zu Forschungszwecken sowie der Bildungsarbeit“, so Höffer. Die Außenstelle sei zudem an der Lehrerausbildung beteiligt.

Das Argument der Landesbeauftragten, dass in Schwerin neben den Stasi-Unterlagen künftig auch die Akten aus Verwaltung, Parteien und Massenorganisationen der DDR eingesehen werden könnten, überzeugt in Rostock nicht. Mit Unverständnis reagiert der Vorsitzende der Rostocker CDU, Daniel Peters. „Im Großraum Rostock wohnen 350000 Menschen. Dieses Potenzial und die zentrale Lage erschließen ein Vielfaches mehr an Nutzern der Stasi-Unterlagen als irgendwo sonst im Land“, argumentiert Peters. Die Dokumentations- und Gedenkstätte in der Hansestadt habe zudem überregionale Ausstrahlung. Und er ist überzeugt, dass „neben der Akteneinsicht die historisch-wissenschaftliche Arbeit die Hauptnutzung darstellen wird“.

Der Rostocker Bundestagsabgeornete Harald Terpe (Grüne) verweist mit Blick auf den Vorstoß aus Schwerin darauf, dass man nicht über die Zukunft der Außenstellen spekulieren solle, bevor die Expertenkommission dem Bundestag ihre Empfehlung vorgelegt hat.

Von Thomas Sternberg

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