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Prozess vertagt: Wie krank ist der KZ-Sanitäter?

Neubrandenburg Prozess vertagt: Wie krank ist der KZ-Sanitäter?

Platzt der Prozess gegen den ehemaligen KZ-Sanitäter Hubert Z. doch noch? Zurzeit sieht es danach aus: Gestern ist in Neubrandenburg auch der zweite Versuch gescheitert, ...

Neubrandenburg. Platzt der Prozess gegen den ehemaligen KZ-Sanitäter Hubert Z. doch noch? Zurzeit sieht es danach aus: Gestern ist in Neubrandenburg auch der zweite Versuch gescheitert, die Hauptverhandlung gegen den 95-jährigen Mann zu eröffnen. Z. wurde wie bereits vor zwei Wochen wegen zu hohem Bluthochdruck kurzfristig krankgeschrieben. Die Anklage, die ihm tausendfache Beihilfe zum Mord vorwirft, reagierte gereizt: „Hier wird eine Show abgezogen, die den Mann als verhandlungsunfähig präsentieren soll, aber klare Fakten fehlen“, kritisierte Staatsanwalt Thomas Bardenhagen. Seiner Aussage zufolge habe weder ein Internist noch ein Kardiologe Z. begutachtet, sondern eine Ärztin, die auf Kinder- und Jugendkrankheiten spezialisiert sei. „Ihr Ergebnis haben wir in Form von Stichwörtern bekommen, was genau untersucht wurde, wissen wir nicht“, monierte Bardenhagen. Damit habe sich das Gericht nicht gerade mit „Ruhm bekleckert“.

 

OZ-Bild

Der ehemalige KZ-Sanitäter Hubert Z.

Quelle: Archiv

Gestern ordnete der Vorsitzende Richter Klaus Kabisch eine umfassende internistische und kardiologische Untersuchung in einer Klinik an. Freiwillig wollte Z. an der nicht teilnehmen. Drei Termine, die ihm dafür in der vergangenen Woche angeboten wurden, hat der 95-Jährige abgelehnt. Wann er sich in der Klinik vorstellen muss, ist unklar. Einen neuen Prozesstermin gibt es erst, wenn das Ergebnis der Untersuchungen vorliegt. Mit der erhofft sich die Staatsanwaltschaft auch Antworten auf die Fragen: Kann Z. mit Hilfe von Medikamenten verhandlungsfähig gemacht werden? Und nimmt er eventuell Mittel, die seinen Blutdruck steigen lassen?

Die Anklage wirft Z. Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vor. Als SS-Sanitäter soll er von Mitte August 1944 an einen Monat im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau stationiert gewesen sein.

In der Zeit seien dort 14 Deportationszüge mit Häftlingen angekommen. Von diesen seien mindestens 3681 Menschen in Gaskammern umgebracht worden. Drei Überlebende treten vor Gericht als Nebenkläger auf. Persönlich sind sie gestern nicht erschienen. Auch der Zuschauersaal war deutlich leerer als vor zwei Wochen, viele glauben nicht mehr an einen Prozess.

Z.s Verhandlungsfähigkeit beschäftigt die Gerichte seit Monaten. 2015 hat die Schwurgerichtskammer eine Eröffnung des Verfahrens wegen seines angeblich schlechten Gesundheitszustandes abgelehnt. Doch das Oberlandesgericht ließ daraufhin ein neues Gutachten anfertigen und ordnete die Verhandlung an.

Von Kerstin Schröder

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